Trends
Das ASMR-Genre rund um das Zubereiten von Matcha
Videos, in denen Matcha mit einem Bambusbesen aufgeschlagen wird, gehören zu den bekannteren ASMR-Formaten auf TikTok und YouTube. Der Artikel beschreibt, wie das Genre aufgebaut ist, welche Geräusche im Mittelpunkt stehen, wie groß die Reichweite ist, welche Technik dahintersteckt und woher der Trend kommt.
Was Matcha-ASMR ist
Unter dem Hashtag Matcha-ASMR veröffentlichen zahlreiche Creatorinnen und Creator regelmäßig Videos, in denen sie Matcha zubereiten und dabei bewusst auf die Geräusche der einzelnen Schritte achten. Dazu gehören das Sieben des Pulvers, das Übergießen mit heißem Wasser und vor allem das Aufschlagen mit einem Bambusbesen, dem sogenannten Chasen. Solche Videos laufen meist ohne Sprache, mit dem Ton der Zubereitung im Zentrum, und dauern oft nur wenige Minuten. ASMR steht dabei für Autonomous Sensory Meridian Response, einen Begriff, der ursprünglich aus Online-Communitys stammt und Videos beschreibt, die bei einem Teil der Zuschauerinnen ein angenehmes, kribbelndes Gefühl auslösen sollen, ausgelöst durch bestimmte Geräusche oder Bewegungen.
Welche Geräusche im Fokus stehen
Das charakteristischste und meistgenannte Geräusch ist das Klopfen des Bambusbesens gegen die Schale, ein weiches, sich wiederholendes Geräusch mit leichten Tonhöhenschwankungen. Dazu kommt das Geräusch von aufgegossenem Wasser sowie, je nach Video, das Sieben des Pulvers oder das Aufschäumen von Milch für einen Matcha Latte. Diese Kombination aus mehreren Geräuschen in einer kurzen Zubereitungszeit gilt als Grund, warum sich das Format gut für ASMR-Formate eignet, da es innerhalb weniger Minuten mehrere unterschiedliche Klangreize liefert. Manche Creator ergänzen die Aufnahme um das Geräusch des geöffneten Pulverbehälters oder das leise Klirren von Porzellan, wenn Schale und Löffel aufeinandertreffen, um die Zahl der einzelnen Klangebenen weiter zu erhöhen.
Die visuelle Seite der Videos
Neben dem Ton spielt in vielen Matcha-ASMR-Videos zusätzlich die Optik eine wichtige Rolle: Der Übergang von Pulver und Wasser zu einem einheitlichen, leicht schäumenden Getränk ist gut sichtbar und wird in vielen Videos in Nahaufnahme gezeigt. Diese Kombination aus Ton und Bild unterscheidet Matcha-ASMR von reinen Audio-Formaten und macht die Videos auch ohne Kopfhörer teilweise nachvollziehbar. Manche Creator ergänzen die Aufnahmen mit ruhigem, natürlichem Licht, um den entspannten Charakter der Videos zu unterstreichen. Auch die Wahl des Geschirrs spielt eine Rolle: Traditionelle Matcha-Schalen in unterschiedlichen Farben und Texturen tauchen regelmäßig als eigenes Gestaltungselement auf und werden in Kommentaren teils genauso besprochen wie die Zubereitung selbst.
Einordnung in die ASMR-Szene
Insgesamt betrachtet reiht sich Matcha-ASMR in eine größere, seit Jahren bestehende Kategorie von Zubereitungs- und Handwerksvideos ein, die auf langsame, bedächtige Bewegungen setzen, etwa Videos zum Schneiden von Seife oder zum Falten von Papier. Gemeinsam ist diesen Formaten ein ruhiger Rhythmus ohne schnelle Schnitte. Matcha-Zubereitung wird in mehreren Beiträgen als besonders geeignetes Motiv unter den japanischen Teeritualen beschrieben, weil sie mehrere Sinnesreize in kurzer Zeit vereint und gleichzeitig einen klaren, wiederkehrenden Ablauf hat. Andere japanische Zubereitungsrituale, etwa das Aufgießen von Sencha oder das Schneiden von Sushi, werden in ähnlicher Weise für ASMR-Formate genutzt, Matcha sticht dabei durch die Kombination aus Klopfgeräusch und sichtbarer Schaumbildung besonders hervor.
Reichweite des Trends
Einzelne, besonders erfolgreiche Matcha-ASMR-Videos erreichen einzelnen Angaben zufolge, je nach Plattform und Reichweite des jeweiligen Kanals, mehrere hunderttausend Reaktionen, ein bekanntes Beispiel kam auf rund 894.000 Likes und über 3.200 Kommentare. Der Trend läuft über TikTok, YouTube und Instagram gleichzeitig, wobei längere Formate vor allem auf YouTube zu finden sind. Zuschauerinnen schauen solche Videos einem Bericht zufolge häufiger bis zum Ende, statt vorzeitig abzubrechen, was das Format für Plattform-Algorithmen attraktiv macht und die Verbreitung zusätzlich begünstigt. Für Creator, die auf ASMR-Inhalte spezialisiert sind, gehört die Zubereitung von Matcha damit zu den verlässlicheren Videoformaten innerhalb des breiteren ASMR-Genres.
Technik der Creator
Wer selbst ernsthaft mit Matcha-ASMR beginnen möchte, greift häufig zunächst zu speziellen binauralen Mikrofonen, die Ton räumlich einfangen, sodass er beim Abspielen mit Kopfhörern von verschiedenen Seiten wahrgenommen wird. Günstigere Alternativen mit zwei einzelnen Lavaliermikrofonen kommen diesem Effekt nahe, ohne die Kosten eines binauralen Setups. Neben der Technik spielt die Ruhe in der Aufnahmeumgebung eine Rolle, da Nebengeräusche den gewünschten Effekt stören und die Aufnahme insgesamt weniger klar wirken lassen. Auch die Kameraführung ist Teil der Technik: Viele Creator arbeiten mit festen Nahaufnahmen aus einem leicht erhöhten Winkel, damit sowohl die Schale als auch die Handbewegung gut sichtbar bleiben, ohne dass die Kamera während der Aufnahme bewegt werden muss.
Sub-Formate und Varianten
Innerhalb des größeren Matcha-ASMR-Genres haben sich im Laufe der Zeit mehrere eigenständige Unterformen etabliert, etwa Videos zur kalten Zubereitung mit einem sogenannten Cold Whisk, bei dem statt heißem kaltes Wasser verwendet wird, oder Tutorials, die konkrete Mengenangaben nennen, etwa drei Gramm Matcha auf 50 bis 60 Milliliter Wasser. Auch das Thema Mikroschaum, also besonders feine, cremige Bläschen an der Oberfläche, taucht regelmäßig als eigener Videofokus auf, oft begleitet von Tipps zur richtigen Handbewegung. Eine weitere Variante konzentriert sich auf das Sieben des Pulvers vor der Zubereitung, ein Schritt, der Klumpenbildung verhindern soll und in eigenen kurzen Clips gezeigt wird, oft in Zeitlupe.
Unterschied zu gesprochenen Zubereitungsvideos
Matcha-ASMR als eigenständiges Format unterscheidet sich deutlich von klassischen, ausführlich erklärten Rezeptvideos, die meist mit gesprochenen Erklärungen und Mengenangaben arbeiten. Bei ASMR-Formaten steht die sensorische Erfahrung im Vordergrund, Erklärungen werden häufig nur schriftlich im Bild eingeblendet oder ganz weggelassen. Diese Trennung zwischen Lehrformat und Unterhaltungsformat ist typisch für viele Koch- und Zubereitungsinhalte auf Social Media, die sich zunehmend in reine Rezeptvideos einerseits und atmosphärische ASMR-Clips andererseits aufteilen. Manche Creator kombinieren beide Formate in einem Video, etwa mit knappen Texteinblendungen zur Menge, während der Ton weiterhin unbearbeitet im Vordergrund bleibt.
Einordnung für Leserinnen
Matcha-ASMR ist in erster Linie ein Unterhaltungsformat und keine Zubereitungsanleitung im engeren Sinn, auch wenn sich einzelne Techniken daraus ablesen lassen. Wer selbst Matcha zubereitet, muss sich nicht an die für Videos optimierte Choreografie halten, um ein brauchbares Ergebnis zu bekommen. Der Trend zeigt aber, dass das Zubereiten von Matcha für viele Zuschauerinnen allein durch Ton und Bild interessant genug ist, um ganze Videos anzuschauen, ohne dass gesprochene Erklärungen nötig wären. Wer selbst mit dem Format experimentieren möchte, kann bereits mit einem Smartphone und einer ruhigen Umgebung erste Videos aufnehmen, ohne gleich in aufwendige Mikrofontechnik investieren zu müssen. Für Matcha-Käuferinnen und -Käufer in Deutschland ist der Trend vor allem ein zusätzlicher Anreiz, das eigene Zubehör wie Chasen und Schale bewusster auszuwählen, weil beides im Video sichtbar wird.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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