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Grundlagen

Warum es beim Matcha keinen zweiten Aufguss gibt

Wer Sencha trinkt, gießt dieselben Blätter selbstverständlich ein zweites und ein drittes Mal auf. Beim Matcha geht das nicht, und zwar nicht aus Prinzip, sondern weil in der Schale gar kein Blatt zurückbleibt, aus dem noch etwas nachlaufen könnte. Matcha ist eine Suspension aus fein gemahlenem Blatt, kein Aufguss. Dieser Text erklärt den Unterschied an der konkreten Frage, rechnet die Portion durch und sagt dir, was der grüne Bodensatz in der Schale wirklich ist.

Aufguss und Suspension sind zwei verschiedene Verfahren

Beim Aufguss arbeitet das Wasser als Lösungsmittel. Ganze oder gebrochene Blätter liegen in der Kanne, heißes Wasser zieht Koffein, Aminosäuren, Katechine und Aromastoffe heraus, danach trennst du Blatt und Flüssigkeit. Was gelöst wurde, ist im Glas, der Rest bleibt im Blatt. Genau dieser Rest ist der Grund, warum ein zweiter und dritter Aufguss überhaupt Sinn ergibt: Es ist noch etwas da, das das Wasser beim ersten Durchgang nicht mitgenommen hat. Der Deutsche Tee & Kräutertee Verband beschreibt das mehrfache Aufgießen von Blatttee ausdrücklich als übliche Praxis. Bei Matcha entfällt dieser Schritt vollständig. Das Blatt wird vorher zu Pulver gemahlen und dann als Ganzes in Wasser verteilt. Es gibt keine Trennung von Blatt und Flüssigkeit, kein Sieb, keinen Filter, kein Teeei. Fachlich ist das keine Extraktion, sondern eine Suspension: Feststoff, der in Flüssigkeit schwebt. Der Verband beschreibt dazu den passenden Ablauf, nämlich einen halben Teelöffel Pulver zuerst mit zwei Esslöffeln kaltem Wasser cremig zu rühren und erst danach rund 150 Milliliter heißes Wasser dazuzugeben. Diesen theoretischen Rahmen behandelt „Matcha oder grüner Tee? Ganzes Blatt gegen Aufguss“ ausführlich, die praktische Frage nach dem zweiten Guss klärt er nicht.

Was der zweite Sencha-Aufguss noch aus dem Blatt holt

Beim Blatttee lohnt sich der zweite Guss aus einem einfachen Grund: Ein großer Teil der wasserlöslichen Stoffe bleibt beim ersten Durchgang im Blatt. Wie viel genau, hängt von Temperatur, Ziehzeit, Mahlgrad und Blattgröße ab. Koffein löst sich schnell und in den ersten Sekunden bereits reichlich, Katechine gehen bei höheren Temperaturen stärker über, Aminosäuren brauchen länger. Deshalb schmeckt der zweite Aufguss anders als der erste, oft milder, manchmal süßer, und deshalb sprechen Teetrinkerinnen und Teetrinker von der zweiten und dritten Note desselben Blattes. Ein Übersichtsartikel im Fachjournal Molecules bringt den Punkt für unseren Fall auf den Nenner: Aufgüsse aus eingeweichten Teeblättern enthalten weniger Polyphenole als Zubereitungen aus der Pulverform. Das ist keine Wertung gegen Sencha, sondern eine Beschreibung des Verfahrens. Beim Aufguss ist ein Teil der Stoffe im Blatt gebunden und wandert erst über mehrere Güsse ins Wasser, ein weiterer Teil bleibt am Ende im nassen Blatt in der Kanne zurück und landet im Biomüll. Beim Matcha gibt es diesen Rest nicht, weil du das Blatt selbst trinkst. Wie viel EGCG dabei je Schale zusammenkommt und warum die Messwerte so weit auseinanderliegen, rechnet „EGCG in Matcha: wie viel in einer Schale steckt“ mit den vorliegenden Laborzahlen durch.

In der Matcha-Schale bleibt nichts übrig, das man aufgießen könnte

Das Missverständnis entsteht am Boden der Schale. Nach dem Trinken siehst du dort oft einen dünnen grünen Film oder ein paar Krümel, und das sieht aus wie ein ausgelaugtes Blatt, das noch etwas hergibt. Es ist aber genau das Gegenteil: Es ist ungelöstes Pulver, das sich abgesetzt hat, weil es feiner Feststoff in Wasser ist und Feststoff nun einmal sinkt. Dieses Pulver hat nichts abgegeben, es ist einfach noch nicht getrunken. Würdest du Wasser nachgießen, holst du keinen zweiten Auszug, sondern rührst denselben Feststoff noch einmal auf, nur diesmal in einer sehr dünnen und meist deutlich kühleren Flüssigkeit. Warum sich das Pulver überhaupt absetzt und was dagegen hilft, steht in „Matcha setzt sich ab: warum das Pulver sinkt und was es aufhält“. Praktisch heißt das: Die Schale ist leer, wenn sie leer ist. Der einzige sinnvolle zweite Schritt ist ein Schluck Wasser, mit dem du den Rest ausschwenkst und mittrinkst, so wie es in der japanischen Praxis am Ende ohnehin üblich ist.

Die Zahlen zu zwei Gramm Pulver in einer Schale

Es hilft, die Portion konkret zu machen. Stiftung Warentest berichtet am 6. April 2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, mit Koffeingehalten zwischen 15,5 und 20 Milligramm je Gramm. Bei zwei Gramm Pulver sind das rund 31 bis 40 Milligramm Koffein in der Schale. An Polyphenolen kam die Untersuchung auf 107 beziehungsweise 123 Milligramm je Gramm, also grob 214 bis 246 Milligramm je Portion. Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift Antioxidants aus dem Jahr 2022 hat drei Matcha-Proben über einen Wasserauszug analysiert und dort 31.400 bis 34.500 Mikrogramm Gesamtpolyphenole je Gramm sowie 14,1 bis 16,1 Milligramm Koffein je Gramm gefunden. Die Spanne zwischen den Untersuchungen zeigt, wie stark Methode und Probe die Zahl bestimmen. Entscheidend für unsere Frage ist aber nicht die genaue Höhe, sondern der Bezugspunkt: Alle diese Werte beziehen sich auf das Pulver, das komplett in der Schale landet und komplett getrunken wird. Die vollständige Aufstellung dieser Portion, von Kalorien über Ballaststoffe bis zu den Mineralstoffen, steht in „Matcha Nährwerte: Kalorien und Werte je zwei Gramm Pulver“. Es gibt keine zweite Portion desselben Materials, weil die erste bereits alles war.

Wie viel Wasser eine Portion Pulver überhaupt verträgt

Statt einen zweiten Aufguss zu suchen, kannst du beim Matcha die Wassermenge steuern, und das ist der eigentliche Hebel. Zwei Gramm auf 60 bis 80 Milliliter ergeben eine dichte, dunkle Schale mit spürbarer Textur. Dieselben zwei Gramm auf 150 Milliliter, wie sie der Teeverband für die einfache Zubereitung nennt, ergeben ein leichteres, klareres Getränk. Auf 250 Milliliter wird daraus ein langes Getränk, das viele als Alltagsvariante trinken. Die Menge an Pulver bleibt in allen drei Fällen gleich, damit auch die Menge an Koffein und Polyphenolen. Du verdünnst nur. Genau das ist der Unterschied zum Blatttee, wo mehr Wasser über mehrere Güsse tatsächlich mehr Substanz aus dem Blatt holt. Wer also den Eindruck hat, aus einer Portion müsse noch mehr herauszuholen sein, greift beim Matcha nicht zum zweiten Guss, sondern zur größeren Tasse. Wer dagegen mehr Dichte will, nimmt weniger Wasser. Beides ist eine Entscheidung über die Dichte, nicht über die Ausbeute.

Was passiert, wenn du trotzdem Wasser nachgießt

Probier es ruhig einmal aus, es ist lehrreich. Du gießt heißes Wasser in die scheinbar leere Schale, rührst um und bekommst eine blassgrüne, dünne Flüssigkeit mit sehr wenig Geschmack. Was du trinkst, sind die letzten Reste Pulver, die an der Wand und am Boden hängen geblieben sind, plus ein bisschen gelöster Farbstoff. Es schmeckt nicht nach einer zweiten Note, sondern nach stark verdünntem Matcha, weil es genau das ist. Bei sehr fein gemahlenem Pulver bleibt fast nichts übrig, weil sich kaum etwas absetzt. Bei gröberem Pulver bleibt mehr hängen, und der Nachguss ist entsprechend kräftiger, was aber kein Qualitätsmerkmal ist, sondern ein Hinweis auf den Mahlgrad. Wie fein das Pulver gemahlen ist, entscheidet also darüber, wie viel überhaupt am Boden liegen bleibt. Der ehrliche Rat lautet deshalb: Wenn regelmäßig viel Pulver am Boden liegen bleibt, ist das kein Grund für einen zweiten Guss, sondern ein Grund, beim nächsten Mal besser zu sieben und länger aufzuschlagen.

Ergiebigkeit rechnest du über die Dose, nicht über die Schale

Beim Blatttee ist die Zahl der Aufgüsse ein Teil der Rechnung: Zehn Gramm Sencha reichen über drei Güsse für mehrere Tassen. Beim Matcha verschiebt sich diese Rechnung auf die Dose. Unsere Dose enthält 30 Gramm zum Preis von 25,00 Euro, das entspricht einem Grundpreis von 833,33 Euro je Kilogramm. Bei zwei Gramm je Schale ergibt das rund 15 Schalen und damit rechnerisch rund 1,67 Euro Pulveranteil je Schale. Wer mit 1,5 Gramm arbeitet, kommt auf rund 20 Schalen, wer eine dichte Schale mit 3 Gramm mag, auf rund 10. Das ist die ehrliche Stellschraube, und sie liegt beim Dosieren, nicht beim Nachgießen. Diese Rechnung verschiebt sich damit allein über die Dosierung und nie über die Zahl der Güsse. Merksatz für den Alltag: Beim Aufguss holst du mehr aus demselben Blatt, beim Matcha holst du mehr aus derselben Dose. Der zweite Aufguss fehlt dir nicht, weil es beim ersten schon nichts mehr zu holen gab.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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