Grundlagen
Vietnam als aufstrebender Grüntee-Standort
Vietnam ist nicht nur der weltweit größte Abnehmer von japanischem Matcha, sondern baut inzwischen auch eine eigene Matcha-Produktion auf. Vorreiter war das japanische Unternehmen Satoen, das bereits seit 2014 auf einer Hochebene in der nordvietnamesischen Provinz Son La eigenen Tencha und Matcha herstellt. Daneben sind in den vergangenen Jahren weitere vietnamesische Hersteller wie Kim Dien sowie spezialisierte Ladenketten wie Dao Matcha hinzugekommen.
Vietnam als größter Abnehmer japanischen Matchas
Nach Auswertungen von Exportdaten führt Vietnam die Liste der Abnehmerländer für japanisches Matcha-Pulver an, mit einem Anteil von rund 84 Prozent an den erfassten Sendungen, deutlich vor den USA mit rund 9 Prozent und Malaysia mit rund 3 Prozent. Dieser hohe Importanteil bildet den Hintergrund dafür, dass sich in Vietnam parallel eine eigene Verarbeitung von Grüntee zu Matcha entwickelt hat, teils um importierte Ware zu ergänzen, teils um sie langfristig zu ersetzen.
Eine bestehende Teekultur als Ausgangspunkt
Vietnam hat unabhängig von Matcha bereits eine lange eigene Teetradition. Als bekannteste Teeregion des Landes gilt die nordvietnamesische Provinz Thai Nguyen, insbesondere das Gebiet Tan Cuong. Die dortige Tee-Geschichte reicht in kleinbäuerlicher Form bis vor die 1880er-Jahre zurück, bevor französische Kolonialbehörden ab 1882 moderne Anbau- und Verarbeitungstechnik einführten und die Produktion deutlich ausweiteten. Der grüne Tee aus Thai Nguyen gilt bis heute als der bekannteste und beliebteste Tee unter vietnamesischen Konsumenten. Diese bestehende Infrastruktur aus Anbauflächen, Fachwissen und Verarbeitungsbetrieben bildet die Grundlage, auf der neuere Matcha-Projekte in anderen Provinzen des Landes aufbauen konnten.
Satoen: der erste Matcha-Hersteller in Vietnam
Nach Angaben des Fachmagazins STiR Coffee and Tea war das japanische Unternehmen Satoen der erste Betrieb, der in Vietnam Matcha herstellte, noch bevor die weltweite Matcha-Nachfrage richtig anzog. Satoen importierte dafür eine komplette Produktionslinie aus Japan und brachte die japanische Teesorte Yabukita ins Land, um Tees mit einem der japanischen Ausgangsware ähnlichen Profil zu erzeugen. Nach eigenen Angaben des Unternehmens liegt die Plantage nicht in Südvietnam, sondern auf dem Van-Ho-Plateau in der nördlichen Provinz Son La, auf über 1.000 Metern Höhe. Japanische Agrarexperten hatten den Standort vor über zwanzig Jahren wegen des dort fast ganztägigen Nebels und der großen Temperaturunterschiede zur Tiefebene ausgewählt. Satoen gibt an, seit 2014 am Markt zu sein und pro Achtstundenschicht rund 200 Kilogramm Matcha herstellen zu können. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu Satoen.
Weitere Hersteller: Kim Dien und Dao Matcha
Neben Satoen hat sich der Hersteller Kim Dien nach Angaben des Fachmagazins STiR Coffee and Tea auf 24 Tonnen Matcha im Jahr hochgearbeitet und verwendet dafür aus Japan importierte Steinmühlen, um eine mit Japan vergleichbare Feinheit des Pulvers zu erreichen. 2025 eröffnete zudem die auf Matcha spezialisierte Ladenkette Dao Matcha mit Dutzenden Filialen in mehreren vietnamesischen Großstädten. Deren Gründerin, Lai Thi Quynh Dao, wird in dem Bericht mit den Worten zitiert, Japans Angebot könne die steigende Nachfrage nicht mehr decken, während vietnamesisches Matcha einen eigenen, milden und zugleich intensiven Geschmack biete. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu Kim Dien oder Dao Matcha.
Anbauregionen und Sorten
Als Rohstoffquellen für vietnamesisches Matcha-Pulver werden unter anderem die Provinzen Thai Nguyen, Lam Dong, Ha Giang, Phu Tho, Tuyen Quang und Yen Bai genannt, Regionen, die teils bereits vorher für Grün- oder Oolong-Tee bekannt waren. In der südlichen Provinz Lam Dong, die vor allem für Oolong-Anbau bekannt ist, setzen manche Hersteller nach Angaben von STiR Coffee and Tea auf die aus Taiwan stammende Oolong-Sorte Jin Xuan, um dem Matcha eine ausgeprägte Süße und ein blumiges Aroma zu geben, statt ausschließlich auf japanische Sorten wie Yabukita zu setzen. Vor der Ernte werden die Pflanzen für rund 15 bis 21 Tage beschattet, eine Zeitspanne, die zwischen den kürzeren koreanischen und den längeren japanischen Beschattungszeiten liegt.
Marktentwicklung
Nach Zahlen, die STiR Coffee and Tea im Oktober 2025 veröffentlichte, hatten bis dahin rund 29,6 Prozent der vietnamesischen Lebensmittel- und Getränkeunternehmen Matcha in ihr Sortiment aufgenommen. Der Online-Handel mit Matcha in Vietnam setzte zwischen Januar 2024 und Juni 2025 umgerechnet rund 8,6 Millionen US-Dollar um. Getrieben wird diese Nachfrage vor allem über verarbeitete Produkte wie Matcha-Getränke, Milchtee-Varianten und Gebäck, die über Cafeketten und den Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden, weniger über reines Matcha-Pulver für die eigene Zubereitung zu Hause. Vietnamesisches Matcha wird inzwischen unter anderem nach Japan, Südkorea, Russland, in die EU, in die USA und in den Nahen Osten exportiert, was das Land in kurzer Zeit vom reinen Abnehmer zu einem eigenständigen Anbieter gemacht hat.
Matcha im Verhältnis zur Gesamtbranche
Um die Größenordnung einzuordnen: Vietnams gesamter Tee-Export erreichte 2024 nach Angaben vietnamesischer Wirtschaftsmedien einen Wert von umgerechnet rund 225 bis 256 Millionen US-Dollar bei einer Anbaufläche von rund 128.000 Hektar landesweit, womit das Land zeitweise auf Platz fünf der weltweit größten Tee-Exporteure stand. Größter Abnehmer war mit einem Anteil von rund 35 Prozent der Menge Pakistan. Verglichen mit diesen Gesamtzahlen ist der Anteil von Matcha am vietnamesischen Tee-Export weiterhin klein, auch wenn er nach den vorliegenden Berichten schnell wächst und Vietnam beim eigentlichen Matcha-Import aus Japan bereits die weltweite Spitzenposition einnimmt.
Warum Vietnam als Standort wächst
Als Gründe für das Wachstum werden in Fachartikeln vor allem zwei Punkte genannt: Japans eigene Tencha-Produktion kommt trotz Ausbaus nicht mehr mit der weltweiten Nachfrage mit, und vietnamesische Hersteller können durch niedrigere Kosten und die Kombination aus importierter japanischer Technik und einheimischen Sorten wie Oolong ein eigenständiges Preis- und Geschmacksprofil anbieten. Handelsabkommen wie das bilaterale Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen Japan und Vietnam, das seit 2009 in Kraft ist, sowie regionale Verträge wie das umfassende ASEAN-Japan-Abkommen erleichtern zusätzlich den Warenaustausch zwischen beiden Ländern. Für den Export in Richtung Europa spielt zudem das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam eine Rolle, das seit dem 1. August 2020 in Kraft ist und nach Angaben der EU-Kommission innerhalb weniger Jahre einen Großteil der Zölle auf vietnamesische Waren abbaut, was auch den Marktzugang für vietnamesisches Matcha in der EU erleichtert.
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Quellen
- STiR Coffee and Tea Magazine - Vietnam Enters the Matcha Market ↗
- Satoen Vietnam - About Us ↗
- dunghangviet.vn - Người Việt đã sản xuất thành công bột matcha ↗
- Vinpearl - Thai Nguyen tea: History, types, plantations and more ↗
- Britannica - Thai Nguyen ↗
- VietnamPlus - Vietnam ranks fifth in the world in tea exports ↗
- Vietnam-Briefing - Vietnam-EU Trade: EVFTA Comes Into Effect August 1 ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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