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Qualität

Ist Matcha radioaktiv? Was Prüfberichte für Tee heute messen

Die Frage taucht bei jedem japanischen Grüntee wieder auf. Die Antwort steht in Messreihen, die es seit Jahren gibt: In den Teeproben, die deutsche Untersuchungsämter geprüft haben, lagen die Gehalte an künstlichem Cäsium-137 unter 1,5 Becquerel je Kilogramm, während das natürliche Kalium-40 mit 300 bis 700 Becquerel je Kilogramm den Löwenanteil der gemessenen Aktivität ausmacht. Dieser Artikel erklärt, welche Stoffe im Labor überhaupt auftauchen, welche Zahlen dazu vorliegen und wie du eine solche Angabe auf einem Prüfbericht einordnest.

Was in einer Teeprobe überhaupt gemessen wird

Radionuklide werden in getrocknetem Tee per Gammaspektrometrie bestimmt. Das Labor legt die Probe in einen gut abgeschirmten Germanium-Detektor, misst tagelang und ordnet jede gefundene Gammalinie einem Isotop zu. Eine Arbeitsgruppe des Centre d'Études Nucléaires de Bordeaux-Gradignan hat genau das mit 32 Grünteeproben gemacht und beschreibt die Spektren als sehr sauber: Aus natürlicher Quelle tauchen nur zwei Isotope auf, Kalium-40 und Blei-210. Alles Weitere, was sichtbar wird, stammt aus menschlicher Tätigkeit, in diesem Fall Cäsium-134 mit rund zwei Jahren Halbwertszeit und Cäsium-137 mit rund 30 Jahren. Für jede Probe wurde vier Tage gemessen, bei sehr schwachen Aktivitäten bis zu sieben Tage, damit die Unsicherheit klein bleibt. Das ist der Grund, warum solche Reihen selten sind und warum die vorhandenen Zahlen so viel Gewicht haben. Wer wissen will, wie ein Prüfbericht insgesamt aufgebaut ist, findet die Zeile-für-Zeile-Erklärung in „Analysezertifikat für Matcha lesen: Zeile für Zeile erklärt“.

Die Messwerte aus Baden-Württemberg: unter 1,5 Becquerel

Die amtliche Untersuchung in Baden-Württemberg liefert die naheliegendste Antwort auf die Ausgangsfrage. Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter haben zwischen 2010 und 2012 fünf Proben grünen Tees aus Asien geprüft und 2021 noch einmal zehn Proben grünen und halbfermentierten Tees aus Japan, dem Anbauraum Ostasiens insgesamt und Korea. Alle Ergebnisse lagen unter 1,5 Becquerel Cäsium-137 je Kilogramm. Die Ämter fassen das als keine messbaren Gehalte an künstlichen Radionukliden zusammen. Der Umfang dahinter ist erheblich: Allein 2023 haben die Radiochemielabore der Ämter in Stuttgart und Freiburg zusammen 1.126 Proben untersucht, davon 838 im bundesweiten Messprogramm. Gemessen wird vorrangig Cäsium-137, dazu Strontium-90, alphastrahlende Nuklide und Tritium. Tee ist in diesem Programm eine Matrix unter vielen, und er fällt seit Jahren nicht auf. Die gleiche Systematik steckt hinter den Prüfungen auf Pestizide und Metalle, die in „Schadstoffe in Matcha? Was Laborprüfungen wirklich zeigen“ ausführlich beschrieben sind.

Was die Bordeaux-Studie an 32 Teeproben gefunden hat

Die französische Messreihe ist deshalb so nützlich, weil sie die Proben nach ihrer Entfernung zum Kraftwerk Fukushima sortiert. Vierzehn Proben wurden direkt in Japan gekauft, von Morioka im Norden bis Kyushu im Süden; die übrigen stammten aus dem Exporthandel, darunter zwei Vergleichsproben aus dem Jahr 1987. Für die in Japan selbst gekauften Blätter ziehen die Autoren einen klaren Schluss: Ab etwa 500 Kilometern Entfernung war keine Aktivität mehr messbar. Die Probe aus Uji, dem klassischen Matcha-Raum, liegt 540 Kilometer entfernt und zeigte 0,7 Becquerel Cäsium-137 je Kilogramm. Die Proben aus Ono in der Präfektur Hiroshima und aus Yame auf Kyushu, 840 und 1.050 Kilometer entfernt, lagen für beide Cäsium-Isotope unter der Nachweisgrenze von 0,3 Becquerel je Kilogramm. Die höchsten Werte der ganzen Reihe stammten von zwei Ryokucha-Proben aus dem Exporthandel und erreichten für beide Isotope zusammen rund 100 Becquerel je Kilogramm; der zu dieser Ernte geltende japanische Grenzwert lag bei 500 Becquerel je Kilogramm. Alle übrigen Proben blieben nach Angabe der Autoren auch deutlich unter dem heute gültigen Wert von 100 Becquerel je Kilogramm. Für die Anbaugebiete, aus denen Tencha und Matcha kommen, ist die Aussage der Studie damit eindeutig.

Warum Kalium-40 in jedem Lebensmittel steckt

Die größte gemessene Aktivität in Tee ist natürlichen Ursprungs und hat mit Kernkraft nichts zu tun. Kalium-40 ist ein fester Anteil im natürlichen Kalium und damit in jeder Pflanze, die Kalium aufnimmt. Die französische Messreihe kommt über alle 32 Proben auf einen Mittelwert von 550 plus minus 80 Becquerel je Kilogramm, die deutschen Ämter nennen für Tee die üblichen 300 bis 700 Becquerel je Kilogramm. Zum Vergleich die Werte, die das Bayerische Landesamt für andere Lebensmittel angibt: Milch 40 bis 60 Becquerel je Liter, Gemüse und Obst 30 bis 150, Fleisch je nach Sorte ebenfalls 30 bis 150, Honig 30 bis 200 und Haselnüsse 186 bis 272 Becquerel je Kilogramm. Tee liegt höher, weil er ein getrocknetes Blatt ist und Kalium sich beim Trocknen zwangsläufig aufkonzentriert. Wer diese Größenordnung einmal gesehen hat, liest jede Becquerel-Angabe auf einem Bericht anders.

Welche Grenzwerte gelten und wo Tee einsortiert ist

Japan hat seine Werte zum 1. April 2012 verschärft. Für allgemeine Lebensmittel gilt seither eine Grenze von 100 Becquerel je Kilogramm für die Summe aus Cäsium-134 und Cäsium-137, vorher waren es 500. Wie streng dieser Schritt war, zeigt die Bilanz des japanischen Landwirtschaftsministeriums für den Zeitraum April 2012 bis März 2013: Von 867 geprüften Teeproben lagen 854 bereits im ersten Jahr unter dem neuen, niedrigeren Wert. In der EU gelten die Höchstwerte von 370 Becquerel je Kilogramm für Milch, Milcherzeugnisse und Säuglingsnahrung und 600 Becquerel je Kilogramm für alle übrigen Erzeugnisse. Ein Tee, der bei unter 1,5 Becquerel liegt, liegt damit um den Faktor 400 unter dem europäischen Wert, also bei weniger als einem Vierhundertstel davon. Diese Relation ist wichtiger als jede Einzelzahl, weil sie zeigt, in welchem Bereich sich die Messungen überhaupt bewegen.

Was sich 2023 an den EU-Einfuhrregeln geändert hat

Bis 2023 galten für japanische Lebens- und Futtermittel besondere Einfuhrbedingungen. Die Durchführungsverordnung (EU) 2021/1533 verlangte für bestimmte Erzeugnisse aus mehreren Präfekturen Zertifikate über die Gehalte radioaktiver Isotope. Die Europäische Kommission hat diese Regelung mit der Durchführungsverordnung (EU) 2023/1453 aufgehoben; sie trat am 3. August 2023 in Kraft. Die Begründung im Verordnungstext ist nüchtern und für die Ausgangsfrage die aussagekräftigste Stelle überhaupt: Seit Juni 2011 wurden bei der Einfuhr keine Verstöße gegen die Höchstwerte festgestellt, die japanischen Kontrollsysteme arbeiten wirksam, und der Beitrag dieser Einfuhren zur Strahlenbelastung in der EU wird als vernachlässigbar eingestuft. Japan behält sein eigenes Kontrollsystem bei und veröffentlicht die Ergebnisse weiterhin, und die Kommission hat ausdrücklich darum gebeten, die Überwachung fortzuführen. Zwölf Jahre Einfuhrkontrolle ohne eine einzige Beanstandung sind eine belastbarere Grundlage als jede einzelne Laborzahl, weil dahinter Zehntausende von Sendungen und nicht eine Stichprobe stehen. Für Tee bedeutet die Aufhebung außerdem, dass beim Import heute dieselben Regeln gelten wie für Ware aus jedem anderen Herkunftsland.

Wie du eine Prüfaussage auf einer Dose einordnest

Wenn ein Anbieter mit einer Prüfung auf Radionuklide wirbt, lohnen drei Blicke. Erstens: Welche Isotope wurden geprüft? Sinnvoll sind Cäsium-134 und Cäsium-137, weil nur diese beiden auf menschliche Quellen zurückgehen. Ein Bericht, der ausschließlich Kalium-40 ausweist, misst die natürliche Grundaktivität und sagt zur eigentlichen Frage nichts. Zweitens: Steht eine Nachweisgrenze dabei? Ein Ergebnis lautet oft nicht null, sondern kleiner als 0,3 oder kleiner als 1,5 Becquerel je Kilogramm, und genau das ist die ehrliche Formulierung. Drittens: Bezieht sich der Wert auf das Pulver oder auf den fertigen Aufguss? Bei Matcha ist das Pulver die richtige Bezugsgröße, weil das ganze Blatt in der Schale landet. Wer diese drei Punkte prüft, kann jedes Zertifikat einordnen, statt sich auf ein Siegel zu verlassen. Wie dieselbe Logik bei Metallen funktioniert, zeigt „Aluminium in Matcha: die Messwerte richtig einordnen“. Warum der Name auf der Dose für sich genommen nichts festlegt und welche Angaben stattdessen tragen, steht in „Ist der Name Matcha geschützt? Was das Recht regelt“.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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