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Matcha kalt zubereitet: ändert sich der Koffeingehalt?
Bei Blatttee entscheidet die Wassertemperatur mit darüber, wie viel Koffein in die Tasse übergeht. Bei Matcha nicht: Du trinkst das gemahlene Blatt mit, also landet der komplette Gehalt der eingewogenen Menge in der Schale – ob mit 80 Grad heißem Wasser oder mit Eiswürfeln im Shaker. Stiftung Warentest berichtet am 6. April 2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, mit 15,5 bis 20 Milligramm Koffein je Gramm. Dieser Artikel zeigt, warum beim ganzen Blatt anders gerechnet wird als beim Aufguss und welche Stellschraube die Zahl wirklich bewegt.
Die Frage stammt aus der Aufguss-Welt
Wer kalten Tee ansetzt, kennt den Eindruck: Der Cold Brew schmeckt milder, und tatsächlich geht in kaltem Wasser über Stunden weniger in die Kanne über als in heißem Wasser in drei Minuten. Denn beim Aufguss trennst du am Ende Blatt und Flüssigkeit. Was im Blatt bleibt, wandert in den Kompost. Genau hier setzen die Leitsätze für Tee an. Dort steht: Verzehrt wird üblicherweise der Aufguss ohne die extrahierten Teeblätter oder Pflanzenteile. Und direkt danach der Satz, um den es in diesem Artikel geht: Bei einzelnen Spezialitäten, zum Beispiel Matcha, werden die Pflanzenteile mitverzehrt. Die Leitsätze halten außerdem fest, dass Tee üblicherweise mit heißem Wasser über 60 Grad zubereitet wird und nur ausdrücklich gekennzeichneter Tee für den Kaltaufguss gedacht ist. Bei Matcha fällt diese ganze Unterscheidung weg, weil es keinen Rückstand gibt, der etwas zurückhalten könnte.
Wie gut sich Koffein überhaupt in Wasser löst
Die Zahlen dazu sind alt und gut dokumentiert. Nach dem Merck Index, hinterlegt in der Stoffdatenbank PubChem, löst sich 1 Gramm Koffein in 46 Millilitern Wasser bei Raumtemperatur, in 5,5 Millilitern Wasser bei 80 Grad und in 1,5 Millilitern kochendem Wasser. Umgerechnet sind das rund 2,2 Gramm je 100 Milliliter kalt, rund 18 Gramm je 100 Milliliter bei 80 Grad und rund 67 Gramm je 100 Milliliter kochend. Der Temperaturunterschied ist also gewaltig – und für deine Schale trotzdem ohne Bedeutung. Zwei Gramm Matcha bringen nach den dTest-Werten höchstens rund 40 Milligramm Koffein mit, also 0,04 Gramm. In 70 Millilitern kaltem Wasser könnten sich rechnerisch rund 1,5 Gramm lösen. Du bist damit um mehr als das Dreißigfache von der Löslichkeitsgrenze entfernt. Kaltes Wasser ist bei diesen Mengen nie der Flaschenhals.
Was in der Schale wirklich passiert
Matcha bildet keine Lösung, sondern eine Aufschwemmung. Das feine Pulver schwebt in der Flüssigkeit, sinkt langsam ab und wird beim Trinken mitgeschluckt. Deshalb gilt eine einfache Rechnung: Was du einwiegst, trinkst du. Mit den Werten aus dem dTest-Bericht sind das bei 2 Gramm rund 31 bis 40 Milligramm Koffein, bei 1,5 Gramm rund 23 bis 30 Milligramm und bei 3 Gramm rund 47 bis 60 Milligramm. Diese Zahlen ändern sich nicht, wenn du statt heißem Wasser Eiswürfel nimmst. Sie ändern sich auch nicht, wenn du länger oder kürzer aufschlägst. Der Unterschied zwischen kalt und heiß betrifft Geschmack, Schaum und die Löslichkeit der Aromastoffe, nicht die Menge des Pulvers in deinem Glas. Wer die Grundlage dahinter vertiefen will, findet sie in „Matcha oder grüner Tee? Ganzes Blatt gegen Aufguss“ – dort steht der Unterschied zwischen mitgetrunkenem und weggeschüttetem Blatt ausführlich.
Die Zahl, die sich wirklich bewegt, ist die Dosierung
Wenn die Temperatur nichts ändert, bleibt die Menge. Und genau die fällt bei kalten Zubereitungen oft höher aus, ohne dass es jemandem auffällt. Drei typische Fälle: Im Shaker wird gern großzügiger dosiert, weil das Pulver in kaltem Wasser langsamer aufgeht und die Farbe blasser wirkt. Im Iced Latte verdünnt schmelzendes Eis, also greifen viele zur zweiten Portion. Und in der Kanne für den ganzen Tag stecken schnell 6 Gramm, die dann über drei Gläser verteilt werden – was je Glas wieder passt, in Summe aber rund 93 bis 120 Milligramm ergibt. Wer kalt trinkt, sollte deshalb genauso wiegen wie beim heißen Aufschlagen. Die Technik dazu steht in „Matcha kalt zubereiten: Cold Matcha, Shaker und Cold Brew“. Das Verfahren ändert die Rechnung nicht, aber die Gewohnheit dahinter verschiebt sie sehr wohl.
Warum kalter Matcha trotzdem milder schmeckt
Der Eindruck täuscht nicht, er hat nur einen anderen Grund. Bitter- und Herbnoten werden bei niedriger Temperatur schwächer wahrgenommen, und die Zunge liest Süße und Umami in kalter Flüssigkeit anders. Dazu kommt die Mechanik: Kaltes Wasser benetzt das Pulver schlechter, es bilden sich leichter Klumpen, und ein klumpiger Matcha schmeckt an manchen Stellen streng und an anderen wässrig. Der Deutsche Tee & Kräutertee Verband beschreibt in seiner Matcha-Latte-Anleitung genau diesen Ablauf: einen halben Teelöffel Pulver zuerst mit zwei Esslöffeln kaltem Wasser cremig rühren und die Paste erst danach mit 150 Millilitern heißem Wasser übergießen. Dasselbe Prinzip funktioniert auch komplett kalt: erst eine glatte Paste, dann auffüllen. Was dabei schiefgeht, siehst du an der Oberfläche: Bleiben helle Pünktchen stehen, war die Paste noch nicht glatt. Am Koffeingehalt ändert all das nichts – nur am Trinkerlebnis.
Drei kalte Zubereitungen durchgerechnet
Ein Rechenbeispiel macht den Punkt greifbar. Variante eins, der klassische Shaker: 2 Gramm Pulver auf 200 Milliliter kaltes Wasser und drei Eiswürfel ergeben rund 31 bis 40 Milligramm Koffein. Variante zwei, der Iced Latte im Glas: 2 Gramm Pulver, 60 Milliliter Wasser, 150 Milliliter Milch und Eis – ebenfalls rund 31 bis 40 Milligramm, weil die Milch nur verdünnt und nichts hinzufügt. Variante drei, die Kanne für den Nachmittag: 6 Gramm auf einen Liter ergeben rund 93 bis 120 Milligramm, verteilt auf drei Gläser also rund 31 bis 40 Milligramm je Glas. In allen drei Fällen entscheidet allein die Einwaage. Weder das Eis noch die Milch noch die Standzeit im Kühlschrank verschieben die Zahl. Wer sie senken will, wägt weniger ein – das ist die ganze Mechanik. Was die Begleiter im Glas – Milch, Nussdrink, Zitrone – dagegen an eigenen Fragen mitbringen, ordnet „Matcha bei Histaminintoleranz: was die Listen sagen“ ein.
Was das für deine Tagesrechnung bedeutet
Das BfR nennt in seiner FAQ vom 5. Januar 2026 die Orientierungswerte der EFSA: bis 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis und bis 400 Milligramm über den Tag verteilt für Erwachsene ohne Vorerkrankungen, für Schwangere und Stillende 200 Milligramm über den Tag. Die Portionstabelle im selben Dokument setzt Filterkaffee mit 200 Millilitern bei 90 Milligramm an, Espresso mit 60 Millilitern bei 80 Milligramm, Energy Drink mit 250 Millilitern bei 80 Milligramm, schwarzen Tee mit 200 Millilitern bei 45 Milligramm, Cola mit 330 Millilitern bei 35 Milligramm und grünen Tee mit 200 Millilitern bei 30 Milligramm. Eine Schale Matcha aus 2 Gramm liegt mit rund 31 bis 40 Milligramm zwischen grünem und schwarzem Tee – kalt wie heiß. Für Schwangere und Stillende gilt mit 200 Milligramm die knappere Marke; wie sich damit ein Tag rechnen lässt, steht in „Matcha in der Stillzeit: die 200-Milligramm-Grenze“.
Der eine Fall, in dem kalt wirklich weniger bringt
Es gibt ihn, und er betrifft nicht Matcha. Setzt du ganze Blätter kalt an – Sencha, Bancha, Gyokuro – und nimmst sie am Ende heraus, bleibt ein Teil des Koffeins im Blatt zurück. Dieselbe Menge Blatt heiß aufgegossen gibt mehr ab. Wer aus diesem Grund auf kalten Blatttee umsteigt, hat also einen echten Effekt auf seiner Seite. Beim gemahlenen Blatt entfällt dieser Weg vollständig, weil nichts übrig bleibt, das man entfernen könnte. Praktisch heißt das: Willst du bei Matcha weniger Koffein, drehst du an der Waage und nicht am Wasserkocher. 1 Gramm statt 2 Gramm halbiert die Zahl sauber und verdoppelt nebenbei die Reichweite der Dose – aus 30 g werden dann rund 30 Portionen statt rund 15. Die Dose kostet 25,00 € für 30 g, Grundpreis 833,33 € je Kilogramm, bei 2 g je Schale also rund 1,67 € Pulveranteil je Schale.
Quellen
- Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee sowie deren Extrakte und Zubereitungen, Deutsches Lebensmittelbuch, geltende Neufassung vom 25.04.2022 (BAnz AT 17.06.2022 B4, GMBl 23/2022 S. 530-541) ↗
- Stiftung Warentest (06.04.2026) über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Matcha-Produkte, darunter zehn reine Pulver, Koffein 15,5 bis 20 Milligramm je Gramm, Polyphenole 107 bis 123 Milligramm je Gramm, Aluminium 0,4 bis 2,3 Milligramm je Gramm ↗
- PubChem, Verbindung 2519 (Koffein) – Wasserlöslichkeit nach Merck Index: 1 g löst sich in 46 ml Wasser, in 5,5 ml Wasser bei 80 Grad, in 1,5 ml kochendem Wasser ↗
- BfR – Fragen und Antworten zu Koffein (FAQ vom 5. Januar 2026): 200 mg als Einzeldosis, 400 mg am Tag, 200 mg für Schwangere und Stillende, Portionstabelle nach EFSA 2015 ↗
- Deutscher Tee & Kräutertee Verband – Die Zubereitung, Anleitung Matcha Latte: 1/2 TL Matcha-Pulver mit 2 EL kaltem Wasser cremig rühren, dann mit 150 ml heißem Wasser übergießen ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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