Trends
Warum ist Matcha so beliebt – vier Gründe und eine Bremse
Vor zehn Jahren kannte Matcha in Deutschland fast niemand. Heute steht er in jeder größeren Kaffeebar auf der Karte. Was ist dazwischen passiert.
Ein Ritual, das man nicht delegieren kann
Kaffee kommt aus einer Maschine, Matcha macht man selbst. Sieben, aufschlagen, aufgießen – drei Handgriffe, die eine Minute dauern und einen festen Ablauf haben. Genau dieser Ablauf ist ein Teil des Reizes. Er unterbricht den Tag an einer Stelle, an der sonst nur ein Knopfdruck stünde. In Japan ist daraus über Jahrhunderte eine eigene Form entstanden, die Teezeremonie. Was heute in deutschen Küchen passiert, ist die kurze Fassung davon.
Die Farbe ist ein Erkennungszeichen
Ein grüner Becher ist von weitem sichtbar und sagt etwas über den, der ihn hält. Das klingt banal, ist aber ein Motor des Trends. Matcha ist eines der wenigen Getränke, das man auf einem Foto sofort erkennt, ohne dass eine Marke darauf steht. Damit wird er zum Zeichen einer Haltung – ruhig, sorgfältig, etwas außerhalb der Kaffee-Routine. Wie weit dieses Zeichen inzwischen trägt, hört man in der Popmusik selbst – welche Lieder das grüne Pulver namentlich besingen, sammelt der Wissensartikel „Matcha Song: vom Ohrwurm 2024 bis zum Rap-Titel“.
Von der Teeschale in die Backstube
Der zweite Schub kam aus der Küche. Matcha färbt, ohne ein Farbstoff zu sein, und bringt eine herbe Note mit, die süße Rezepte trägt. Cheesecake, Croissants, Eis, Tiramisu – überall dort ersetzt eine kleine Menge Matcha das, wofür sonst Aromen und Farbmittel nötig wären. Auf Speisekarten wuchsen die Matcha-Positionen zuletzt um rund 30 Prozent im Jahresvergleich. In Japan ist Matcha außerdem seit jeher eine salzige Zutat, etwa als Matcha-Salz zu Tempura oder als Chasoba, den grünen Buchweizennudeln. Wo sich dieser Trend in Deutschland niedergeschlagen hat, zeigt der Wissensartikel „Matcha-Cafés in Deutschland: so findest und erkennst du gute“.
Was den Trend jetzt bremst
Die Nachfrage wächst in Jahren, das Angebot in Jahrzehnten. Eine Teepflanze braucht vier bis fünf Jahre bis zur Reife, und zwischen 2000 und 2020 hat Japan rund 53.000 Teebauern durch Ruhestand verloren. Als 2024 die Tencha-Reserven aufgebraucht waren, ging die Branche ohne Puffer in die nächsten Jahre. Das Ergebnis sind Rekordpreise bei den Erstpflückungs-Auktionen und steigende Ladenpreise. Für Käufer heißt das vor allem eines – auf Herkunft und Prüfung achten, statt nur auf den Preis.
Was bleibt, wenn der Trend weiterzieht
Trends gehen, Gewohnheiten bleiben. Matcha hat den Vorteil, dass er nicht auf ein einziges Rezept angewiesen ist. Wer ihn einmal im Haus hat, nutzt ihn für die Schale am Morgen, für das Eisgetränk im Sommer, für den Kuchen am Wochenende und für das Salz zum Ofengemüse. Genau das unterscheidet ihn von den Produkten, die nach einer Saison wieder verschwinden.
Was die Marktzahlen zeigen
Der Eindruck täuscht nicht: Grüner Tee gewinnt in Deutschland Anteile. Der Deutsche Tee & Kräutertee Verband weist für 2024 einen Pro-Kopf-Verbrauch von 67,2 Litern aus, davon 27,1 Liter Schwarz- und Grüntee; insgesamt wurden knapp 47 Milliarden Tassen getrunken. Innerhalb dieses Segments verschiebt sich das Verhältnis seit Jahren zugunsten von Grüntee, was der Verband ausdrücklich mit der Nachfrage nach Grünteespezialitäten begründet. Der Gesamtmarkt lag 2024 bei 58.215 Tonnen. Diese Zahlen erklären, warum Matcha nicht nur in Cafés sichtbar ist, sondern auch im Supermarktregal Platz bekommt. Wer die Käuferschaft dahinter genauer ansehen will, findet sie im Wissensartikel „Wer trinkt eigentlich Matcha? Ein Blick auf Deutschland“.
Warum die Cafés mitziehen
Für ein Café ist Matcha aus zwei Gründen attraktiv. Erstens braucht er keine zweite Maschine: Ein Sieb, heißes Wasser und ein Aufschäumer genügen, die vorhandene Milchtechnik wird ohnehin gebraucht. Zweitens erweitert er die Karte um ein Getränk, das ohne Kaffee auskommt – für Gäste, die nachmittags keinen Espresso mehr wollen. Dazu kommt die Optik: Ein grüner Latte im Glas fällt auf dem Tisch auf und wird entsprechend oft fotografiert, was für das Lokal kostenlose Sichtbarkeit bedeutet. Wie sich gute von schwacher Café-Qualität unterscheiden lässt, erklärt der Wissensartikel „Matcha im Café: woran du gute Qualität erkennst“.
Was der Trend mit den Preisen macht
Wo die Nachfrage schneller wächst als die Anbaufläche, bewegen sich die Preise. Nach Angaben der Fachpresse stieg Japans Grünteeausfuhr im Geschäftsjahr 2025 auf 13.125 Tonnen und damit um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr; rund 70 Prozent davon entfielen auf Pulvertee einschließlich Matcha. Gleichzeitig zogen die Preise bei den Auktionen deutlich an. Für Käuferinnen und Käufer heißt das: Sehr günstige Angebote lohnen einen zweiten Blick auf Erntezeitpunkt und Zusammensetzung, weil erste Ernte schlicht teurer ist als spätere. Was hinter den Zahlen steckt, ordnet der Wissensartikel „Matcha-Preise 2026: was die Rekordauktionen in Japan bedeuten“ ein.
Warum Matcha kein kurzlebiger Trend ist
Viele Trendzutaten verschwinden, weil sie unpraktisch sind: Sie verderben schnell, brauchen Zubereitung oder passen nur in ein Rezept. Matcha hat das Gegenteil – ein trockenes Pulver, monatelang haltbar, in zwei Minuten zubereitet und in Dutzenden Formen verwendbar, von der puren Schale über den Latte bis zum Gebäck. Dazu kommt der Ritualcharakter: Sieben, Aufgießen, Aufschlagen ist eine kleine Handlungsfolge, die sich in den Tag einbaut. Genau solche Gewohnheiten überleben Moden. Wie sich daraus eine feste Morgenroutine bauen lässt, zeigt der Wissensartikel „Matcha-Morgenroutine: In 3 Minuten zur fertigen Schale“.
Wie der Trend nach Deutschland kam
Der Weg verlief in Etappen. Zuerst tauchte Matcha in japanischen Restaurants und Teeläden auf, dann in Großstadt-Cafés mit internationaler Karte, danach in den Ketten. Parallel dazu wuchs die Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken, wo das Grün zwischen braunen Kaffeegetränken sofort auffällt. Der letzte Schritt war das Supermarktregal: Erst als Drogerien und Lebensmittelhändler Pulver ins Sortiment nahmen, wurde aus einem Café-Getränk eine Küchenzutat. Genau in dieser Reihenfolge ist auch die Nachfrage gewachsen – erst außer Haus, dann zuhause. Was auf den Karten der Cafés derzeit den Ton angibt, sammelt der Wissensartikel „Matcha-Getränke 2026: welche Drinks gerade die Karten füllen“.
Wer den Trend trägt
Getragen wird der Trend von zwei Gruppen, die sich nur teilweise überschneiden. Die eine sucht ein Getränk ohne Kaffee, das trotzdem etwas hermacht – oft am Nachmittag, oft als bewusster Wechsel. Die andere kommt über Optik und Rezepte: Latte, Eiskaffee-Varianten, Gebäck. Beide Gruppen bleiben aus unterschiedlichen Gründen dabei, und genau das macht den Markt stabil. Dazu kommt eine dritte, kleinere Gruppe, die den Weg über die Teekultur nimmt und beim puren Aufschlagen landet. Wie sich diese Gruppen in Deutschland verteilen und was sie unterscheidet, zeigt der Wissensartikel „Wer trinkt eigentlich Matcha? Ein Blick auf Deutschland“.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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