Jugend & Social Media
Matcha und Journaling: die ruhige Kombination auf TikTok
Matcha und Journaling beschreibt eine Videokombination, die seit einiger Zeit auf TikTok auftaucht: Zuerst wird eine Schale Matcha angerührt, danach schreibt die Person ruhig in ein Notizbuch, oft mit leiser Musik im Hintergrund und in gedämpftem Licht. Der Trend verbindet zwei für sich schon bekannte Videoformate, das Zubereitungsvideo und das Journaling-Video, zu einem gemeinsamen, langsamen Ablauf. Er läuft unter Stichworten wie soft life, slow morning oder aesthetic routine und wird meist am frühen Morgen oder am Abend gezeigt, oft am Küchentisch oder auf dem Bett, mit Tageslicht oder einer einzelnen warmen Lampe im Bild.
Wie die Videos aufgebaut sind
Der typische Ablauf ist einfach: Wasser wird erhitzt, Matcha in eine Schale gesiebt, mit dem Bambusbesen aufgeschlagen, dann folgt ein Schnitt zum aufgeschlagenen Notizbuch. Kamera und Schnitt sind bewusst langsam gehalten, oft in einer festen, ruhigen Einstellung von schräg oben, sodass Schale, Hände und später die Buchseite gleichzeitig zu sehen sind. Textzeilen im Bild verweisen häufig auf eine Frage aus dem Journal, etwa eine Rückschau auf die Woche, eine kurze Dankbarkeitsliste oder ein einzelnes Ziel für den Tag. Die Reihenfolge kann variieren, teils wird zuerst geschrieben und danach die Schale gezeigt, aber das Prinzip bleibt gleich: Zubereitung und Schreiben laufen im selben ruhigen Tempo ab, ohne schnelle Schnitte oder laute Musik.
Woher die Kombination stammt
Die Verbindung von Matcha und Journaling reiht sich in eine Reihe älterer Bewegungen ein, zu denen auch die Clean Girl Aesthetic gehört, ein Lifestyle-Trend rund um Natürlichkeit, Minimalismus und feste kleine Routinen, der laut Wikipedia Ende 2021 auf TikTok aufkam. Eng verwandt ist der sogenannte That-Girl-Trend, der laut Wikipedia ebenfalls 2021 als TikTok-Format begann, bei dem Nutzerinnen und Nutzer Vorsätze wie mehr lesen oder gesünder kochen zeigten, bevor sich das Format über YouTube-Vlogs bis zu Pinterest-Boards ausbreitete. Journaling war als eigenständiges Videoformat schon vor Matcha verbreitet, ebenso Matcha-Zubereitungsvideos für sich genommen. Neu ist vor allem, dass beide Formate im selben Clip auftauchen und als Teil eines zusammenhängenden Morgen- oder Abendrituals gezeigt werden, statt als zwei getrennte Videoideen. Auch Formate wie Study-with-me-Videos, in denen Zuschauende beim gemeinsamen Lernen zusehen, haben zu dieser Entwicklung beigetragen, weil sie zeigten, dass ruhige, wenig ereignisreiche Inhalte auf TikTok trotzdem viel Aufmerksamkeit bekommen können, ohne auf schnelle Schnitte oder große Effekte angewiesen zu sein.
Was Beobachterinnen und Beobachter dazu schreiben
Das Magazin The Nod beschreibt in einem Beitrag vom 20. Juni 2025 von Sheya Kurian, wie eine in Delhi arbeitende Person den Ablauf einordnet: „It's kind of like journaling. I look forward to waking up, whisking my ceremonial-grade matcha.“ Der Artikel beschreibt den langsamen, bewussten Ablauf des Rührens, Gießens und Beobachtens als Teil eines größeren Bedürfnisses nach kleinen, wiederkehrenden Momenten im Alltag junger Menschen, die zwischen Studium, Job und Bildschirmzeit wenig feste Pausen kennen. Weiter wird beschrieben, dass es weniger um den Geschmack als um den Prozess selbst gehe, also um das langsame Rühren und Beobachten, nicht primär um das fertige Getränk.
Die Ästhetik: Farbe, Licht, Tempo
Ein Beitrag von Uji Cha Matcha vom 5. Januar 2026 ordnet die Beliebtheit auf Social Media stärker über das Bild als über den Geschmack ein: „Matcha pairs naturally with popular online aesthetics like: Minimalist lifestyles, Slow mornings... Journaling, skincare, and calm routines.“ Das satte Grün der Schale hebt sich in Videos deutlich von neutralen Hintergründen ab, was den Clips einen wiedererkennbaren Look gibt. Laut demselben Beitrag taucht Matcha auf TikTok besonders häufig in Morning-Routine-Videos und in Study-Session-Clips auf, weil das grüne Getränk in beiden Formaten als ruhiger, gut sichtbarer Fixpunkt im Bild funktioniert. Journaling-Videos folgen demselben Prinzip: viel freier Raum im Bild, wenig visuelle Unruhe, ein einzelnes Motiv im Zentrum, das sich Sekunde für Sekunde kaum verändert. Auch die Verpackung, etwa eine schlichte Dose oder ein Glasgefäß statt einer bunten Plastikverpackung, trägt zu diesem Bild bei, weil sie sich optisch in dieselbe ruhige Bildsprache einfügt wie Notizbuch und Schale im selben Clip.
Zwischen echtem Ritual und Inszenierung
In der Diskussion um den Trend taucht immer wieder die Frage auf, wie viel von den gezeigten Abläufen für die eigene Notiz gedacht ist und wie viel für die Kamera entstanden ist. Diese Frage lässt sich von außen kaum beantworten, weil beides in denselben Videos nebeneinander vorkommen kann: Eine Person kann gleichzeitig tatsächlich schreiben und wissen, dass die Szene gefilmt wird. Für die eigene Praxis macht das aber keinen großen Unterschied. Ob mit oder ohne Kamera, das Prinzip aus Zubereitung und kurzer schriftlicher Notiz lässt sich unabhängig vom Trend übernehmen, ohne dass dafür ein fertiges Video am Ende stehen muss.
Warum die Kombination bei jungen Menschen ankommt
Ein Grund für die Verbreitung liegt in der niedrigen Einstiegshürde: Für ein Journaling-Video braucht es nur ein Heft und einen Stift, für die Matcha-Zubereitung eine Schale, Pulver und heißes Wasser. Beides lässt sich in einem kleinen Zimmer umsetzen, ohne Küche mit viel Ausstattung. Dazu kommt, dass beide Formate eine feste, wiederholbare Struktur haben, was sie leicht nachahmbar macht: Wer ein Video gesehen hat, kann den Ablauf am nächsten Tag mit eigenen Mitteln nachstellen, ohne Vorwissen über Tee oder Journaling zu brauchen. Diese einfache Wiederholbarkeit erklärt zumindest teilweise, warum sich der Trend über einzelne Videos hinaus zu einem eigenen Format entwickelt hat. Ein weiterer Punkt ist die geringe Verbindlichkeit: Anders als ein festes Sportprogramm oder eine lange Meditationseinheit lässt sich das Ritual an einem einzelnen Tag auch mal ausfallen lassen, ohne dass dadurch eine ganze Routine zusammenbricht, was den Wiedereinstieg am nächsten Tag leichter macht als bei starreren Vorsätzen.
Was für ein eigenes kleines Ritual reicht
Gebraucht wird wenig: eine Schale oder ein Becher, Matcha-Pulver, ein Sieb oder ein kleiner Schneebesen und ein Notizbuch mit Stift. Wer ohne Bambusbesen arbeitet, kann Matcha auch im Shaker oder mit einem kleinen Milchaufschäumer anrühren, dazu mehr im Artikel „Besen-Alternative für Matcha: Milchaufschäumer und Shaker im ehrlichen Vergleich“. Wichtig ist weniger die Ausstattung als der feste Zeitpunkt, etwa direkt nach dem Aufstehen oder kurz vor dem Zubettgehen, damit aus der einmaligen Idee eine wiederkehrende Gewohnheit werden kann. Ein festes Notizbuch, das nur für dieses Ritual genutzt wird, unterstützt viele zusätzlich dabei, die Routine vom übrigen Alltag abzugrenzen.
Ein einfacher Ablauf zum Ausprobieren
Ein möglicher Ablauf: Wasser auf etwa 70 bis 80 Grad erhitzen, ein bis zwei Gramm Matcha in die Schale sieben, mit wenig Wasser glattrühren, restliches Wasser dazugeben und kurz aufschlagen. Während die Schale noch warm ist, drei bis fünf Minuten schreiben, ohne festen Plan, einfach das, was gerade im Kopf ist. Wer mag, notiert eine einzelne Frage vorab, etwa was heute ansteht oder was am Tag gut gelaufen ist, und beantwortet sie in wenigen Sätzen. Für den Abend lässt sich derselbe Ablauf mit kaltem oder lauwarmem Matcha wiederholen, etwa als kurzer Rückblick auf den Tag statt als Ausblick auf ihn, wie im Artikel „Matcha-Morgenroutine: In 3 Minuten zur fertigen Schale“ für die Morgenvariante beschrieben. Wer lieber am Wochenende mehr Zeit investiert, kann den Ablauf auf zehn bis fünfzehn Minuten ausdehnen und zusätzlich eine kurze Rückschau auf die vergangene Woche schreiben, während unter der Woche eine kürzere Variante mit wenigen Sätzen für die meisten praktikabler bleibt.
Wie sich das Ritual mit anderen Interessen verbinden lässt
Der Trend steht nicht isoliert, sondern überschneidet sich mit weiteren Formaten wie handgezeichneten Journal-Seiten, wie sie im Artikel „Matcha im Bullet Journal: die Zeichentrend-Kombination„ beschrieben werden, oder mit optischen Deko-Themen für das eigene Zimmer, etwa in „Matcha im WG-Zimmer: die Deko-Idee fürs erste eigene Zimmer“. Wer das Ritual nicht filmt, kann es trotzdem mit einem festen Platz verbinden, etwa einer kleinen Ecke am Schreibtisch mit Schale, Sieb und Notizbuch griffbereit, was den Einstieg jedes Mal einfacher macht, weil nichts erst zusammengesucht werden muss.
Von der Videoidee zur eigenen Tasse
Der Trend zeigt vor allem, dass sich Matcha gut mit ruhigen, wiederkehrenden Momenten verbinden lässt, unabhängig davon, ob dabei gefilmt wird oder nicht. Wer das Ritual zuhause ausprobieren will, kommt mit einer kleinen Menge Pulver aus: Bei 2 Gramm je Schale reicht eine Dose für mehrere Wochen. Bei uns kostet eine 30-Gramm-Dose Bio-Matcha 25,00 Euro, das entspricht 833,33 Euro je Kilogramm, mit Kennzeichnung durch die Kontrollstelle DE-ÖKO-006.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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