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Trends

„Performative Matcha": die Debatte um einen Lehrer und seine grüne Tasse

Der Begriff „performative matcha" bezeichnet einen Spott-Vorwurf, der seit 2025 in sozialen Netzwerken kursiert: Männern wird unterstellt, sie würden Matcha nicht aus Geschmack, sondern nur wegen des Images trinken. Der Trend hat mittlerweile auch Schulen erreicht, wo Schülerinnen und Schüler ihn auf Lehrkräfte anwenden – ein Fall an einer High School in Missouri zeigt, wie das im Schulalltag aussieht.

Woher der Begriff kommt

Der Ausdruck „performativ" für vorgetäuschtes Verhalten stammt ursprünglich aus Debatten des Jahres 2020 über politisches Engagement, das nur zur Schau gestellt wird, ohne echte Überzeugung dahinter. Ab 2024 griffen TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer diese Idee auf und formten daraus den Spott-Begriff „performative male": Männern wurde unterstellt, bestimmte Interessen nur vorzutäuschen, um bei Frauen Eindruck zu schinden. Ähnliche Meme-Wellen wie „VSCO girl" oder „soft boy" folgten in den Jahren zuvor demselben Muster: Ein zunächst neutraler oder beschreibender Begriff für einen Lifestyle wird durch wiederholten ironischen Gebrauch zu einem Spott-Etikett, bevor das Interesse der Plattform an einem neuen Begriff weiterzieht.

Wie Matcha zur Zielscheibe wurde

Im Juli und August 2025 rückte Matcha ins Zentrum dieser Meme-Welle, neben Gegenständen wie Stoffbeuteln, bestimmter Indie-Musik und Sammelfiguren. Der Trend fiel zeitlich mit einer spürbaren Nachfragesteigerung nach Matcha zusammen, in deren Folge einzelne Cafés berichteten, ihre Bestellmengen deutlich erhöht zu haben. Von TikTok aus verbreitete sich „performative matcha" innerhalb weniger Monate auch auf andere Plattformen wie Instagram und in den Sprachgebrauch von Jugendlichen außerhalb der USA, wo der Begriff teils auf andere grüne Getränke oder allgemein auf vermeintlich inszenierte Alltagsgewohnheiten übertragen wurde. Belastbare Zahlen dazu, wie stark die Nachfrage nach Matcha durch den Trend tatsächlich gestiegen ist, liegen öffentlich nicht vor – die Berichte stützen sich auf einzelne Aussagen von Cafébetreibern, nicht auf branchenweite Statistiken.

Warum ausgerechnet ein grünes Getränk

Anders als Kaffee lässt sich Matcha auf Fotos und in kurzen Videos leicht erkennen: Die kräftige grüne Farbe hebt sich von jedem anderen Getränk auf dem Tisch ab und eignet sich damit als visuelles Erkennungszeichen in einem Meme, das auf schnelle Wiedererkennung setzt. Dieser rein optische Faktor dürfte mit erklären, warum ausgerechnet Matcha und nicht ein braunes Kaffeegetränk zur Zielscheibe wurde. Der gesamte Trend spielt sich überwiegend visuell ab: Kurze Clips, in denen jemand demonstrativ eine grüne Tasse ins Bild hält, liefern die Vorlage für unzählige Nachahmungen und Kommentare, während längere, differenzierte Textbeiträge zum Thema seltener sind.

Der Fall an einer High School in Missouri

An der Francis Howell North High School griffen Schülerinnen und Schüler den Trend gegenüber dem Wirtschaftslehrer Kreighton Tyler auf, wie die Schülerzeitung FHN Today berichtete. Tyler sagte dazu: „Yes, I've had it many times in class, and kids have made fun of me for it. But I feel like I've been drinking matcha before the trend." Er beschrieb damit selbst, dass ihn der Spott nicht sonderlich störte, weil sein Matcha-Konsum älter ist als das aktuelle Meme. Lehrkräfte, die zum Ziel eines harmlosen Klassenscherzes werden, reagieren nach Berichten von Schülerzeitungen unterschiedlich: Manche gehen den Scherz humorvoll mit, andere ignorieren ihn bewusst. Im Fall von Kreighton Tyler zeigt das veröffentlichte Zitat, dass er sich für die erste Variante entschieden hat, ohne dass die Schülerzeitung von einem ernsthaften Konflikt berichtet. Der Fall an der Francis Howell North High School zeigt exemplarisch, dass sich ein Trend-Etikett wie „performative matcha" ebenso gelassen wie ernst nehmen lässt. Für die Berichterstattung darüber ist entscheidend, dass es sich um eine öffentlich geführte, humorvolle Debatte handelt und nicht um einen Vorwurf mit ernsthaften Folgen für die beteiligten Personen. Anders als bei rein anonymen Online-Debatten tritt Tyler in dem Artikel mit vollem Namen und eigenem Zitat auf, was zeigt, dass er den Vorfall selbst nicht als Angriff, sondern als Anlass für einen humorvollen Schulzeitungsbeitrag verstanden hat.

Wie Schülerinnen und Schüler den Begriff selbst einordnen

In derselben Schülerzeitung erklärten Mitschülerinnen und Mitschüler, was sie unter dem Begriff verstehen: Jemand zeige sein Getränk demonstrativ, nicht weil es schmeckt, sondern um eine bestimmte Selbstinszenierung zu transportieren, oft kombiniert mit einem passenden Kleidungsstil. Andere Berichte über den Trend, etwa beim Digitalmagazin Daily Dot, beschreiben, wie belastend die Zuschreibung für manche empfunden wird: Ein TikTok-Nutzer beklagte sich öffentlich, wegen des Spotts könne er „nicht einmal mehr Matcha trinken, ohne als performativ bezeichnet zu werden". Schulen gelten seit jeher als Umschlagplatz für neue soziale Codes, weil Jugendliche dort täglich unter Beobachtung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler stehen. Ein Getränk, das in der Cafeteria oder im Klassenzimmer sichtbar mitgeführt wird, eignet sich damit besonders gut als Anlass für neue Trend-Begriffe – unabhängig davon, ob es sich um Matcha, ein bestimmtes Handy-Modell oder eine Kleidungsmarke handelt. Auch außerhalb der zitierten Schule berichten andere Schülerzeitungen von ähnlichen Szenen, in denen einzelne Lehrkräfte oder Mitschülerinnen und Mitschüler wegen ihres Matcha-Konsums aufgezogen werden, meist ohne dass daraus ein ernsthafter Konflikt entsteht.

Eine Wiederholung eines älteren Musters

Der Vorwurf, ein Interesse nur zur Schau zu stellen, ist nicht neu: In den 2010er-Jahren richtete sich ein ganz ähnlicher Vorwurf unter dem Stichwort „fake geek girl" gegen Frauen, denen unterstellt wurde, sich nur für Nerd-Kultur zu interessieren, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die aktuelle Debatte um „performative matcha" kehrt dieses Muster um und richtet es gegen Männer. Nicht nur Getränke werden auf diese Weise zum Meme: In früheren Jahren traf ein ähnlicher Spott bereits bestimmte Sneaker-Modelle, Wasserflaschen-Marken oder Kopfhörer-Designs, die als Erkennungszeichen einer bestimmten Selbstinszenierung galten. Matcha ist damit ein aktuelles Beispiel für ein wiederkehrendes Muster in der Internetkultur, nicht ein Einzelfall. Ähnliche Debatten gab es in der Vergangenheit auch um andere, scheinbar unpolitische Konsumentscheidungen, was zeigt, wie schnell sich Online-Spott von einem Thema auf ein völlig anderes übertragen lässt.

Was von der Debatte bleibt

Ob jemand Matcha aus Überzeugung oder aus Trendbewusstsein trinkt, lässt sich von außen ohnehin kaum beurteilen – das gilt für Kaffee, Kombucha oder jedes andere Trendgetränk genauso. Der Streit um „performative matcha" sagt damit mehr über die Mechanik von Social-Media-Spott aus als über das Getränk selbst. Am Ende sagt der Streit um „performative matcha" weniger über das Getränk selbst aus als über die Frage, wie sehr Konsumentscheidungen im Alltag heute öffentlich beobachtet und kommentiert werden. Wer eine Tasse Kaffee statt Matcha trägt, entgeht dieser speziellen Debatte zwar, andere Konsumgewohnheiten werden im Gegenzug ebenso kommentiert. Nach den vorliegenden Berichten folgt der Trend um „performative matcha" demselben schnellen Auf und Ab wie viele TikTok-Debatten zuvor: hohe Aufmerksamkeit über wenige Monate, gefolgt von einem allmählichen Abklingen, sobald ein neues Meme die Aufmerksamkeit übernimmt. Für Außenstehende, die den Begriff zum ersten Mal hören, lohnt sich vor allem der Hinweis, dass er humorvoll und nicht wörtlich gemeint ist – niemand wird ernsthaft unterstellt, ein Getränk nur zum Schein zu trinken.

Wie Marken auf den Trend reagierten

Einige Getränkehersteller griffen den Spott in eigenen Werbekampagnen humorvoll auf, statt ihn zu ignorieren, und bewarben ihre Matcha-Produkte bewusst mit einem Augenzwinkern zum Meme. Das zeigt, wie schnell aus einem ursprünglich abwertend gemeinten Internet-Begriff ein Marketing-Aufhänger werden kann. Einzelne Cafébetreiber berichteten davon, den Trend in den eigenen Social-Media-Kanälen aufzugreifen, etwa mit augenzwinkernden Bildunterschriften zu Matcha-Bestellungen, statt sich von der abwertenden Konnotation distanzieren zu müssen. Für Cafés bedeutet ein solcher viraler Trend zunächst vor allem höhere und schwerer planbare Nachfrage nach einem einzelnen Produkt, unabhängig davon, ob die Aufmerksamkeit positiv oder spöttisch gemeint ist. Ob sich Marken damit langfristig einen Gefallen tun oder den Spott eher verstärken, indem sie ihn kommerziell aufgreifen, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht eindeutig beantworten.

Ein Getränk, kein Statussymbol

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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