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Koffeinfreier Matcha: warum das gemahlene Blatt ein Sonderfall ist

Koffeinfreien Matcha im Sinn von null Milligramm gibt es praktisch nicht, und dafür gibt es einen nachvollziehbaren Grund. Die Leitsätze für Tee erlauben den Hinweis auf eine Entkoffeinierung erst, wenn die Trockenmasse nicht mehr als 0,4 Prozent Koffein enthält – ein Restgehalt bleibt also immer. Bei Matcha kommt hinzu, dass du das ganze Blatt trinkst und nicht nur den Aufguss. Dieser Artikel erklärt, was Entkoffeinierung technisch bedeutet, warum sie beim gemahlenen Blatt kaum angeboten wird und welcher Weg im Alltag wirklich funktioniert.

Was das Lebensmittelrecht unter entkoffeiniert versteht

Die Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee des Deutschen Lebensmittelbuchs sind an dieser Stelle präzise. In der Neufassung vom 25. April 2022 heißt es: Auf eine Entkoffeinierung wird nur hingewiesen, wenn die Trockenmasse des Tees nicht mehr als 0,4 Prozent Koffein enthält. Für Tee-Extrakt liegt die Schwelle bei 1,2 Prozent. Zum Vergleich steht in denselben Leitsätzen, dass Tee mindestens 1,5 Prozent Koffein in der Trockenmasse enthält. Entkoffeinierung heißt also: von mindestens 1,5 Prozent herunter auf höchstens 0,4 Prozent. Das ist eine deutliche Absenkung, aber eben keine Null. Der Ausdruck koffeinfrei ist für Tee in diesen Leitsätzen gar nicht definiert, und koffeinarm ist kein geschützter Begriff. Wenn eine Packung mit koffeinfrei wirbt, lohnt sich deshalb der Blick auf die Zahl dahinter. Ohne Milligrammangabe je Gramm oder Prozentangabe in der Trockenmasse ist das nur ein Wort auf einem Karton.

Warum 0,4 Prozent beim Pulver eine andere Größe ist

Bei losem Tee trinkst du nur, was ins Wasser übergeht. Bei Matcha ist das anders, und die Leitsätze halten das ausdrücklich fest: Verzehrt wird üblicherweise der Aufguss ohne die extrahierten Teeblätter, bei einzelnen Spezialitäten wie Matcha werden die Pflanzenteile mitverzehrt. Damit rechnest du direkt am Pulver. 0,4 Prozent Koffein in der Trockenmasse sind 4 Milligramm je Gramm. Eine Schale mit 2 Gramm entkoffeiniertem Pulver käme also auf höchstens rund 8 Milligramm. Zum Vergleich: Stiftung Warentest berichtet am 6. April 2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest, zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, mit 15,5 bis 20 Milligramm Koffein je Gramm. Zwei Gramm gewöhnliches Pulver liegen damit bei rund 31 bis 40 Milligramm. Ein entkoffeiniertes Pulver läge rechnerisch bei einem Viertel bis einem Fünftel davon – immer noch messbar, aber deutlich darunter. Wie eng eine Tagessumme dabei werden kann, rechnet „Matcha in der Stillzeit: die 200-Milligramm-Grenze“ an der knappsten Marke durch.

Welche Verfahren das Gesetz überhaupt zulässt

Entkoffeiniert wird immer das Blatt, nie das fertige Pulver. Die europäische Richtlinie 2009/32/EG regelt, womit dabei gearbeitet werden darf. In Teil I ihres Anhangs I stehen Lösungsmittel, die unter Einhaltung der guten Herstellungspraxis für sämtliche Verwendungszwecke eingesetzt werden dürfen, darunter Kohlendioxid, Ethylacetat und Ethanol. Teil II nennt eigens die Extraktion von Koffein sowie von Reiz- und Bitterstoffen aus Kaffee und Tee und setzt Höchstwerte: Methylacetat 20 Milligramm je Kilogramm, Ethylmethylketon 20 Milligramm je Kilogramm, Dichlormethan 5 Milligramm je Kilogramm im Tee. In der Praxis arbeiten Anlagen für Tee meist mit Kohlendioxid unter Druck oder mit Ethylacetat. Beide Wege haben eines gemeinsam: Das Blatt wird angefeuchtet, durchströmt und danach wieder getrocknet. Wasserlösliche Begleitstoffe wandern dabei zum Teil mit, weil das Koffein im Blatt nicht allein sitzt. Genau an dieser Stelle verändern sich Farbe und Aroma.

Warum es entkoffeinierten Matcha so selten gibt

Drei Gründe kommen zusammen. Erstens ist Tencha, das Ausgangsblatt für Matcha, ein kleines, teures Erzeugnis aus einer beschatteten Pflückung – Entkoffeinierungsanlagen sind dagegen auf große, gleichförmige Chargen ausgelegt. Zweitens wird Matcha nach dem Trocknen sehr fein vermahlen; ein Blatt, das nach einem nassen Verfahren erneut getrocknet wurde, verhält sich in der Mühle anders und bringt eine andere Farbe mit. Drittens ist ein fertiges Pulver technisch gar nicht mehr zu entkoffeinieren: In der Schale schwimmt eine Aufschwemmung, aus der sich nichts herausfiltern lässt, ohne das Pulver selbst zu entfernen. Wer entkoffeinierten Matcha sucht, sucht also ein Erzeugnis, das schon auf der Blattstufe behandelt wurde. Was dieses Ausgangsblatt ausmacht, steht in „Tencha: das Blatt, aus dem Matcha gemahlen wird“. Angebote, die nur mit dem Wort werben, ohne eine Zahl zu nennen, gehören auf die Prüfliste.

Diese Alternativen kommen wirklich ohne Koffein aus

Wer null Milligramm braucht, muss die Teepflanze verlassen. Die Leitsätze definieren Tee ausschließlich als Erzeugnis aus Blättern, Blattknospen und zarten Stielen von Camellia sinensis. Alles, was aus anderen Pflanzen kommt, fällt unter Kräuter- und Früchtetee: Rooibos, Kamille, Pfefferminze, Früchtemischungen. Diese Aufgüsse enthalten von Natur aus kein Koffein. Innerhalb der Teepflanze gibt es dagegen nur Abstufungen. Die Leitsätze nennen ausdrücklich Kukicha, die Teespezialität aus Stängeln und Blattrippen, bei der der Koffeingehalt niedriger liegen kann als die sonst geforderten 1,5 Prozent. Auch gerösteter Tee bleibt Tee: Die Röstung verändert Farbe und Aroma, nicht aber die botanische Herkunft und damit auch nicht die Tatsache, dass Koffein im Blatt vorhanden ist. Ein gerösteter Tee schmeckt also anders als das gemahlene Blatt, bleibt aber dieselbe Pflanze – und damit bleibt auch das Koffein im Blatt.

Der praktische Weg führt über die Menge

Statt ein Erzeugnis zu suchen, das es kaum gibt, lässt sich die Zahl direkt steuern. Mit den Werten aus dem dTest-Bericht ergibt 1 Gramm Pulver rund 15,5 bis 20 Milligramm Koffein, 1,5 Gramm rund 23 bis 30 Milligramm und 2 Gramm rund 31 bis 40 Milligramm. Zur Einordnung nennt das BfR in seiner FAQ vom 5. Januar 2026 folgende Portionswerte: Filterkaffee 200 Milliliter 90 Milligramm, Espresso 60 Milliliter 80 Milligramm, schwarzer Tee 200 Milliliter 45 Milligramm, grüner Tee 200 Milliliter 30 Milligramm. Eine halbierte Schale Matcha liegt damit auf dem Niveau einer Tasse grünen Tees. Praktisch heißt das auch: Aus 30 g werden bei 1 g je Schale rund 30 statt rund 15 Portionen. Wie du klein dosierst, ohne dass die Schale dünn schmeckt, steht in „Matcha bei Koffeinempfindlichkeit: kleiner dosieren“.

So rechnest du den Koffeingehalt einer Dose selbst aus

Die Umrechnung ist einfacher, als sie aussieht. Steht auf einer Packung ein Prozentwert für die Trockenmasse, multiplizierst du ihn mit 10 und bekommst Milligramm je Gramm: 0,4 Prozent sind 4 Milligramm je Gramm, 1,5 Prozent sind 15 Milligramm je Gramm, 2 Prozent sind 20 Milligramm je Gramm. Danach multiplizierst du mit deiner Einwaage. Bei 2 Gramm Pulver ergibt das 8, 30 beziehungsweise 40 Milligramm je Schale. Die von dTest berichteten Werte von 15,5 bis 20 Milligramm je Gramm entsprechen damit rund 1,55 bis 2,0 Prozent in der Trockenmasse – und liegen genau dort, wo die Leitsätze mit ihrem Mindestgehalt von 1,5 Prozent für Tee ansetzen. Wer diese Rechnung im Kopf hat, erkennt sofort, ob eine Werbeaussage zur Packungsangabe passt oder ob sie ohne Zahl auskommen soll.

Woran du eine ehrliche Angabe erkennst

Vier Punkte reichen. Erstens eine Zahl mit Einheit: Milligramm Koffein je Gramm Pulver oder Prozent in der Trockenmasse, nicht bloß ein Werbewort. Warum eine Laborzahl ohne Bezugsgröße genau das nicht leistet, zeigt „Der ORAC-Wert von Matcha: was die Zahl misst und was nicht“. Zweitens der Bezug auf eine Prüfung mit Datum, idealerweise ein Analysezertifikat, das du anfordern kannst. Drittens die Zutatenliste: Ein reines Pulver hat genau eine Zutat. Latte-Mischungen und Sticks bringen Milchpulver, Zucker und Aromen mit und verschieben jede Rechnung. Viertens die Bezeichnung selbst – nach den Leitsätzen darf der Hinweis auf eine Entkoffeinierung nur stehen, wenn die 0,4 Prozent eingehalten sind. Das MATCHASHOCK Bio Matcha ist bewusst kein entkoffeiniertes Erzeugnis: eine Zutat, erste Ernte, auf Pestizide, Schwermetalle und Radionuklide geprüft. Die Dose kostet 25,00 € für 30 g, Grundpreis 833,33 € je Kilogramm; bei 2 g je Schale sind das rund 15 Schalen und rund 1,67 € Pulveranteil je Schale. Günstiger wird es über die Menge: drei Dosen kosten 63,00 Euro (21,00 Euro je Dose, Grundpreis 700,00 Euro je Kilogramm), sechs Dosen 108,00 Euro (18,00 Euro je Dose, Grundpreis 600,00 Euro je Kilogramm).

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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