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Zucker im Matcha Latte: die Rechnung von der Schale bis zum Becher
Matchapulver selbst bringt null Gramm Zucker mit, denn es besteht nur aus gemahlenem Teeblatt. Alles, was im fertigen Getränk an Zucker landet, kommt aus der Milch, aus Sirup, aus einer Fertigmischung oder aus der Kette an der Ecke. Diese Rechnung lässt sich sauber aufmachen, und sie fällt je nach Zubereitung sehr unterschiedlich aus.
Pures Pulver liefert keinen Zucker
Ein Matcha, der aus 2 Gramm Pulver und 70 Millilitern Wasser besteht, enthält keinen zugesetzten Zucker und keinen nennenswerten natürlichen Zuckeranteil. Das ist keine Marketingaussage, sondern folgt aus der Zusammensetzung: gemahlenes Teeblatt. Der Deutsche Tee & Kräutertee Verband beschreibt seine Matcha-Latte-Anleitung entsprechend schlicht: einen halben Teelöffel Pulver mit zwei Esslöffeln kaltem Wasser cremig rühren, mit 150 Millilitern heißem Wasser übergießen und dazu 150 Milliliter heiße Milch aufschäumen. Zucker taucht in dieser Anleitung an keiner Stelle auf. Damit ist die Ausgangslage beim Matcha eine andere als bei den meisten Trendgetränken: Du beginnst bei null und entscheidest selbst, was dazukommt. Der Bitterstoffanteil des Pulvers ist der Grund, warum viele trotzdem süßen. Wer weiß, woher die Bitterkeit stammt, kann sie oft ohne Zucker zurückdrängen – etwa über Wassertemperatur und Dosierung. Der Weg dahin steht in „Matcha zu bitter? Woher die Bitterkeit kommt und was hilft“. Die zweite Stellschraube ist die Milch, und die bringt eigene Zahlen mit.
Der erste Zucker kommt aus der Milch und zählt anders
Sobald Milch ins Glas kommt, steht Zucker in der Nährwerttabelle, ohne dass jemand gesüßt hätte. Das Kompetenzzentrum für Ernährung des Freistaats Bayern gibt für Kuhmilch 4,8 Prozent Kohlenhydrate an, praktisch vollständig Milchzucker. Bei 200 Millilitern sind das rund 9,6 Gramm. Haferdrink liegt bei 7,0 Prozent, also rund 14 Gramm je 200 Milliliter, Reisdrink sogar bei 9,5 Prozent und damit rund 19 Gramm. Sojadrink kommt mit 2,0 Prozent aus, Mandeldrink mit 2,4 Prozent, Kokosdrink mit 2,7 Prozent. Der Unterschied hat einen einfachen Grund: Bei Hafer- und Reisdrinks wird die Getreidestärke enzymatisch aufgespalten, dabei entstehen Malzzucker und Glukose. Genau deshalb schmeckt ein Haferdrink süßlich, obwohl auf der Packung "ohne Zuckerzusatz" steht. Milchzucker aus Kuhmilch zählt in den Empfehlungen zur Zuckerzufuhr nicht zu den freien Zuckern; in der Nährwerttabelle steht er trotzdem, genau wie der Zucker aus Getreidedrinks. Wer zwei Packungen vergleicht, muss deshalb immer nachsehen, woher der ausgewiesene Zucker stammt. Wie sich das auf die Kalorien auswirkt, rechnet „Wie viele Kalorien hat ein Matcha Latte? Die Rechnung je Milchsorte“ vor.
Sirup, Fertigmischung und Kettengetränk: hier wird es viel
Die großen Sprünge entstehen erst hinter der Theke. Der VerbraucherService Bayern nennt für Kaffeespezialitäten in einer Portion von 237 Millilitern einen Zuckergehalt zwischen 20 und 30 Gramm und einen Fettgehalt zwischen 1 und 12 Gramm; ein großer Caramel Café Frappé mit 400 Millilitern kommt auf über 500 Kilokalorien. Für süße Instant-Mischungen wie Melange hält derselbe Text fest, dass die Süßungsmittel bis zu zehn Prozent des Erzeugnisses ausmachen und als Maltodextrin oder Karamell in der Zutatenliste stehen. Die Verbraucherzentrale Bremen kommt bei Kaffeegetränken aus dem Kühlregal auf rund 20 Gramm Zucker je Becher, was etwa sieben Stück Würfelzucker entspricht, und nennt daneben Verdickungsmittel, Aromen, Stabilisatoren, Emulgatoren und Säureregulatoren. Ein grüner Latte mit gesüßtem Matchapulver, zwei Pumpstößen Sirup und Hafermilch landet damit schnell in derselben Größenordnung wie ein Karamell-Kaffee – nicht wegen des Tees, sondern wegen der Zutaten drumherum. In diesen Mischungen stecken neben dem Zucker meist Milchpulver und Getreidebestandteile; was das für eine vegane oder glutenfreie Ernährung bedeutet, klärt „Ist Matcha vegan und glutenfrei? Blick auf die eine Zutat“.
Was die DGE-Empfehlung in Gramm bedeutet
Damit die Zahlen einen Maßstab bekommen, hilft das Konsensuspapier von Deutscher Gesellschaft für Ernährung, Deutscher Adipositas-Gesellschaft und Deutscher Diabetes Gesellschaft. Es empfiehlt eine maximale Zufuhr freier Zucker von weniger als zehn Prozent der gesamten Kalorienzufuhr. Bei 2000 Kilokalorien am Tag entspricht das weniger als 200 Kilokalorien aus Zucker und damit rund 50 Gramm. Die Verbraucherzentrale nennt in ihrem Marktcheck vom 28. Juli 2026 dieselbe Größe und ergänzt, dass 25 Gramm am Tag noch günstiger wären. Rechne das gegen: Ein einziger gesüßter Becher mit 25 Gramm Zucker schöpft die Hälfte des Tageswerts aus, bevor Frühstück, Brot oder Joghurt überhaupt gezählt sind. Ein selbst zubereiteter Matcha Latte mit 2 Gramm Pulver und 200 Millilitern Kuhmilch bleibt dagegen bei rund 9,6 Gramm Milchzucker und null Gramm freiem Zucker. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Getränken, und er entsteht allein durch die Zubereitung.
Wie du den Zucker im eigenen Glas steuerst
Der erste Hebel ist die Reihenfolge: Rühre das Pulver zuerst mit wenig Wasser glatt und gieße erst dann die Milch auf. So löst sich der Matcha vollständig, das Getränk schmeckt runder und braucht weniger Süße. Der zweite Hebel ist die Wassertemperatur zwischen 70 und 80 Grad, weil kochendes Wasser mehr Bitternoten löst, die man anschließend wieder zuckern müsste. Der dritte Hebel ist die Milchwahl: Sojadrink bringt mit 2,0 Prozent Kohlenhydraten deutlich weniger Eigensüße mit als Reisdrink mit 9,5 Prozent, schäumt durch seinen Eiweißanteil von 3,5 Prozent aber genauso gut. Der vierte Hebel ist die Menge des Süßungsmittels: Ein Teelöffel Zucker wiegt rund 4 Gramm, ein Teelöffel Honig rund 7 Gramm. Wer von zwei Teelöffeln Zucker auf einen halben heruntergeht, spart 6 Gramm am Tag und bei einem Getränk täglich rund 42 Gramm in der Woche; bei Honig sind es sogar über 70 Gramm. Welche Süße zu welchem Getränk passt, entscheidet sich außerdem an der Temperatur: In kalten Getränken löst sich Kristallzucker schlecht, dort ist ein flüssiges Süßungsmittel die sparsamere Wahl.
Im Café gezielt bestellen
In der Gastronomie sind Nährwertangaben nicht verpflichtend, deshalb steht der Zuckergehalt selten auf der Karte. Drei Fragen bringen dich trotzdem weiter. Erstens: Wird reines Matchapulver verwendet oder eine gesüßte Latte-Mischung? Zweitens: Wie viele Pumpstöße Sirup gehen standardmäßig hinein, und geht es auch ohne? Drittens: Welche Milch ist voreingestellt? Viele Häuser arbeiten mit Barista-Haferdrink, der von sich aus süßlicher schmeckt. Ein Iced Matcha Latte enthält oft zusätzlich Zuckersirup, weil sich Kristallzucker in kalter Flüssigkeit schlecht löst. Bestellst du ungesüßt und mit Sojadrink, verschwindet der größte Teil der Rechnung von selbst. Fragst du zusätzlich nach der Grammzahl Pulver je Becher, weißt du am Ende auch, wie viel Tee überhaupt im Glas steckt, und kannst die Rechnung direkt mit deiner eigenen Küche vergleichen. Zwei Gramm sind die übliche Menge für eine Schale; liegt der Becher deutlich darunter, kommt der Geschmack im Café vor allem aus Sirup und Milch.
Die ehrliche Wochenrechnung
Ein Getränk am Tag, sieben Tage lang: Beim gesüßten Kettengetränk mit 25 Gramm Zucker je Becher sind das 175 Gramm freier Zucker in der Woche. Beim selbst zubereiteten Matcha Latte mit Kuhmilch bleiben null Gramm freier Zucker, dazu rund 67 Gramm Milchzucker aus der Milch, der in den Empfehlungen nicht als freier Zucker geführt wird. Beim puren Matcha mit Wasser bleibt die Rechnung bei null. Die Kostenseite lässt sich genauso einfach aufmachen: Unsere 30-Gramm-Dose kostet 25,00 Euro bei einem Grundpreis von 833,33 Euro je Kilogramm. Bei 2 Gramm je Schale ergeben sich rund 15 Schalen, also rund 1,67 Euro Pulveranteil je Schale. Günstiger wird es über die Menge: drei Dosen kosten 63,00 Euro (21,00 Euro je Dose), sechs Dosen 108,00 Euro (18,00 Euro je Dose). Das Pulver bringt in dieser Rechnung eine Zutat mit und kein einziges Gramm Zucker – alles Weitere entscheidest du am Herd. Für die Zähne ist der Zucker im Getränk übrigens das größere Thema als die Farbe des Tees; was sich dort tatsächlich ablagert, ordnet „Verfärbt Matcha die Zähne? Gerbstoffe, Chlorophyll, Spülen“ ein.
Quellen
- DGE, Deutsche Adipositas-Gesellschaft und Deutsche Diabetes Gesellschaft: Konsensuspapier zur Zuckerzufuhr, maximale Zufuhr freier Zucker von weniger als 10 Prozent der gesamten Kalorienzufuhr, bei 2000 Kilokalorien rund 50 Gramm ↗
- VerbraucherService Bayern (17.06.2026): Kaffeespezialitäten mit 20 bis 30 Gramm Zucker je 237-Milliliter-Portion, 400-Milliliter-Frappé über 500 Kilokalorien, Süßungsmittel bis zu 10 Prozent in Instant-Mischungen ↗
- Verbraucherzentrale Bremen: Kaffeegetränke aus dem Kühlregal mit rund 20 Gramm Zucker je Becher, entspricht etwa sieben Stück Würfelzucker, dazu Verdickungsmittel, Aromen und Stabilisatoren ↗
- Verbraucherzentrale, Marktcheck vom 28.07.2026: Orientierungswert von maximal 50 Gramm Zucker am Tag bei 2000 Kilokalorien, besser 25 Gramm, keine Nährwertpflicht in der Gastronomie ↗
- Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), Bayern: Kohlenhydratgehalte von Kuhmilch 4,8 Prozent, Hafer 7,0 Prozent, Reis 9,5 Prozent, Soja 2,0 Prozent, Mandel 2,4 Prozent, Kokos 2,7 Prozent ↗
- Deutscher Tee & Kräutertee Verband: Matcha-Latte-Anleitung mit einem halben Teelöffel Pulver, zwei Esslöffeln kaltem Wasser, 150 Millilitern heißem Wasser und 150 Millilitern aufgeschäumter Milch, ohne Zucker ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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