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Pantone, Weiß und der Grün-Streit: wie Matcha zum informellen Farbnamen wurde
Ende 2025 erwarteten Modehäuser und Farbforscher unisono ein Grün als Pantone-Farbe des Jahres 2026. Gewählt wurde am Ende Weiß. Was danach passierte, zeigt gut, wie Farbtrends heute entstehen – und warum kein einzelnes Unternehmen bestimmt, was „das Internet" Matcha nennt.
Was vor der Entscheidung erwartet wurde
Im Vorfeld der Bekanntgabe waren sich Branchenbeobachter nach Berichten von Forbes weitgehend einig: Nach den warmen, natürlichen Tönen von 2025 erwarteten viele einen warmen Farbton, einen erdigen Neutralton oder ein anspruchsvolles Grün. Mehrere Unternehmen hatten schon eigene Grüntöne für 2026 vorgestellt – Behr mit „Hidden Gem", einem rauchigen Jadegrün, Valspar mit „Warm Eucalyptus", einem warmen, erdigen Grün, sowie die Trendagentur WGSN gemeinsam mit Coloro mit „Transformative Teal". Diese Ankündigungen sind jeweils die eigene Wahl des jeweiligen Unternehmens, kein gemeinsamer Branchenbeschluss.
Was Pantone tatsächlich gewählt hat
Entgegen der breiten Erwartung entschied sich das Pantone Color Institute für „Cloud Dancer", einen Weißton. Die Wahl fiel damit gegen den erwarteten Grüntrend aus – ein Ergebnis, das mehrere unabhängige Quellen, darunter Forbes und Marie Claire, gleichermaßen bestätigen.
Die Reaktion im Netz
Die Entscheidung kam nach Berichten von Marie Claire und Upworthy schlecht an. Ein viraler Meme-Name für den Ton lautete „Landlord White" (Vermieter-Weiß), eine Anspielung auf steigende Wohnkosten in den USA. Auf der Plattform Threads bildete sich rasch ein informeller Gegenentwurf: Nutzerinnen und Nutzer erklärten stattdessen einen tiefen, leicht ins Blaue gehenden Grünton namens „Phthalo Green" zur eigentlichen Farbe des Jahres. Ein einzelner Beitrag dazu sammelte laut Marie Claire binnen zwei Wochen mehr als 36.000 Zustimmungen und knapp 1.000 Kommentare.
Warum das mehr ist als ein Internet-Scherz
Kommentatorinnen und Kommentatoren, die Marie Claire zitiert, lasen die Reaktion als grundsätzlicheres Signal: Nach ihrer Einschätzung wünschten sich Verbraucher keine Zurückhaltung, sondern emotionale Farben – satte Grün- und Blautöne, die Optimismus statt wirtschaftlicher Vorsicht ausdrücken. Ob diese Deutung zutrifft, lässt sich nicht messen; sie ist eine Einordnung der zitierten Kommentatoren, keine belegte Tatsache.
Wo Matcha in dieser Geschichte auftaucht
In keiner der recherchierten Quellen erklärt ein Unternehmen ausdrücklich „Matcha-Grün" zur Farbe des Jahres 2026. Was tatsächlich passiert: Mehrere Institutionen wählen unabhängig voneinander eigene, unterschiedlich benannte Grüntöne – Hidden Gem, Warm Eucalyptus, Transformative Teal, Phthalo Green, dazu Pinterests eigener Ton „Wasabi". Der Begriff „Matcha-Grün" stammt dagegen nicht aus einer dieser offiziellen Farbwahlen, sondern aus der Mode- und Lifestylepresse, die ihn als umgangssprachlichen Sammelbegriff für diese Familie ruhiger Grüntöne verwendet.
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Eine Farbe des Jahres ist rechtlich die Entscheidung eines einzelnen Unternehmens für seine eigene Produktlinie – Pantone wählt für Pantone, Behr für Behr, Pinterest für Pinterest. Wenn Medien oder Social-Media-Nutzer denselben Grünton informell „Matcha" nennen, ist das eine Beschreibung, keine Übernahme fremder Markenrechte, und auch keine Aussage, die einem der genannten Unternehmen zugeschrieben werden darf. Deshalb behauptet dieser Text nicht, dass Pantone, WGSN, Coloro oder Pinterest jemals „Matcha" als Farbnamen verwendet hätten – das haben sie nicht.
Popkulturelle Anknüpfungspunkte
Mehrere Kommentatoren, die Marie Claire zitiert, verglichen den viralen Grünton mit der Smaragdstadt aus „Wicked" und mit dem von Kate Hawley gestalteten Kleid von Mia Goth in Guillermo del Toros „Frankenstein". Solche Vergleiche zeigen, wie stark ein einzelner Grünton inzwischen mit unterschiedlichen popkulturellen Bildern verknüpft wird, ohne dass es dafür eine zentrale, offizielle Quelle gibt.
Was am Ende von diesem Streit übrig bleibt
Am Ende zeigt der Fall vor allem eines: Farbtrends entstehen heute an mehreren Stellen gleichzeitig – bei Instituten, bei Herstellern und im Netz – und diese Stellen sind sich nicht immer einig. Wer nach dem informellen Modebegriff „Matcha-Grün" sucht, findet damit weniger eine feststehende Marke als eine lose, wechselnde Sammlung ähnlicher Grüntöne, die von der Presse zusammengefasst werden. Eine Übersicht über die Modeseite dieses Trends liefert der Wissensartikel „Matcha-Grün als Modefarbe: der Trend der Saison 2026".
Warum Farbvorhersagen überhaupt Jahre im Voraus laufen
Dass so viele Institutionen fast gleichzeitig auf Grün setzten, ist kein Zufall, sondern Ausdruck davon, wie das Geschäft mit Farbtrends funktioniert. Farbagenturen wie WGSN und Coloro beraten Hersteller von Textilien, Möbeln und Farben typischerweise anderthalb bis zwei Jahre im Voraus, damit diese ihre Produktionslinien rechtzeitig planen können. Wenn mehrere solcher Agenturen unabhängig voneinander zur gleichen Grundfarbe tendieren, entsteht dadurch ein Echo-Effekt: Verschiedene Hersteller kommen zu ähnlichen Schlüssen, ohne dass es eine zentrale Absprache gäbe – einfach weil sie ähnliche kulturelle Signale, etwa den Matcha-Trend in Ernährung und Lifestyle, in ihre jeweils eigene Analyse einfließen lassen.
Wie unterschiedlich die einzelnen Farbagenturen dabei vorgehen
Ein Überblick der Plattform Printify zu Pantones Geschichte zeigt, dass die Farbe des Jahres seit ihrer Einführung im Jahr 2000 immer wieder zwischen warmen und kühlen, gedeckten und kräftigen Tönen pendelte – ein Muster, das auch 2026 nicht durchbrochen wurde, auch wenn die öffentliche Erwartung diesmal in eine andere Richtung ging. Andere Prognosehäuser wie WGSN/Coloro einerseits und Farbenhersteller wie Behr oder Valspar andererseits verfolgen dabei jeweils eigene Methoden – von Verkaufsdaten über Social-Media-Analysen bis zu Designer-Umfragen –, weshalb ihre Ergebnisse in einzelnen Jahren übereinstimmen und in anderen deutlich auseinanderlaufen können.
Was das für die Bezeichnung „Matcha-Grün" konkret bedeutet
Weil keine der offiziellen Farbentscheidungen den Namen „Matcha" verwendet, bleibt der Begriff im engeren Sinn ein Beiname der Presse und der sozialen Netzwerke für eine ganze Familie ähnlicher Grüntöne – nicht die Bezeichnung eines bestimmten, festgelegten Farbwerts. Das erklärt auch, warum unterschiedliche Artikel je nach Kontext leicht abweichende Grüntöne unter demselben Namen zeigen: Es gibt keine zentrale Stelle, die den exakten Farbwert von „Matcha-Grün" verbindlich festlegt, anders als bei einer eingetragenen Pantone- oder Herstellerfarbe mit eigenem Farbcode.
Wie sich frühere Pantone-Entscheidungen mit der öffentlichen Reaktion vergleichen
Kontroversen um die Pantone-Farbe des Jahres sind kein neues Phänomen: Seit der Einführung im Jahr 2000 gab es wiederholt Jahre, in denen Fachpublikum und breite Öffentlichkeit unterschiedliche Erwartungen an die Wahl hatten. Was den Fall 2026 nach Einschätzung der zitierten Medien besonders macht, ist nicht die Kontroverse an sich, sondern die Geschwindigkeit und Organisiertheit, mit der sich auf einer einzelnen Plattform – Threads – ein informeller Gegenvorschlag bildete und dort messbaren Zuspruch fand, statt lediglich in vereinzelten Kommentaren unter offiziellen Ankündigungen liegenzubleiben.
Was diese Geschichte über Farbmarketing im Allgemeinen zeigt
Der Fall zeigt beispielhaft, wie viele verschiedene Akteure heute parallel an der öffentlichen Wahrnehmung von Farbe mitwirken: ein Institut wie Pantone mit einer über Jahrzehnte aufgebauten Autorität, kommerzielle Trendagenturen wie WGSN und Coloro mit datengestützten Prognosen für die Industrie, einzelne Farbenhersteller mit eigenem Marketinginteresse, eine Plattform wie Pinterest mit Zugriff auf eigene Nutzungsdaten – und zuletzt eine große Zahl einzelner Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Netzwerken, die sich mit einem viralen Post gegen alle genannten Institutionen zusammen positionieren können. Keiner dieser Akteure hat allein die Deutungshoheit über eine Farbe.
Was am Ende objektiv feststeht und was Einordnung bleibt
Objektiv belegt sind die Fakten, die mehrere unabhängige Quellen übereinstimmend nennen: Pantone wählte Cloud Dancer, mehrere Farbagenturen und -hersteller hatten zuvor Grüntöne favorisiert, und auf Threads bildete sich eine virale Gegenbewegung namens Phthalo Green. Nicht objektiv belegbar ist dagegen, ob „das Internet" insgesamt tatsächlich Grün bevorzugt oder ob es sich um einen lauten, aber zahlenmäßig kleineren Ausschnitt handelt – dazu liegen keine repräsentativen Umfragedaten vor, nur die genannten Beitragszahlen einzelner viraler Posts.
Wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher orientieren können
Wer bei Kaufentscheidungen auf eine „offizielle" Farbe des Jahres setzen möchte, sollte klären, welches Unternehmen genau gemeint ist: Pantones Cloud Dancer, Behrs Hidden Gem oder Pinterests Wasabi sind jeweils eigenständige, nicht austauschbare Farbentscheidungen unterschiedlicher Unternehmen mit unterschiedlicher Zielrichtung – die einen für Druck und Design, die anderen für Wandfarbe, wieder andere für eine Social-Media-Plattform. Wer stattdessen einfach nach einem bestimmten, umgangssprachlich als Matcha-Grün bezeichneten Look sucht, kommt mit einer Bildsuche und dem Begriff selbst in der Regel schneller zum gewünschten Ergebnis als mit dem Namen einer einzelnen Institution.
Ein Blick auf die Zeitschiene der Ereignisse
Zur Einordnung noch einmal der zeitliche Ablauf, wie er sich aus den Quellen ergibt: Ab Sommer 2025 mehrten sich laut Forbes Vorhersagen zugunsten eines Grüntons, im November 2025 berichtete Forbes über die verdichteten Designer-Erwartungen, die eigentliche Pantone-Bekanntgabe folgte im weiteren Jahresverlauf mit der Wahl von Cloud Dancer, und die virale Gegenbewegung um Phthalo Green auf Threads entstand laut Marie Claire innerhalb weniger Tage danach. Diese Abfolge zeigt, wie schnell sich eine institutionelle Entscheidung heute mit einer informellen Netzreaktion überlagern kann.
Was für uns davon bleibt
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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