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Trends

Was steckt hinter dem TikTok-Phänomen #MatchaTok?

Unter dem Hashtag #MatchaTok ist auf TikTok eine eigene kleine Küche entstanden: eigene Rituale, eigene Trends, eigene Streitfragen. Aus einer einzelnen aufgeschlagenen Matcha-Haube wurde binnen zweier Jahre eine ganze Bewegung, die Cafékarten weltweit verändert hat. Dieser Text ordnet ein, welche Wellen es gab, was daran neu ist und wo berechtigte Kritik ansetzt.

Ein Hashtag wird zur eigenen Küche

MatchaTok bezeichnet einen eigenständig benannten Bereich von TikTok, in dem sich ausschließlich Videos rund um Matcha sammeln: Zubereitungen, Vergleiche, Café-Besuche, Experimente. Nach Angaben mehrerer matcha-fokussierter Medien kommen unter dem Hashtag inzwischen Milliarden Videoaufrufe zusammen, auch wenn sich diese Sammelzahlen nicht bis auf die letzte Stelle nachrechnen lassen. Entscheidend ist weniger die genaue Ziffer als die Beobachtung, dass sich hier ein eigener, wiedererkennbarer Kulturraum gebildet hat, mit eigenen Ritualen und eigener Bildsprache. Wer ein Video mit dem Hashtag postet, bedient damit ein Publikum, das bestimmte Formate bereits kennt: die aufgeschlagene Haube, das geschichtete Glas, die Nahaufnahme des Rührbesens. Genau diese Wiedererkennbarkeit unterscheidet MatchaTok von einem gewöhnlichen Rezeptvideo. Es ist ein eigener kleiner Kosmos innerhalb der großen Plattform geworden, mit eigenen Running Gags und eigenen Erwartungen an Optik und Ablauf. Anders als bei vielen anderen Food-Hashtags bleibt die Klammer dabei sehr eng: Es geht fast ausschließlich um Matcha, selten um Tee im Allgemeinen, was den Bereich für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger leicht durchsuchbar macht.

Die erste Welle: aufgeschlagener Matcha

Den Auftakt setzte im Frühjahr 2023 ein einfacher Trick: Matcha-Pulver wird mit wenig Wasser zu einer dicken, cremigen Haube aufgeschlagen und erst danach auf die Milch gesetzt. Diese Technik gilt als eine Art Gründungsmoment von MatchaTok, weil sie zwei Dinge gleichzeitig lieferte, die auf TikTok zählen: einen klaren, nachmachbaren Ablauf und ein Bild, das in Bewegung gut aussieht. Wenig später folgten die sogenannten Iced Matcha Towers im Sommer 2024, bei denen Kondensmilch, Milch und Matcha in klaren Gläsern übereinandergeschichtet werden, sodass beim Eingießen ein optischer Verlauf entsteht, der sich besonders gut filmen lässt. Im Herbst 2024 kam eine dritte Welle dazu, bei der Baristas Matcha-Pulver wie Kakaopulver für Latte-Art einsetzen, mit Schablonen und kleinen Schaumskulpturen auf der Oberfläche. Alle drei Wellen eint, dass sie zuerst als Technik entstanden und erst danach zum Trend wurden. Die Grundtechnik der ersten Welle, das reine Aufschlagen ohne Milch, wird ausführlich im Wissensartikel „Whipped Matcha: aufgeschlagene Haube nach Dalgona-Art“ beschrieben.

Dirty Matcha als bekanntestes Beispiel

Kein Einzelgetränk steht so sehr für MatchaTok wie der sogenannte Dirty Matcha, bei dem ein Espresso-Shot über einen fertigen Matcha-Latte gegossen wird und dabei einen erkennbaren Farbverlauf von Grün zu Braun erzeugt. Der Name folgt einem älteren Kaffeehaus-Muster, wie es auch beim Dirty Chai bekannt ist: Der dunkle Shot legt sich sichtbar über die helle Basis. Gerade dieser Kontrast macht das Getränk zu einem Paradebeispiel für MatchaTok, weil es zwei beliebte Koffeinquellen in einem Glas zeigt und gleichzeitig fotogen bleibt. Wer die genaue Zubereitung und das richtige Mengenverhältnis nachlesen will, findet eine ausführliche Anleitung im Wissensartikel „Dirty Matcha selber machen: das Rezept mit Espresso“. Innerhalb der MatchaTok-Bewegung gilt Dirty Matcha inzwischen fast als Klassiker, obwohl die eigentliche Erfindung noch keine drei Jahre zurückliegt.

Ungewöhnliche Geschmackskombinationen als Dauerbrenner

Neben den großen technischen Wellen lebt MatchaTok von einer stetigen Suche nach neuen Geschmackspaarungen. Braune Butter, Erdbeercreme, Ube, Lavendelhonig und Tahini gehörten zu den Kombinationen, die zeitweise einzeln viral gingen, weil sie eine vertraute Basis mit einer überraschenden Zutat verbanden. Dieses Muster wiederholt sich auffällig oft: Eine Zutat, die vorher in einem ganz anderen Zusammenhang bekannt war, wird testweise in den Matcha-Latte gemischt, ein kurzes Video zeigt Zubereitung und ersten Schluck, und je nach Reaktion setzt sich die Kombination für ein paar Wochen als eigener Mini-Trend durch. Manche dieser Paarungen verschwinden schnell wieder, andere schaffen es in feste Cafékarten. Für Zuschauerinnen und Zuschauer entsteht dabei ein fortlaufendes Angebot an neuen Ideen, das die Plattform am Laufen hält, auch wenn nicht jede Kombination auf Dauer bestehen bleibt. Ein Teil des Reizes liegt gerade darin, live mitzuverfolgen, ob eine neue Idee beim eigenen ersten Schluck tatsächlich funktioniert oder nach ein paar Tagen wieder in der Versenkung verschwindet.

Wo der Trend kritisch gesehen wird

MatchaTok hat auch Schattenseiten, die in der Berichterstattung immer wieder auftauchen. Ein Punkt ist Fehlinformation: Unter dem Hashtag kursieren wiederholt unbelegte Behauptungen über angebliche Wirkungen von Matcha auf leeren Magen, die sich mit den vorliegenden Quellen nicht bestätigen lassen und als das behandelt werden sollten, was sie sind: unbewiesene Behauptungen aus Kurzvideos, nicht als gesicherte Fakten. Ein zweiter Kritikpunkt betrifft kleine, unabhängige Cafés: Wenn ein aufwendiges, aufgeschlagenes Ritual viral geht, entsteht Druck, genau dieses Ritual auch im laufenden Betrieb anzubieten, selbst wenn die dafür nötigen Zutaten oder Arbeitsschritte im Alltag schwer skalierbar sind. Ein dritter Punkt ist der Abfall durch Einweg-Plastikbecher, der bei aufwendig geschichteten, extra fürs Video bestellten Getränken zusätzlich anfällt. Wer diese drei Kritikpunkte kennt, kann Videos unter dem Hashtag deutlich gelassener einordnen: als Unterhaltung und Inspiration, nicht als geprüften fachlichen Rat.

Was aus dem Trend bleibt

So schnelllebig einzelne Wellen von MatchaTok auch sind, ein paar Effekte bleiben über die einzelnen Trends hinaus bestehen. Cafés weltweit haben ihre Karten um Iced-Matcha-Varianten, Latte-Art-Optionen und geschichtete Getränke erweitert, weil die Nachfrage aus genau diesen Kurzvideos entstanden ist. Auch das Bild, das viele Menschen von Matcha im Kopf haben, hat sich verschoben: weg vom reinen Ritualtee, hin zu einer vielseitigen Zutat für Getränke aller Art, wie es der Wissensartikel „Matcha auf TikTok – warum der Trend nicht abreißt“ ausführlicher beschreibt. Gleichzeitig hat der Trend vielen Menschen einen ersten, oft spielerischen Zugang zu Matcha überhaupt erst verschafft, die vorher nie eine Schale angerührt hätten. Wer heute in ein Café geht und nach Iced Matcha oder einer Latte-Art-Variante fragt, bewegt sich damit auf einem Weg, der sich in dieser Form erst durch MatchaTok gebildet hat. Selbst Menschen, die mit TikTok selbst nichts am Hut haben, bekommen die Auswirkungen also spätestens an der Café-Theke zu spüren, wenn eine früher exotische Bestellung heute ganz selbstverständlich auf der Karte steht.

Matcha jenseits der Kamera

Bei aller Bild-und-Video-Logik von MatchaTok lohnt sich ein Blick auf das, was am Ende in der Tasse landet, wenn die Kamera aus ist. Für die Basis jeder Version, ob aufgeschlagene Haube, geschichteter Turm oder klassischer Latte, entscheidet vor allem das Pulver selbst über Farbe und Geschmack: fein steingemahlen, aus erster Ernte, mild statt bitter, wie beim MATCHASHOCK Bio-Matcha, der sich für alle drei beschriebenen Techniken eignet, ohne beim Aufschlagen bitter zu kippen. Wer selbst mit einer der MatchaTok-Techniken experimentieren will, fährt am einfachsten mit kleinen Mengen: ein Gramm Pulver zum Üben der Haube, ein zweites Glas für die Schichtung. So lässt sich der Trend zu Hause nachvollziehen, unabhängig davon, ob am Ende ein Video dabei entsteht oder nicht. Am Ende entscheidet ohnehin nicht der Filter, sondern die Schale: Ein gutes Pulver schmeckt auch dann, wenn niemand zusieht.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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