Grundlagen
Ichibancha, Nibancha, Sanbancha: die Erntewellen des japanischen Teejahres
Ein japanischer Teegarten wird nicht laufend, sondern in Wellen geerntet: eine erste, eine zweite, mancherorts eine dritte und vierte Pflückung im Jahr, jede mit eigenem Zeitfenster und eigener Qualitätsstufe. Dieser Artikel stellt alle vier Erntewellen mit ihren Zeiträumen nebeneinander und zeigt, warum fast ausschließlich die erste Welle in der Matcha-Dose landet.
Warum Tee überhaupt in Wellen wächst
Ein Teestrauch ruht über den Winter und treibt im Frühjahr neue, zarte Blätter aus, in denen die über Monate gespeicherten Nährstoffe konzentriert sind. Nach der ersten Pflückung braucht die Pflanze wieder Zeit, um neues Blattwerk aufzubauen, bevor eine weitere Ernte möglich ist. Aus diesem Rhythmus aus Wachstum und Erholung ergeben sich die für Japan typischen, klar getrennten Erntewellen im Jahresverlauf, statt einer durchgehenden Ernte wie bei manch anderer Nutzpflanze. Je kürzer die Erholungszeit zwischen zwei Pflückungen, desto weniger Nährstoffe kann der Strauch im neuen Blatt konzentrieren, was den unterschiedlichen Rang der einzelnen Erntewellen erklärt.
Ichibancha: die erste Pflückung im Frühling
Die erste Ernte, Ichibancha genannt, fällt in Japan in den Zeitraum von Mitte April oder Anfang Mai bis Ende Mai oder Anfang Juni. Ein fester Bezugspunkt ist dabei der 88. Tag nach Setsubun, der traditionell um den 4. Februar liegt, was den Start ungefähr auf Anfang Mai datiert; dieser Tag wird in Japan traditionell als Beginn der wichtigsten Erntezeit begangen. Diese erste Welle gilt nach Angaben der Global Japanese Tea Association als die am höchsten eingestufte Ernte des Jahres, mit besonders frischem Aroma und ausgeprägter Süße, weil die Blätter über den gesamten Winter hinweg Nährstoffe angesammelt haben, bevor sie im Frühjahr austreiben.
Nibancha: die zweite Welle im Frühsommer
Die zweite Ernte, Nibancha, schließt sich im frühen bis mittleren Juni an und reicht bis Mitte oder Ende Juli. Sie liegt in der Einstufung unterhalb der ersten Ernte, weil die Pflanze in dieser kürzeren Erholungszeit weniger Nährstoffe im neuen Blatt konzentrieren kann. Nibancha wird deshalb seltener für die hochwertigsten Sorten verwendet und häufiger in Mischungen für den alltäglichen Aufguss, oft auch als Grundlage für Tee in Flaschen oder Dosen, bei dem ein gleichmäßiger, milderer Geschmack gefragt ist statt der ausgeprägten Süße der ersten Ernte.
Sanbancha und Yonbancha: dritte und vierte Pflückung im Süden
Eine dritte Ernte, Sanbancha, ist nach Angaben der Global Japanese Tea Association nur in südlichen Anbaugebieten üblich und fällt in den Zeitraum Mitte August bis Mitte September. Eine vierte Ernte, Yonbancha, folgt von Mitte September bis Mitte Oktober und liegt in der Einstufung noch einmal darunter. Wie viele Erntewellen ein Anbaugebiet überhaupt schafft, hängt stark vom lokalen Klima ab: Nach Angaben des Deutschen Tee- und Kräutertee-Verbands kommt die Präfektur Kagoshima im warmen Süden Japans auf bis zu vier bis fünf Ernten pro Jahr, während kühlere, nördlichere Anbaugebiete oft nur bei der ersten und zweiten Welle bleiben, weil die Vegetationsperiode dort früher endet.
Von Süden nach Norden: wie sich die Erntezeit über Japan verschiebt
Die Teepflücke beginnt in Japan im Süden und wandert mit der fortschreitenden Frühjahrswärme nach Norden. In Kagoshima setzt die erste Ernte deshalb bereits Ende März oder Anfang April ein, deutlich früher als in kühleren Regionen. In Yame in der Präfektur Fukuoka, bekannt für Gyokuro, liegt die erste Ernte nach Angaben der Global Japanese Tea Association im Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai, also näher am landesweiten Durchschnitt. Diese geografische Staffelung sorgt dafür, dass frische Erntewellen über mehrere Wochen verteilt aus verschiedenen Regionen Japans auf den Markt kommen, statt an einem einzigen Stichtag, und erklärt zusätzlich, warum die eng getakteten Auktionstermine verschiedener Präfekturen im April und Mai zeitlich so dicht aufeinanderfolgen.
Die vier Wellen im Überblick
Zusammengefasst ergibt sich folgender Jahresverlauf: Ichibancha von Mitte April oder Anfang Mai bis Ende Mai oder Anfang Juni, die höchste Einstufung. Nibancha von Anfang oder Mitte Juni bis Mitte oder Ende Juli, eine Stufe darunter. Sanbancha von Mitte August bis Mitte September, nur in südlichen Regionen üblich. Yonbancha von Mitte September bis Mitte Oktober, die niedrigste der vier Einstufungen. In wärmeren Regionen wie Kagoshima verschieben sich alle vier Fenster nach vorn und können sich zusätzlich zu bis zu fünf Erntedurchgängen im Jahr verdichten, während in gemäßigteren Regionen oft nur zwei der vier Wellen tatsächlich stattfinden.
Warum fast nur die erste Welle zu Matcha wird
Für Tencha, die Vorstufe von Matcha, kommt praktisch nur Ichibancha infrage. Die Teegärten werden vor dieser ersten Ernte über mehrere Wochen beschattet, ein Verfahren, das genau auf das besonders nährstoffreiche Frühjahrsblatt abgestimmt ist und bei späteren Erntewellen einen geringeren Effekt zeigen würde, weil das Blatt der zweiten oder dritten Welle von vornherein weniger konzentriert nachwächst. Wie diese Beschattung im Einzelnen funktioniert und wie viele Tage sie dauert, beschreibt der Wissensartikel „Matcha-Ernte: warum die erste Pflückung im Mai alles entscheidet“.
Wie sich der Kalender auf den Auktionsmarkt überträgt
Der Erntekalender bestimmt nicht nur, welches Blatt wann gepflückt wird, sondern auch, wann die zugehörigen Auktionen stattfinden. Die im Wissensartikel „Aracha-Auktionen: wie Rohtee nach Qualität sortiert wird“ beschriebenen Auktionstermine im April und Mai, etwa in Gifu, Shiga, Nara und Kyoto, fallen alle in das Zeitfenster von Ichibancha. Spätere Auktionen zu Nibancha, Sanbancha oder Yonbancha finden entsprechend verschoben im Sommer und Frühherbst statt, meist mit deutlich geringerer öffentlicher Aufmerksamkeit als die Auktionen der ersten, am höchsten eingestuften Ernte.
Was der Erntekalender für deine Dose bedeutet
Der Erntekalender erklärt, warum auf vielen Dosen ausdrücklich von erster Ernte die Rede ist, und warum das mehr ist als eine reine Werbefloskel: Es beschreibt eine von vier klar unterscheidbaren Qualitätsstufen, die sich am Erntezeitpunkt selbst festmachen lässt. Der MATCHASHOCK Bio-Matcha wird aus erster Ernte hergestellt, beschattet, von Hand gepflückt und steingemahlen, mit Bio-Zertifizierung und Laborprüfung auf Pestizide, Schwermetalle und Radionuklide.
Quellen
- Global Japanese Tea Association – Japanese Tea Cultivation: Zeitfenster von Ichibancha, Nibancha, Sanbancha und Yonbancha, regionale Unterschiede ↗
- Wikipedia (EN) – Sencha: Shincha/Ichibancha-Zeitfenster, 88. Tag nach Setsubun, Ernteverlauf von Süden nach Norden ↗
- Global Japanese Tea Association – Japanese Tea Growing Regions: Erntezeit Yame/Fukuoka Ende April bis Anfang Mai ↗
- Deutscher Tee- und Kräutertee-Verband – Anbaugebiete Japan: bis zu vier bis fünf Ernten pro Jahr in der Präfektur Kagoshima ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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