Grundlagen
Ureshino-Cha aus Saga: Kyushus zweite große Teeregion
Ureshino-Cha stammt aus der Stadt Ureshino im Westen der Präfektur Saga auf Kyushu und reicht bis ins benachbarte Higashisonogi in der Präfektur Nagasaki hinein. Die Region ist vor allem für gerollten Tamaryokucha bekannt, eine Machart mit gedrehten statt nadelförmigen Blättern, und blickt auf eine Teegeschichte zurück, die bis ins Jahr 1440 reicht. Wo genau angebaut wird, was Tamaryokucha von gewöhnlichem Sencha unterscheidet und wie die Region zu ihrem internationalen Ruf kam, liest du hier.
Wo Ureshino-Cha wächst
Das Anbaugebiet liegt im Südwesten der Präfektur Saga auf der Insel Kyushu, in einem von sanften Bergen umgebenen Becken, und erstreckt sich über die Bergketten von Tara, Kunimi und Seburiyama bis in die Stadt Higashisonogi in der benachbarten Präfektur Nagasaki hinein. Ureshino-Cha ist damit eine der wenigen japanischen Teebezeichnungen, deren Anbaugebiet über eine Präfekturgrenze hinausreicht, was in der sonst stark nach Präfekturen sortierten japanischen Teewelt eher die Ausnahme ist. Die Beckenlage bewahrt die Teesträucher zusätzlich vor starken Winden, was gerade in den Wintermonaten von Vorteil ist.
Geschichte: von 1440 bis zum Handel mit Europa
Der Überlieferung nach brachte im Jahr 1440 ein Keramikmeister aus der Ming-Dynastie den Teeanbau in das Sarayatani-Tal am Berg Fudomiyama, ein Startpunkt, auf den sich die Region bis heute in ihrer eigenen Geschichtsschreibung beruft. In der frühen Edo-Zeit legte Yoshimura Shinbei die Grundlagen für den organisierten Anbau der Region, indem er die zuvor eher kleinteilige Bewirtschaftung stärker bündelte. Zwischen 1853 und 1856 begann über den Händler Oura Kei der kommerzielle Export nach Europa, an niederländische und britische Handelshäuser, vermittelt über den Handelsposten Dejima in Nagasaki, über den auch der deutsche Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold Kontakt mit japanischem Tee hatte, einem der wenigen Europäer, die zu dieser Zeit überhaupt Zugang zum Land hatten. 2008 wurde Ureshino-Cha als regionale Kollektivmarke eingetragen, eine formale Anerkennung, die vielen Regionen erst deutlich später zuteilwurde. Die Nähe zu Dejima, dem einzigen für ausländische Händler geöffneten Handelsposten der damaligen Zeit, verschaffte Ureshino früh einen direkteren Zugang zum internationalen Handel als vielen anderen Anbaugebieten im Landesinneren.
Tamaryokucha: gerollt statt nadelförmig
Ureshino ist vor allem für Tamaryokucha bekannt, auch als Guri-Tee bezeichnet: Die Blätter werden am Ende der Verarbeitung nicht wie bei gewöhnlichem Sencha zu geraden Nadeln gepresst, sondern bleiben gerollt und erinnern optisch an chinesischen Grüntee. Traditionell wurde die Region für die Pfannenröstung, Kamairi genannt, bekannt, heute macht dieses Verfahren nach Angaben aus der Region nur noch etwa 5 Prozent der Produktion aus, der weit überwiegende Teil wird heute gedämpft statt geröstet. Diese Verschiebung folgt einem landesweiten Trend hin zum gedämpften Verfahren, das sich leichter in größerem Maßstab produzieren lässt und gleichmäßigere Ergebnisse liefert als die traditionelle Handröstung in der Pfanne.
Geschmack und Auszeichnungen
Der gerollte Tamaryokucha aus Ureshino hat einen kräftigen Duft und einen ausgeprägten Umami-Geschmack. Die Region hat wiederholt den Preis des japanischen Landwirtschaftsministers bei nationalen Teewettbewerben erhalten. 2018 eröffnete mit der Ureshino Tea Exchange Hall, auch Chaosiru genannt, ein Besucherzentrum, das die Geschichte und Herstellung des Tees zeigt und Besuchern die Verarbeitung vom frischen Blatt bis zur fertigen Tasse erklärt. Solche Auszeichnungen und Besuchereinrichtungen sind Teil einer gezielten Strategie der Region, den Tee neben dem Tourismus rund um die Thermalquellen als eigenständige Attraktion zu positionieren.
Ureshino als Onsen-Stadt
Neben dem Tee ist Ureshino für seine mehr als 40 heißen Quellen bekannt, mit bekannten Häusern wie Shibasansou, Taishoya und Warakuen. Eine lokale Spezialität ist Ureshino-Onsen-Tofu, bei dem das alkalische Quellwasser einen besonders weichen Tofu entstehen lässt, serviert mit Frühlingszwiebeln und Ingwer. Die heutige Stadt Ureshino entstand am 1. Januar 2006 durch den Zusammenschluss der früheren Gemeinden Ureshino und Shiota, Tee und Thermalquellen gehören seither zur gemeinsamen Standortmarke der Stadt und werden in der örtlichen Tourismuswerbung meist zusammen beworben.
Woran du Ureshino-Cha im Handel erkennst
Ureshino-Tee wird meist klar als Tamaryokucha oder unter dem Namen Ureshino-Cha beziehungsweise Guri-Cha verkauft, oft mit einem Hinweis auf die gerollte statt nadelförmige Blattform, die auf der Verpackung sichtbar ist, sobald man die Tüte öffnet. Wer die traditionell pfannengeröstete Variante statt der heute üblichen gedämpften Version sucht, findet sie seltener im regulären Handel und muss gezielt bei kleineren Anbaubetrieben oder spezialisierten Händlern nachfragen, weil die traditionelle Pfannenröstung inzwischen nur noch einen kleinen Teil der Gesamtproduktion ausmacht.
Wie du Tamaryokucha zubereitest
Weil die Blätter beim Tamaryokucha gerollt statt zu geraden Nadeln gepresst sind, brauchen sie etwas länger, um sich im Wasser zu entfalten, als gewöhnlicher Sencha. Wasser mit etwa 70 bis 80 Grad und eine Ziehzeit von rund 90 Sekunden haben sich für zwei Gramm Blätter auf 150 Milliliter Wasser bewährt. Der gedämpfte Tamaryokucha, der heute den Großteil der Produktion ausmacht, fällt milder aus als die traditionell pfannengeröstete Variante, die noch kräftiger und rauchiger schmeckt.
Stellung unter den Kyushu-Regionen
Auf Kyushu ist Ureshino nach der bekannteren Region Yame in der Präfektur Fukuoka eine der zweitwichtigsten Adressen für Grüntee der Insel und die profilierteste Adresse für Tamaryokucha im Speziellen. Die Nähe zu den historischen Handelsrouten über Nagasaki hat der Region schon im 19. Jahrhundert einen international sichtbareren Ruf verschafft als vielen anderen Anbaugebieten ihrer Größe, ein Vorteil, von dem die Vermarktung bis heute profitiert, etwa wenn die Herkunft aus der Nähe von Dejima in Beschreibungen des Tees erwähnt wird. Für Käufer außerhalb Japans ist Ureshino deshalb oft der erste Kontakt mit Tamaryokucha überhaupt, weil die Region unter den gerollten Grünteesorten die international bekannteste Adresse geblieben ist, noch vor kleineren Anbaugebieten mit ähnlicher Machart in anderen Teilen Japans.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
Zusammengefasst: Ureshino-Cha stammt aus dem Südwesten der Präfektur Saga und reicht bis in die Nachbarstadt Higashisonogi in Nagasaki hinein. Der Überlieferung nach begann der Anbau 1440 mit einem Keramikmeister aus der Ming-Dynastie, ab den 1850er Jahren kam über den Handelsposten Dejima der Export nach Europa hinzu. Die Region ist vor allem für gerollten Tamaryokucha bekannt, der heute überwiegend gedämpft statt wie früher in der Pfanne geröstet wird, und wurde 2008 als regionale Kollektivmarke eingetragen. Neben dem Tee ist Ureshino für seine mehr als 40 heißen Quellen und den dort hergestellten Onsen-Tofu bekannt.
Wirtschaftliche Bedeutung von Tee und Thermalquellen
In Ureshino stehen Tee und Onsen wirtschaftlich nebeneinander, statt dass eines das andere verdrängt: Die mehr als 40 heißen Quellen ziehen Übernachtungsgäste an, die häufig auch die umliegenden Teefelder besuchen oder Tee als Mitbringsel kaufen, während die Auszeichnungen bei nationalen Teewettbewerben den Ruf der Stadt über die Tourismuswerbung hinaus stärken. Diese Doppelrolle unterscheidet Ureshino von reinen Anbauregionen ohne vergleichbare touristische Infrastruktur, in denen der Tee allein für die Bekanntheit der Region sorgen muss.
Ureshino im Vergleich zu Yame und anderen Kyushu-Regionen
Während Yame in der Präfektur Fukuoka als die bekannteste Gyokuro-Adresse Kyushus gilt, hat sich Ureshino auf den gerollten Tamaryokucha spezialisiert und sich damit geschmacklich und optisch klar von der Nadelform gewöhnlichen Senchas abgesetzt. Anders als reine Anbauregionen ohne nennenswerten Tourismus verbindet Ureshino den Tee mit den eigenen Thermalquellen zu einem gemeinsamen Reiseziel, eine Kombination, die viele andere Teeregionen in dieser Form nicht bieten können, weil ihnen die vergleichbare Onsen-Infrastruktur fehlt.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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