Trends
Ugly Green: wenn Grün auf der Fashion Week absichtlich hässlich wird
Während Highstreet-Marken ein ruhiges, tragbares Matcha-Grün zeigen, lief zur selben Zeit auf den großen Fashion Weeks ein ganz anderes Grün: absichtlich unschön, absichtlich schwer zu tragen. Was es mit diesem Gegentrend auf sich hat und wie er mit Matcha-Grün zusammenhängt.
Ein Zitat, das den Trend auf den Punkt bringt
Ausgangspunkt der Berichterstattung ist eine Beobachtung der US-Zeitschrift InStyle bei einer Schau zur Saison Herbst/Winter 2026: „Dieser ranzige Grünton ist überall." Im weiteren Verlauf der Modewochen bestätigte sich der Eindruck – eine schräge Farbgeschichte zog sich laut Berichterstattung durch alle großen Modehauptstädte, von schockierendem Chartreuse-Grün bis zu Roben in der Farbe des Übelkeits-Emojis.
Wer diesen Grünton auf den Laufsteg brachte
Konkret genannt werden mehrere Häuser: Ulla Johnson zeigte in New York ein strahlendes, gelbstichiges Grün mit schwarzer Spitze, Daniella Kallmeyer einen Pullover in einem Farbton, der an Erbrochenes erinnert, und Simone Rocha in London ein Abendkleid in schimmerndem Erbsensuppen-Taft. Bei Prada tauchte das Grün in Tönen von verrottendem Moos auf, bei Miu Miu als schrille grüne Strickjacke zu Holzpantinen. Auch Balmain, Dries Van Noten und Alaïa griffen den Ton auf, ebenso Dior unter Jonathan Anderson mit einem vielbeachteten Absatzschuh.
Selbst die Bühne wurde grün
Der Trend beschränkte sich nicht auf die Kleidung. Für Miu Mius Herbstschau in Paris diente absterbendes Gras als Bühnenboden, Valentino griff für seine Show auf Kunstrasen zurück. Solche Inszenierungen sind ein deutliches Signal dafür, dass die Häuser den unschönen Grünton bewusst als Konzept einsetzten – nicht als Zufall, sondern als gestalterische Entscheidung, die durch das gesamte Bühnenbild getragen wurde.
Ein zweiter, unabhängig davon benannter Grünton
Parallel dazu läuft ein zweiter, offiziell benannter Trend: Das soziale Netzwerk Pinterest hat für seine Farbpalette 2026 einen eigenen Ton mit dem Namen „Wasabi" ausgerufen – ein elektrisches Chartreuse-Grün. Pinterest beschreibt die Suchdaten so: Anfragen nach „chartreuse green" stiegen um 175 Prozent, nach „lime green weddings" um 70 Prozent. Wichtig für die Einordnung: „Wasabi" ist ein von Pinterest selbst geschaffener, eigener Markenname für einen Farbton – keine Bezeichnung, die mit Matcha oder mit unserem Produkt etwas zu tun hat, auch wenn beide Wörter aus der japanischen Küche stammen.
Wie „hässliches" Grün und Matcha-Grün zusammenhängen
Beide Trends laufen zur gleichen Zeit und teilen sich die Grundfarbe, verfolgen aber entgegengesetzte Ziele. Matcha-Grün ist auf Tragbarkeit angelegt: ruhig, vielseitig, für den Alltag gedacht. Ugly Green ist auf Provokation angelegt: laut, unbequem, für die große Geste der Laufstegshow gemacht. Modehistorisch ist das kein neues Muster – auf jede ruhige, massentaugliche Farbwelle folgt in der Regel eine überzogene Gegenversion, die genau diese Ruhe wieder infrage stellt. Beide Strömungen zusammen erklären, warum in derselben Saison so viel über Grün geschrieben wurde.
Warum Modehäuser überhaupt bewusst „hässliche" Farben zeigen
Ein Grünton, der absichtlich unangenehm wirkt, erzeugt auf Fotos und in sozialen Netzwerken mehr Gesprächsstoff als ein Ton, der einfach nur gefällt. Auffällige, polarisierende Looks werden häufiger geteilt und kommentiert als dezente Stücke – ein Effekt, den Modehäuser bei Laufstegschauen gezielt nutzen, um über die eigentliche Schau hinaus Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das erklärt, warum ausgerechnet ein Farbton, den kaum jemand im Alltag tragen würde, auf so vielen Laufstegen gleichzeitig auftauchte.
Was davon im Alltag ankommt – und was nicht
Von den beiden Strömungen wird sich nach Einschätzung der zitierten Modepresse vor allem das ruhigere Matcha-Grün im Einzelhandel durchsetzen, während Ugly Green vor allem ein Laufsteg- und Bildphänomen bleibt. Das deckt sich mit einem allgemeinen Muster: Konzeptionelle Laufstegfarben werden selten eins zu eins in Kollektionen für den Massenmarkt übernommen, sie wirken eher als Stimmungsgeber für gedämpftere Varianten, die später in den Geschäften landen.
Wo Prada die beiden Grüntrends selbst verbindet
Interessant ist, dass ausgerechnet Prada in derselben Saison an beiden Enden des Grünspektrums auftaucht. Während das Haus laut AOL bei der Herbst/Winter-Schau mit Tönen von „verrottendem Moos" zum Ugly-Green-Trend beitrug, führte Prada nach Angaben von Pinterest bei der eigenen Frühjahr/Sommer-2026-Kollektion zugleich das elektrische Chartreuse-Grün „Wasabi" an – in Blusenkleidern, Mänteln, Hemden, Kleidern und Handschuhen. Ein und dasselbe Modehaus bediente damit innerhalb weniger Monate zwei gegensätzliche Grünmomente: den lauten, provokanten zur einen Saison und den zugänglicheren, tragbaren zur anderen.
Ein dritter, wieder anderer Grüntrend zur gleichen Zeit
Parallel zu Ugly Green und Wasabi berichtete AOL noch von einer dritten, eigenständigen Strömung: der „Green Fairy"-Ästhetik, die Anfang 2026 unter anderem mit Jenna Ortega und Emma Chamberlain in Verbindung gebracht wurde – ein romantischerer, feenhafter Grünlook, der sich von der bewusst hässlichen Laufstegvariante deutlich unterscheidet. Drei unterschiedlich benannte Grünmomente in kurzer Zeit zeigen, wie ausdifferenziert die Modebranche mittlerweile mit ein und derselben Grundfarbe arbeitet, statt nur einen einzigen „Grün-Trend“ auszurufen.
Warum Fashion-Kritik überhaupt von "hässlichen" Farben spricht
Der Begriff „ugly" ist in der Modekritik nicht neu: Schon in früheren Jahrzehnten wurden Grunge-Grün, Giftgrün oder Khaki-Töne zeitweise als bewusster Bruch mit vorherigen, harmonischeren Paletten gefeiert. InStyle reiht die aktuelle Welle laut Berichterstattung in diese Tradition ein – als wiederkehrendes modisches Mittel, um nach einer Phase gefälliger Farben bewusst zu polarisieren. Wichtig dabei: Es handelt sich um eine kritische Einordnung der Fachpresse, nicht um eine Abwertung einzelner Häuser durch diesen Text.
Wie sich provokante Laufstegfarben historisch entwickelt haben
Bewusst schwer tragbare Farben sind auf Laufstegen kein neues Mittel. Schon in früheren Modeepochen dienten Töne, die vom breiten Publikum zunächst abgelehnt wurden, als Werkzeug, um sich von der vorherigen Saison abzugrenzen und Gesprächsstoff zu erzeugen, bevor eine gemäßigtere Version davon Monate später in den regulären Handel einzieht. Die aktuelle Ugly-Green-Welle folgt damit einem wiederkehrenden Muster der Modeindustrie: Der Laufsteg testet die Grenze, die Highstreet übernimmt später nur den gedämpften Teil davon.
Wie Fachmedien den Unterschied zwischen Show und Kollektion einordnen
Wichtig für die Einschätzung ist eine Unterscheidung, die auch InStyle in der zugrundeliegenden Berichterstattung macht: Was auf dem Laufsteg gezeigt wird, entspricht nicht eins zu eins dem, was später tatsächlich im Laden hängt. Laufstegschauen sind auch als Werkzeug für Bildberichterstattung und Markenwahrnehmung gedacht, nicht ausschließlich als Vorschau auf die spätere Verkaufskollektion. Ein Modehaus kann also mit einem extremen Grünton für Schlagzeilen sorgen und gleichzeitig eine deutlich gedämpftere Variante davon in die tatsächlich verkaufte Linie aufnehmen.
Was das für die eigene Wahrnehmung von Modetrends bedeutet
Wer Modeberichterstattung verfolgt, tut gut daran, zwischen Konzeptbildern einer Schau und tatsächlich erhältlicher Ware zu unterscheiden. Die reine Bildwirkung eines Laufstegmoments – etwa ein Bühnenboden aus welkem Gras – ist redaktionell wertvoll, weil sie sich gut teilen und kommentieren lässt, sagt aber wenig darüber aus, was am Ende in den Geschäften ankommt. Diese Unterscheidung gilt grundsätzlich für Berichterstattung über Modewochen und lässt sich auch auf andere hier beschriebene Farbmomente übertragen.
Was Ugly Green über den Zustand der Modebranche insgesamt aussagt
Beobachterinnen und Beobachter lesen provokante Farbwellen wie diese häufig auch als Reaktion auf eine vorangegangene Phase besonders gefälliger, algorithmusfreundlicher Ästhetik in sozialen Netzwerken. Wenn über Jahre vor allem harmonische, gut fotografierbare Farbkombinationen dominierten, wirkt eine bewusst unharmonische Gegenbewegung wie Ugly Green als Ventil – ein Signal an das Fachpublikum, dass ein Haus auch abseits des Erwartbaren gestalten kann. Diese Lesart stammt aus der zitierten Modekritik und ist eine Einordnung, keine von den Modehäusern selbst bestätigte Absicht.
Wie sich Farbnamen aus der Küche in der Mode allgemein häufen
Neben Matcha und Wasabi tauchen in der aktuellen Modeberichterstattung noch weitere Farbnamen aus der Lebensmittelwelt auf, etwa Butter-Gelb, Milchkaffee-Braun oder Erdbeer-Rosa. Dieses Muster ist kein Zufall, sondern eine bewusste Strategie der Modepresse: Lebensmittelbezogene Farbnamen sind international leicht verständlich, weil die zugrundeliegenden Zutaten in vielen Ländern bekannt sind, anders als etwa historische Farbnamen aus der Textilindustrie, die Übersetzung und Erklärung benötigen würden.
Was diese Recherche bewusst offenlässt
Zu einzelnen Details, etwa den genauen Verkaufszahlen der beschriebenen Kollektionsstücke oder einer offiziellen Reaktion der genannten Modehäuser auf die eigene Einordnung als „hässlich", liegen keine unabhängig geprüften Quellen vor. Dieser Text verzichtet deshalb bewusst darauf, dazu Vermutungen als Tatsache darzustellen, und beschränkt sich auf das, was die zitierten Fachmedien tatsächlich berichtet haben – alles andere wäre Spekulation und würde diesem Text nicht guttun.
Wo unser Matcha in dieser Geschichte steht
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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