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Geschichte

Sen no Rikyū: wie ein Kaufmannssohn den Teeweg geformt hat

Sen no Rikyū lebte von 1522 bis 1591 und gilt als der Mann, der aus dem Teetrinken einen Weg gemacht hat. Er stammte aus der Handelsstadt Sakai, diente Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi als Teemeister und starb am Ende auf Befehl seines eigenen Dienstherrn. Von ihm stammen die winzige Teehütte, die schlichte Schale und die vier Zeichen, die bis heute über jedem Teekurs stehen. Wer verstehen will, warum Matcha anders zubereitet wird als jeder andere Tee, landet bei ihm.

Ein Kaufmannssohn aus Sakai lernt Tee

Die Schule Omotesenke, die seine Linie bis heute führt, nennt als Geburtsjahr Taiei 2, also 1522, und als Geburtsort Imaichi-chō in der Provinz Izumi, das heutige Sakai in der Präfektur Osaka. Sein Vater hieß Tanaka Yōhei, seine Mutter Gesshin Myōchin, als Junge trug er den Namen Yoshirō. Sakai war damals eine reiche Hafenstadt südlich des heutigen Osaka, und Tee war in diesem Milieu kein Bauernthema, sondern Geschäft und Statusfrage: Über Sakai liefen die Einfuhren vom Festland, und die Kaufleute der Stadt sammelten Teegerät so, wie andere Leute Grundbesitz sammelten. Mit dem Teeunterricht begann Rikyū nach Angabe von Omotesenke im Jahr 1538 bei Kitamuki Dōchin, der in Sakai als führender Teemann galt. Zwei Jahre später, im Jahr Tenbun 9 und im Alter von neunzehn Jahren, wurde er Schüler von Takeno Jōō, der den Begriff wabi in die Teepraxis brachte; die Schule Urasenke nennt für diesen Wechsel dasselbe Lebensjahr. In demselben Jahr starb sein Vater, und von da an führte Rikyū den buddhistischen Namen Sōeki. Diese Doppelspur erklärt vieles an ihm: Er war Händler und Zen-Schüler zugleich, kannte den Marktwert eines Teekruges genauso wie die Übung im Tempel, und beides steckt in dem, was er später aus dem Teeraum gemacht hat. Wie das Pulver überhaupt nach Japan kam, steht in „Die Geschichte des Matcha: Von China nach Japan“.

Teemeister zweier Machthaber

Wann genau Rikyū in den Dienst Oda Nobunagas trat, ist nicht sicher überliefert; Omotesenke setzt den Eintritt auf das Jahr Tenshō 1, also 1573. Sicher ist, wofür Nobunaga den Tee benutzte: Die Schule beschreibt seine Teepolitik als ochanoyu goseidō, als Regieren mit den Mitteln des Teewegs. Nach Nobunagas Tod 1582 wurde Rikyū Teemeister Toyotomi Hideyoshis und dort bald mehr als ein Teemann. Wie weit seine Stellung reichte, zeigt ein zeitgenössischer Satz, den Omotesenke wiedergibt: für die vertraulichen Angelegenheiten Sōeki, für die offiziellen der Saishō, also Hideyoshis Bruder Hidenaga. Rikyū zog von Sakai nach Kyoto und baute sich gegenüber dem Tor des Daitoku-ji ein Anwesen mit dem Teeraum Fushin-an. Am 7. Oktober 1585 reichte Hideyoshi zu seiner Ernennung zum Kanpaku dem Kaiser Ōgimachi Tee, Rikyū assistierte, und der Kaiser verlieh ihm dabei einen Kojigō, einen buddhistischen Laientitel. Zwei Jahre später leitete er das Große Teefest von Kitano am Kitano-Tenmangū-Schrein in Kyoto, zusammen mit Tsuda Sōgyū und Imai Sōkyū. Omotesenke nennt es eine Demonstration von Hideyoshis Macht und gibt an, es seien bis zu 800 Plätze für die Teezubereitung genutzt worden; angesetzt war das Fest auf zehn Tage, gedauert hat es einen. Der Schrein zeigt in seiner Schatzkammer bis heute Weihegaben, die mit diesem Fest zusammenhängen, und führt sich selbst als Ursprungsort des neuzeitlichen Teewegs.

Wabicha ist eine Regel des Weglassens

Rikyūs eigener Beitrag heißt wabicha, ungefähr Tee der stillen Einfachheit. Der Kern ist eine Regel des Weglassens: alltägliche Dinge statt teurer Importstücke, kleine Räume statt Säle, raue Oberflächen statt Glanz. Sein Lehrer Takeno Jōō hatte die Richtung vorgegeben, Rikyū zog sie konsequent durch. Statt fein gedrehter Importschalen ließ er in Kyoto grob von Hand aufgebaute Teeschalen brennen. Das Raku-Museum in Kyoto datiert den Anfang dieser Keramik auf die Mitte des 16. Jahrhunderts und führt sie auf den Töpfer Chōjirō zurück: Das älteste ihm zugeschriebene Stück ist eine zweifach glasierte Löwenfigur von 1574, die erste Teeschale entstand vermutlich fünf Jahre später, 1579. Das Museum schreibt dazu, die Raku-Teeschale sei aus dem Wabi-Ideal hervorgegangen, für das Rikyū eintrat. Statt kostbarer Wasserbehälter nahm er Gerät, das genauso gut aus einer Küche stammen konnte. Der Gegensatz zu seinem Dienstherrn ist auffällig: Hideyoshi ließ sich 1585 ein zerlegbares Teezimmer von rund drei Tatami bauen, dessen Wände, Decke, Pfosten und untere Türfelder mit Gold belegt waren, und ließ es im Januar 1586 zum Neujahrsbesuch in den Kaiserpalast bringen. Beide Linien liefen nebeneinander her, dieselben Personen bewegten sich in beiden, und keine der beiden war ein Ausrutscher. Wie eng Tee, Rang und Macht in dieser Zeit zusammenhingen und warum eine Teeschale eine Auszeichnung ersetzen konnte, steht in „Matcha und die Samurai: der Tee im Alltag der Kriegerklasse“.

Das Taian: zwei Matten und ein Kriechgang

Das einzige Teehaus, das mit einiger Sicherheit von Rikyū selbst stammt, steht in Ōyamazaki südwestlich von Kyoto und heißt Taian. Die Gemeinde Ōyamazaki führt es als den einzigen erhaltenen Teeraum Rikyūs, als Ausgangspunkt der Sukiya-Bauweise und als das kleinste Bauwerk unter den japanischen Nationalschätzen. Überliefert ist, dass der Raum nach der Schlacht von Yamazaki im Jahr 1582 aus Rikyūs Wohnstätte an seinen heutigen Ort im Tempel Myōki-an kam. Der Raum misst zwei Tatami, und er war der erste Teeraum überhaupt mit einem Nijiriguchi, einer Kriechöffnung in der Ecke. Wer eintritt, muss sich bücken, unabhängig von Rang und Schwert, und für ein langes Schwert ist die Öffnung ohnehin zu klein. Zwei Tatami sind die Fläche, auf der zwei Menschen nebeneinander liegen können, mehr Platz stand Gastgeber und Gästen nicht zur Verfügung. Genau darin liegt die Pointe: Der Raum ist kein Sinnbild, sondern eine Maßangabe. Das Taian ist der gebaute Beweis, dass Rikyūs Tee zuerst eine Frage von Quadratmetern, Türhöhe und Sitzabstand war und erst danach eine Frage der Haltung. Wie aus dieser Haltung eine ganze Ästhetik des Unfertigen wurde, steht in „Wabi-Sabi: warum die Teeschale nicht perfekt sein muss“.

Wa, kei, sei, jaku: die vier Zeichen

Über Rikyū stehen vier Zeichen: wa, kei, sei, jaku. Die Schule Urasenke übersetzt sie mit Harmonie, Achtung, Reinheit und Stille und nennt sie die Grundsätze einer Lebenskunst. Sie sind keine Hausordnung, sondern eine Reihenfolge. Zuerst stimmt das Verhältnis zwischen Gastgeber und Gästen, dann der Umgang mit Gerät und Raum, dann die Sauberkeit von Tuch, Besen und Schale, und was danach noch übrig bleibt, ist die Stille des fertigen Raums. Urasenke beschreibt den Teeweg zugleich als eine Sache, die sich mit Tätigkeiten des Alltags befasst und deren Beherrschung trotzdem große Übung verlangt. Genau das ist gemeint: Wasser holen, Kohle legen, Schale wärmen, abtrocknen, hinstellen. Der handwerkliche Anteil ist deutlich größer als der philosophische, und wer die vier Zeichen in die eigene Küche übersetzt, landet bei drei Punkten: sauberes Gerät, feste Reihenfolge, kein Zeitdruck. Mehr ist es nicht, und weniger reicht nicht.

1591: das Ende auf Befehl

Am 13. Februar 1591 wurde Rikyū in die Verbannung geschickt und kurz darauf nach Kyoto zurückgerufen. Am 28. Februar 1591 nahm er sich auf Befehl Hideyoshis in seiner Residenz im Jurakudai das Leben, im Alter von siebzig Jahren; Omotesenke überliefert dazu Gewitter und Hagel. Warum es so weit kam, ist bis heute offen, und die Schule schreibt das auch so: Der Vorfall um eine Holzfigur Rikyūs, die im Sanmon-Tor des Tempels Daitoku-ji aufgestellt worden war, sei bekannt, der wirkliche Grund aber nicht zu ermitteln. Als eigentliche Ursache des Zerwürfnisses nennt Omotesenke den Unterschied im Denken über den Teeweg: Hideyoshi missfiel der Teeraum mit anderthalb Matten, ebenso die Mauer des Teegartens, die Bepflanzung und das Schild. Andere Überlieferungen sehen Streit über militärische Fragen oder über den Handel mit Teegerät. Wahrscheinlich ist die Mischung. Ein Mann, der bestimmte, welches Stück Ton wertvoll war, hatte in einer Zeit, in der Kriegsherren Teeschalen wie Auszeichnungen weiterreichten, sehr reale Macht, und diese Macht lag nicht bei einem Fürsten, sondern bei einem Kaufmannssohn aus Sakai. Rikyūs Tod hat den Teeweg nicht beendet, sondern festgeschrieben: Von da an wurde jede einzelne Bewegung als seine Bewegung weitergegeben.

Was Rikyū mit deiner Schale zu tun hat

Rikyūs Nachkommen führten die Sache weiter. Nach seinem Tod erbte zunächst der Schwiegersohn Shōan das Anwesen in Kyoto, danach übernahm der Enkel Sōtan, und aus dessen Söhnen gingen drei Schulen hervor: Omotesenke, Urasenke und Mushakōjisenke, zusammen San-Senke genannt. Wie sie sich in der Praxis unterscheiden, steht in „Urasenke und Omotesenke: die Teeschulen im Unterschied“. Für die eigene Küche bleibt davon mehr übrig, als man vermutet. Die Menge, mit der bis heute gearbeitet wird, liegt bei rund 2 Gramm Pulver je Schale. Aus 30 Gramm werden damit rund 15 Schalen, und diese Rechnung gilt für jedes Pulver gleich. Auch die zwei Geräte, die Rikyū voraussetzte, sind unverändert geblieben: eine Schale mit genug Boden und ein Bambusbesen. Wer beides einmal benutzt hat, versteht, warum an dieser Ausstattung seit vierhundert Jahren nichts geändert wurde. Der Rest ist Wiederholung, und genau das war der Punkt.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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