Geschichte
Setsubun: warum in Kyoto Matcha-Teig in die Glücksrolle kommt
Setsubun, das japanische Fest zum Frühlingsbeginn, wird jedes Jahr am 3. Februar begangen und ist vor allem für das Bohnenwerfen gegen Dämonen sowie für die Glücksrolle Ehomaki bekannt. Während die klassische Ehomaki herzhaft gefüllt ist, gibt es in Kyoto eine süße Variante mit Matcha-Teig, Azukibohnen und süßem Natto. Dieser Text erklärt den Ablauf von Setsubun, die Bedeutung von Ehomaki und woher Kyotos Matcha-Variante kommt.
Was Setsubun ist und wann es stattfindet
Setsubun bedeutet wörtlich Trennung der Jahreszeiten und markiert im traditionellen japanischen Kalender den Übergang zum Frühling. Gefeiert wird das Fest jedes Jahr am 3. Februar, als Teil des größeren Frühlingsfests Haru Matsuri. Damit fällt Setsubun deutlich früher als der kalendarische Frühlingsbeginn in Europa und markiert stattdessen den Punkt, an dem nach traditioneller japanischer Zählung der Winter symbolisch endet. Diese frühe Platzierung im Jahr erklärt auch, warum das Fest in Japan trotz oft noch winterlicher Temperaturen fest mit der Vorstellung eines Neuanfangs verbunden ist, ähnlich wie Neujahrsbräuche in anderen Kulturen.
Bohnenwerfen gegen Dämonen
Das bekannteste Ritual von Setsubun ist das Mamemaki, das Werfen gerösteter Sojabohnen, während der Ruf Oni wa soto, fuku wa uchi erschallt, auf Deutsch etwa Dämonen raus, Glück herein. In vielen Familien übernimmt ein Familienmitglied die Rolle des Dämons, häufig mit einer einfachen Maske, während die anderen Bohnen werfen. In Kyoto gehören der Yoshida-Schrein und der Tempel Mibu-dera zu den bekanntesten Orten für großangelegte öffentliche Bohnenwurf-Zeremonien. Im Anschluss an das Werfen isst man traditionell so viele geröstete Bohnen, wie man Lebensjahre zählt, manchmal eine mehr, um Glück für das kommende Jahr zu sichern, ein Brauch, der neben dem Werfen selbst in vielen Haushalten ebenso fest verankert ist.
Wie Supermärkte das Ehomaki-Geschäft dominieren
In den vergangenen Jahrzehnten haben große Supermarkt- und Convenience-Store-Ketten das Ehomaki-Geschäft stark geprägt, indem sie Wochen vor Setsubun mit Vorbestelllisten und Werbekampagnen um Kundschaft werben. Diese Kommerzialisierung wird in Japan selbst gelegentlich kritisch diskutiert, hat aber gleichzeitig dazu beigetragen, dass sich der ursprünglich regionale Brauch aus Kansai über das ganze Land verbreitet hat. Gerade die Vielfalt an Sondervarianten, von Wagyu-Rind bis zur süßen Matcha-Rolle aus Kyoto, wäre ohne diese landesweite Vermarktung durch die großen Ketten kaum in dieser Breite entstanden.
Ehomaki: die Glücksrolle mit Ansage
Neben dem Bohnenwerfen hat sich Ehomaki, eine dicke, ungeschnittene Sushi-Rolle vergleichbar mit einer klassischen Maki-Rolle, nur ohne die übliche Aufteilung in kleinere Stücke, als zweites zentrales Setsubun-Ritual etabliert. Der Brauch verlangt, die gesamte Rolle in völliger Stille zu essen, während man in die für das jeweilige Jahr als glücksbringend geltende Richtung blickt, für 2026 nach Angaben mehrerer japanischer Reiseführer Süd-Südost. Ursprünglich stammt der Brauch aus der Region Kansai und hat sich erst in den vergangenen Jahrzehnten landesweit verbreitet. Die Glücksrichtung selbst wechselt von Jahr zu Jahr nach einem festen, jahrzehntealten Zyklus, sodass sie sich nicht frei wählen lässt, sondern jedes Jahr aufs Neue in aktuellen japanischen Kalendern und Reiseführern nachgeschlagen wird.
Die klassische herzhafte Füllung
Traditionell enthält Ehomaki sieben verschiedene Füllungen, die die sieben Glücksgötter der japanischen Folklore symbolisieren sollen. Zu den gängigen Zutaten zählen gegrillter Aal, Ei, gekochte Shiitake-Pilze sowie verschiedene Sorten Fisch und Meeresfrüchte. Supermarktketten wie 7-Eleven, FamilyMart, Lawson und AEON bringen jedes Jahr zur Setsubun-Saison eigene Ehomaki-Varianten heraus, teils auch mit Wagyu-Rind oder in Anlehnung an koreanisches Kimbap. Diese Zahl von sieben Füllungen ist bewusst gewählt und verweist auf die Shichifukujin, die sieben Glücksgötter, die in der japanischen Folklore für unterschiedliche Bereiche des Lebens stehen, von Wohlstand bis Langlebigkeit, und die mit dem Verzehr der Rolle symbolisch für das kommende Jahr an den Tisch geholt werden sollen.
Kyotos süsse Variante mit Matcha-Teig
Neben der herzhaften Version verkaufen Convenience-Stores zur Setsubun-Saison auch süße Rollen, die optisch an Ehomaki erinnern, aber mit Sahne und Frucht oder süßer Paste gefüllt sind, teils mit Banane oder Erdbeere im Kern. Besonders in Kyoto beliebt sind nach übereinstimmenden Angaben von zwei unabhängigen Reiseführern bittersüße Varianten, die aus einem zähen Matcha-Teig gerollt werden und Azukibohnen sowie süßes Natto enthalten. Diese Variante gilt als moderne, süße Ergänzung zur traditionellen herzhaften Rolle. Dass ausgerechnet Natto, eine für viele westliche Gaumen gewöhnungsbedürftige fermentierte Sojabohnen-Zutat, in einer süßen Rolle auftaucht, zeigt, wie eigenständig sich diese Kyoto-Variante von den einfacheren süßen Rollen mit Banane oder Erdbeere unterscheidet, die anderswo in Japan verkauft werden.
Warum ausgerechnet Kyoto
Kyoto gilt als eines der Zentren traditioneller japanischer Konditorkunst und hat eine lange Geschichte darin, saisonale Feste mit eigens dafür entwickelten Süßigkeiten zu begehen, wie auch die Matcha-Wagashi zu Tanabata zeigen. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass gerade in Kyoto eine aufwendigere, süße Ehomaki-Variante mit Matcha entstanden ist, während andere Regionen Japans eher bei der klassischen herzhaften Füllung bleiben. Diese Verbindung aus traditionellem Konditor-Handwerk und einem an sich modernen, landesweit vermarkteten Brauch wie Ehomaki zeigt, wie Kyoto es immer wieder schafft, überregionale Trends mit eigenen, lokal geprägten Varianten zu ergänzen, statt sie unverändert zu übernehmen.
Wie du Ehomaki selbst isst, wenn du es richtig machen willst
Wer den Brauch vollständig nachvollziehen will, hält die Rolle mit beiden Händen, blickt in die für das jeweilige Jahr geltende Glücksrichtung und isst die gesamte Rolle in einem Zug, ohne dabei zu sprechen. Erst nach dem letzten Bissen darf wieder geredet werden. Für die süße Matcha-Variante gilt derselbe Ablauf, auch wenn sie eher als Nachtisch denn als vollständige Mahlzeit gedacht ist.
Weitere Bräuche rund um Setsubun
Neben Bohnenwerfen und Ehomaki gehören auch Setsubun-Soba, eine Nudelsuppe, die früher am letzten Tag des alten Jahres gegessen wurde, sowie Hiiragi Iwashi zu den regionalen Bräuchen des Fests. Bei Letzterem wird der Kopf einer gegrillten Sardine zusammen mit einem stacheligen Ilex-Zweig am Hauseingang befestigt, in der Überlieferung, um böse Geister durch Geruch und Stacheln gleichermaßen fernzuhalten. Diese Bräuche unterscheiden sich deutlich von Ort zu Ort und werden nicht überall in gleicher Form praktiziert.
Wie Setsubun mit dem alten Kalender zusammenhängt
Setsubun markiert im traditionellen japanischen Sonnenkalender den Tag vor Risshun, dem kalendarischen Frühlingsbeginn. Der Name Setsubun, wörtlich Jahreszeiten-Trennung, bezog sich ursprünglich auf alle vier Übergänge zwischen den Jahreszeiten, wurde im Lauf der Zeit aber vor allem mit dem Übergang vom Winter zum Frühling verbunden, dem Punkt im Jahr, an dem nach altem Volksglauben die Gefahr durch böse Geister am größten war. Das erklärt, warum ausgerechnet an diesem Tag Bohnen geworfen werden, um diese Geister symbolisch zu vertreiben, bevor das neue Jahr im traditionellen Sinne beginnt.
Setsubun in Kyoto: Yoshida-Schrein und Mibu-dera
Wer Setsubun in Kyoto selbst erleben will, findet am Yoshida-Schrein und am Tempel Mibu-dera zwei der bekanntesten öffentlichen Bohnenwurf-Zeremonien der Stadt, oft verbunden mit Feuershows, Verkaufsständen und einem deutlich größeren Andrang als bei privaten Feiern zuhause. Gerade an diesen belebten Orten mit ihrer engen Verbindung zur traditionellen Konditorkunst Kyotos lässt sich auch verstehen, warum in derselben Stadt eine so aufwendige, süße Ehomaki-Variante mit Matcha-Teig entstehen konnte.
Matcha für die eigene Setsubun-Süssigkeit
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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