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Second Flush Matcha: die Sommerernte in der Schale erkennen

Second Flush ist in Japan die zweite Pflückung des Jahres, auf Japanisch Nibancha. Sie läuft je nach Region von Anfang bis Mitte Juni bis Mitte oder Ende Juli, also rund sechs Wochen nach der Frühjahrsernte. Das Blatt wächst dabei unter deutlich mehr Sonne heran, und genau das schmeckt man später in der Schale. Dieser Artikel zeigt, wie sich die zweite Welle vom Frühjahrsblatt unterscheidet, woran du sie erkennst und wofür sie sich besonders eignet.

Wie Japan seine Ernten zählt

Der japanische Teegarten liefert im Jahr drei bis vier Pflückungen, und jede hat einen eigenen Namen. Ichibancha, die erste Ernte, läuft von Mitte April bis Ende Mai oder Anfang Juni und liefert die höchsten Qualitätsstufen. Nibancha, die zweite Ernte, folgt von Anfang oder Mitte Juni bis Mitte oder Ende Juli. Sanbancha, die dritte, gibt es von Mitte August bis Mitte September und praktisch nur in den südlichen Anbaugebieten. Dazu kommt Aki Bancha von Mitte September bis Mitte Oktober. Zwischen zwei Pflückungen brauchen die neuen Triebe rund anderthalb Monate, um nachzuwachsen. Diese Taktung ist der ganze Rahmen: Nichts an Second Flush ist ein Nebenprodukt oder ein Rest, es ist ein regulärer Erntetermin mit eigener Planung. Auch die deutschen Leitsätze für Tee kennen den Ausdruck: Sie führen First Flush und Second Flush ausdrücklich als handelsübliche Bezeichnungen zur Beschaffenheit auf. Was die erste Pflückung so besonders macht, steht in „Matcha-Ernte: warum die erste Pflückung im Mai alles entscheidet“.

Was in den Wochen zwischen den Ernten passiert

Der entscheidende Unterschied ist das Licht. Die erste Ernte wächst im kühlen Frühjahr heran, wenn die Tage noch kürzer und die Sonne flacher steht. Die zweite Ernte wächst im Juni und Juli, also im Hochsommer, und das ändert, was in der Pflanze abläuft. Die Global Japanese Tea Association beschreibt den Mechanismus so: Sonnenlicht baut Theanin ab und wandelt es in Catechine um, also in die Stoffe, die für Herbe und Adstringenz stehen. Beschattung bremst genau diesen Umbau und ist deshalb das zentrale Werkzeug im Tencha-Anbau. Im Sommer arbeitet die Sonne stärker gegen diesen Effekt an, das Blatt wird zudem schneller größer und fester. Ein Blatt, das schnell und hell aufwächst, bringt mehr Struktur und weniger von der weichen Süße mit, die man vom Frühjahrsblatt kennt. Das ist kein Mangel, sondern ein anderes Profil, und es hat handfeste Vorteile, sobald etwas dazukommt, das dagegenhält.

Wie die Beschattung bei der zweiten Ernte gehandhabt wird

Für Matcha wird immer beschattet, sonst entsteht kein Tencha, sondern gewöhnlicher Grüntee. Auch die zweite Ernte kommt daher unter Netze oder Strohmatten. Die Bedingungen sind aber andere als im Mai: Die Einstrahlung ist stärker, die Temperaturen sind höher, und die Wachstumsgeschwindigkeit ist größer. Bei der japanischen Herkunftsangabe für Nishio-Matcha war zum Beispiel ein doppelt gelegtes Tuch vorgeschrieben, das 80 bis 90 Prozent des Sonnenlichts abhält; die Global Japanese Tea Association nennt für Matcha und Gyokuro allgemein eine Abschattung von etwa 85 bis 95 Prozent. Praktisch bedeutet das: Ein Second-Flush-Tencha kann sehr sorgfältig gemacht sein, er startet aber unter schwierigeren Ausgangsbedingungen. Betriebe steuern das über die Dauer der Beschattung, den Zeitpunkt des Schnitts und die Auswahl der Sorte. Welche Cultivare dabei welche Rolle spielen, entscheidet der Betrieb lange vorher, denn eine Sorte wird für Jahrzehnte gepflanzt und nicht für eine Saison.

Woran du Second Flush in der Schale erkennst

Vier Anhaltspunkte helfen weiter, und alle vier funktionieren ohne Labor. Erstens die Farbe: Frühjahrsware zieht ins leuchtende, fast jadefarbene Grün, Sommerware ist eine Spur matter und geht ins Oliv. Zweitens der Duft am trockenen Pulver: Die zweite Ernte riecht kräftiger, heuartiger, weniger nach frischem Süßgras. Drittens der Antrunk pur mit 70 bis 80 Grad heißem Wasser: Die Herbe kommt früher und bleibt länger stehen, die Süße im Nachgang ist kürzer. Viertens das Verhalten in der Schale: Kräftigere Pulver setzen sich meist etwas schneller ab. Wichtig ist die Reihenfolge beim Prüfen, also erst pur probieren und erst danach mit Milch. In Milch verschwinden genau die feinen Unterschiede, an denen man den Erntetermin festmacht. Für einen sauberen Vergleich brauchst du beide Pulver am selben Tag, mit demselben Wasser und derselben Dosierung. Wirkt ein Pulver matt, kann das auch an Verpackung und Standzeit liegen; was ein Gaspolster leistet, steht in „Schutzatmosphäre: warum Matcha unter Stickstoff abgefüllt wird“.

Was die Messwerte über die Spannweite sagen

Ein Erntetermin steht selten auf der Dose, die Messwerte im Handel zeigen aber, wie breit das Feld tatsächlich ist. Das Bayerische Landesamt hat 2024 in 47 Matcha-Proben Koffeingehalte zwischen 1,4 und 3,6 Gramm je 100 Gramm Trockenmasse gefunden, also mehr als das Doppelte zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Wert. Stiftung Warentest berichtet am 6. April 2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, mit 15,5 bis 20 Milligramm Koffein je Gramm und Polyphenolgehalten von 107 bis 123 Milligramm je Gramm. Diese Spannweiten entstehen aus mehreren Faktoren zusammen: Sorte, Anbaugebiet, Beschattungsdauer, Blattstellung und eben auch der Erntetermin. Aus einer einzelnen Zahl lässt sich der Termin deshalb nicht ableiten. Was die Zahlen aber zeigen: Zwei Dosen mit demselben Wort auf dem Etikett können sich in ihren Inhaltsstoffen erheblich unterscheiden, und das ist der eigentliche Grund, überhaupt hinzusehen. Welche Werte ein Prüfbericht darüber hinaus ausweist, zeigt „Radionuklide im Tee: was Prüfberichte heute zeigen“.

Wofür sich die Sommerernte besonders eignet

Ein kräftigeres Pulver ist genau dort im Vorteil, wo etwas dagegenhält. In Milch setzt sich ein Second Flush besser durch, weil Fett und Milchzucker feine Süße ohnehin überdecken, kräftige Herbe aber tragen. Im Teig, im Eis und in Cremes gilt dasselbe, und dort wird zusätzlich mehr Pulver gebraucht, was den Preis zum Thema macht. Für Eiskaffeevarianten und Shakes ist das ebenfalls die passende Wahl, weil Kälte die Wahrnehmung von Süße dämpft und der Tee sonst untergeht. Umgekehrt lohnt sich für die pur getrunkene Schale die erste Ernte, weil dort nichts von der feinen Note verlorengeht. Diese Aufteilung ist genau die Logik, die hinter den verbreiteten Stufenbezeichnungen steckt, ohne dass diese rechtlich definiert wären. Was die Stufen tatsächlich aussagen und was nicht, klärt „Ceremonial oder Culinary Grade: was die Matcha-Stufen sagen“.

Warum die zweite Ernte gerade wichtiger wird

Die Nachfrage nach Pulvertee ist stark gestiegen, und das verschiebt den Blick auf die Sommerernte. Japans Grünteeausfuhr erreichte im Geschäftsjahr 2025 rund 13.125 Tonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und rund 70 Prozent davon entfielen auf Pulvertee einschließlich Matcha. Gleichzeitig zogen die Preise deutlich an: In Kagoshima lag der Durchschnittspreis für neues Teeblatt im April bei 6.573 Yen je Kilogramm und damit 60 Prozent über dem Vorjahr, und Tencha kostete 2025 nach Branchenangaben rund das Sechsfache von 2024. Matcha macht dabei nur etwa 6 Prozent der japanischen Teeerzeugung aus. Wenn die erste Ernte den Bedarf nicht deckt, rückt die zweite Welle in den Vordergrund, und mehr Betriebe stellen von Sencha auf Tencha um. Der zweite Engpass sitzt danach an der Mühle, denn auch das beste Blatt muss erst zu Pulver gerieben werden, und daran ändert eine größere Ernte zunächst nichts.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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