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So viel EGCG steckt in zwei Gramm Matcha
EGCG ist das bekannteste Katechin im grünen Tee, und bei Matcha wird besonders oft danach gefragt. Konkrete Milligrammzahlen findet man trotzdem selten, weil die Literatur weit auseinanderliegt. Dieser Text sammelt die tatsächlich gemessenen Werte je Gramm Pulver, rechnet sie auf eine Schale mit zwei Gramm herunter und erklärt, warum die Spannen so groß sind und wie die europäische Lebensmittelbehörde die Größenordnung einordnet.
Was EGCG ist und wo es im Blatt sitzt
EGCG ist die Abkürzung für Epigallocatechingallat, einen Pflanzenstoff aus der Gruppe der Katechine. Katechine wiederum gehören zu den Polyphenolen, einer sehr großen Stoffgruppe, die in fast allen Pflanzen vorkommt. Im Teeblatt sind vier Katechine mengenmäßig bestimmend: Epicatechin, Epicatechingallat, Epigallocatechin und eben Epigallocatechingallat. Ein Übersichtsartikel im Fachjournal Molecules bezeichnet EGCG als das mengenmäßig reichlichste und chemisch aktivste dieser vier. Katechine sitzen im Blattgewebe und sind wasserlöslich, weshalb sie beim Aufguss teilweise ins Wasser übergehen und beim Matcha vollständig in der Schale landen. Ihr Anteil hängt stark davon ab, wie die Pflanze gewachsen ist. Welche dieser Stoffe im Matcha vorkommen und wie die Stoffgruppe insgesamt aufgebaut ist, ist Thema von „Welche Antioxidantien stecken in Matcha?“. Dieser Artikel geht den Schritt weiter und nennt Mengen.
Die gemessenen Werte je Gramm Pulver
Die belastbarste Einzelmessung, auf die sich hier zurückgreifen lässt, stammt aus der Fachzeitschrift Antioxidants aus dem Jahr 2022. Die Arbeitsgruppe um Koláčková hat drei handelsübliche Matcha-Proben über einen dreißigminütigen Wasserauszug bei 37 Grad untersucht, also unter Bedingungen, die dem Trinken nahekommen. Gemessen wurden 7.610 bis 16.900 Mikrogramm EGCG je Gramm Pulver, das sind 7,6 bis 16,9 Milligramm je Gramm. Für die Gesamtpolyphenole kam dieselbe Untersuchung auf 31.400 bis 34.500 Mikrogramm je Gramm, also 31,4 bis 34,5 Milligramm, und für Koffein auf 14,1 bis 16,1 Milligramm je Gramm. EGCG stellt in dieser Messung damit grob ein Viertel bis die Hälfte der erfassten Polyphenole. Andere Untersuchungen mit anderen Extraktionsmitteln kommen auf deutlich höhere Werte, weshalb die Angabe ohne Methode wenig aussagt. Der nächste Abschnitt zeigt, wie weit die Spanne reicht.
Die Polyphenolwerte aus dem dTest-Bericht zum Vergleich
Stiftung Warentest berichtet am 6. April 2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver. Für die Polyphenole ermittelten die Labore 107 Milligramm je Gramm beim einen und 123 Milligramm je Gramm beim anderen der beiden empfohlenen Pulver. Das sind Werte für die gesamte Polyphenolfraktion, nicht für EGCG allein, und sie liegen rund drei- bis viermal höher als die Gesamtpolyphenole aus dem Wasserauszug der Antioxidants-Arbeit. Der Grund liegt nicht in besserem oder schlechterem Matcha, sondern in der Bestimmungsmethode: Ein Wasserauszug bei Körpertemperatur erfasst nur das, was unter diesen Bedingungen in Lösung geht, eine Gesamtbestimmung am Pulver erfasst mehr. Beide Zahlen sind für sich korrekt und beantworten verschiedene Fragen. Für die Praxis ist die dTest-Zahl die passendere Angabe für den Gehalt im Pulver, die Antioxidants-Zahl die passendere für das, was im Wasser tatsächlich gelöst vorliegt.
Umgerechnet auf eine Schale mit zwei Gramm
Jetzt die Rechnung, um die es geht. Bei einer üblichen Schale mit zwei Gramm Pulver ergeben sich nach den Messwerten der Antioxidants-Arbeit rund 15 bis 34 Milligramm EGCG in gelöster Form und rund 63 bis 69 Milligramm Gesamtpolyphenole. Legt man stattdessen die dTest-Werte für den Polyphenolgehalt des Pulvers zugrunde, kommt eine Schale auf rund 214 bis 246 Milligramm Polyphenole insgesamt. Da EGCG in der Literatur regelmäßig als der mengenmäßig größte Einzelposten dieser Fraktion beschrieben wird, liegt der EGCG-Anteil einer Schale je nach Pulver und Methode grob zwischen einigen Dutzend und deutlich über hundert Milligramm. Diese Spanne ist ehrlicher als jede einzelne Zahl mit Nachkommastelle. Wer drei Schalen am Tag trinkt, multipliziert entsprechend. Zum Vergleich derselben Portion beim Koffein: rund 31 bis 40 Milligramm je Schale nach den dTest-Messungen von 15,5 bis 20 Milligramm je Gramm.
Warum die Zahlen in der Literatur so weit auseinanderliegen
Vier Ursachen erklären den größten Teil der Streuung, und wer sie kennt, liest jede Angabe im Netz anders. Erstens das Lösungsmittel: Wasser und Methanol holen unterschiedlich viel aus derselben Probe, und viele Studien geben Methanolwerte an, die niemand trinkt. Zweitens die Temperatur und die Dauer des Auszugs, denn Katechine gehen bei höheren Temperaturen stärker in Lösung. Drittens die Pflanze selbst: Cultivar, Erntezeitpunkt und die Wochen unter dem Beschattungsnetz verändern die Katechinbildung, weil deren Aufbau Licht braucht. Viertens das Messverfahren, von der Kapillarelektrophorese über die Hochdruckflüssigkeitschromatographie bis zu summarischen Farbreaktionen für Gesamtpolyphenole. Deshalb gilt: Eine EGCG-Angabe ohne Methode ist keine Angabe. Wenn dir also eine Marke eine einzelne runde Zahl nennt, frag nach der Untersuchung dahinter. Wie sich ein solches Laborpapier lesen lässt, steht in „Analysezertifikat für Matcha lesen: Zeile für Zeile erklärt“.
Die Einordnung der europäischen Lebensmittelbehörde
Für die Größenordnung gibt es eine amtliche Referenz. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2018 eine ausführliche Bewertung zu Grüntee-Katechinen vorgelegt. Darin steht, dass die mittlere tägliche Aufnahme an EGCG aus Grüntee-Aufgüssen in der EU bei 90 bis 300 Milligramm liegt, während Vieltrinker bis zu 866 Milligramm am Tag erreichen. Sicherheitsbedenken formuliert die Behörde ausdrücklich für Dosen ab 800 Milligramm EGCG am Tag aus Grüntee-Extrakten, also aus konzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln. Die Verbraucherzentrale fasst denselben Sachverhalt für den Alltag zusammen: Grüntee-Produkte als Tee-Aufguss oder als Matcha-Pulver gelten als sicher, die Bedenken betreffen die Extrakte in Kapselform. Sie nennt für die Katechin-Aufnahme aus Tee in der EU dieselbe Spanne von 90 bis 300 Milligramm am Tag und ordnet sie als weit unterhalb der Grenze von 800 Milligramm ein. Eine Schale Matcha liegt damit klar im Bereich des normalen Teekonsums, und mehrere Schalen am Tag bleiben in derselben Größenordnung wie bei jemandem, der regelmäßig grünen Tee trinkt. Warum bei bestimmten Präparaten trotzdem ein zeitlicher Abstand empfohlen wird, steht in „Matcha und Medikamente: der Abstand zur Einnahme“.
Warum beim Matcha nichts im Blatt zurückbleibt
Ein Punkt macht den Unterschied zum aufgegossenen Grüntee aus, und er betrifft nicht den Gehalt im Blatt, sondern das Verfahren. Beim Aufguss liegt das Blatt in der Kanne, ein Teil der Katechine geht ins Wasser, der Rest bleibt im nassen Blatt und wandert in den Biomüll. Beim Matcha ist das Blatt zu Pulver gemahlen und schwebt vollständig in der Flüssigkeit. Der Übersichtsartikel in Molecules formuliert genau das: Aufgüsse aus eingeweichten Blättern enthalten weniger Polyphenole als Zubereitungen aus der Pulverform, weil dort die gesamte Blattmasse mitgetrunken wird. Das ist der sachliche Kern hinter der oft gehörten Aussage, Matcha liefere mehr als eine Tasse Sencha aus derselben Menge Blatt. Und weil nichts zurückbleibt, gibt es beim Matcha auch keinen zweiten Auszug aus derselben Portion, wie „Matcha ein zweites Mal aufgießen? Warum nichts übrig bleibt“ Schritt für Schritt zeigt: Was in der Schale war, ist mit dem letzten Schluck vollständig getrunken.
Was du beim Kauf davon ablesen kannst
Aus der Zahlenlage folgen drei praktische Punkte. Erstens: Eine Dose, die einen exakten EGCG-Wert auf das Etikett druckt, ohne Methode und Prüfbericht dazu zu nennen, macht eine Werbeaussage, keine Messangabe. Zweitens: Der Gehalt hängt an Anbau, Ernte und Beschattung, und diese Merkmale stehen auf guten Dosen ohnehin, während sie auf schwachen fehlen. Diese Angaben stehen in der Pflichtkennzeichnung und in der Zutatenliste, nicht in der Werbezeile auf der Vorderseite. Drittens: Für den Alltag ist nicht die dritte Nachkommastelle entscheidend, sondern die Menge Pulver in der Schale und die Zahl der Schalen am Tag. Zwei Gramm sauber gesiebt und richtig aufgeschlagen bringen alles mit, was das Pulver hergibt. Unsere Dose fasst 30 Gramm zum Preis von 25,00 Euro, das entspricht 833,33 Euro je Kilogramm und bei zwei Gramm je Schale rund 15 Schalen, also rund 1,67 Euro Pulveranteil je Schale.
Quellen
- Koláčková u. a., Antioxidants 2022 – Matcha im Wasserauszug: 7.610 bis 16.900 Mikrogramm EGCG, 31.400 bis 34.500 Mikrogramm Gesamtpolyphenole und 14,1 bis 16,1 Milligramm Koffein je Gramm Pulver ↗
- Stiftung Warentest – Bericht vom 06.04.2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, Polyphenole 107 und 123 Milligramm je Gramm, Koffein 15,5 bis 20 Milligramm je Gramm ↗
- EFSA – Scientific opinion on the safety of green tea catechins (2018): 90 bis 300 Milligramm EGCG am Tag aus Aufgüssen in der EU, bis 866 Milligramm bei Vieltrinkern, Bedenken ab 800 Milligramm am Tag aus Grüntee-Extrakten ↗
- Kochman u. a., Molecules 2020 – Health Benefits and Chemical Composition of Matcha Green Tea: EGCG als mengenmäßig größtes der vier Hauptkatechine, Pulverzubereitungen enthalten mehr Polyphenole als Aufgüsse ↗
- Verbraucherzentrale – Grüntee-Extrakt: Aufguss und Matcha-Pulver gelten als sicher, die Katechin-Aufnahme aus Tee liegt in der EU im Schnitt bei 90 bis 300 Milligramm am Tag ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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