Grundlagen
Ostafrika und der erste Blick auf Matcha: Versuche in Kenia und Ruanda
Kenia und Ruanda sind vor allem für Schwarztee bekannt, Kenia sogar als weltgrößter Exporteur davon. Beide Länder haben in den vergangenen Jahren aber dokumentierte, frühe Schritte in Richtung Grüntee und Matcha unternommen: Kenia mit einer neuen, von Japan unterstützten Grünteefabrik und einem bislang erfolglosen Vorstoß Richtung japanischer Matcha-Kunden, Ruanda mit einer angekündigten Erweiterung des Sortiments um Matcha durch einen der größten Teekonzerne des Landes.
Kenia: ein Schwarztee-Land sucht neue Wege
Kenia gilt als weltgrößter Exporteur von Schwarztee, produziert dabei überwiegend die sogenannte CTC-Qualität, bei der die Blätter geschnitten, gerissen und gerollt werden. Angebaut wird vor allem in Hochlagen mit vulkanischen Böden, etwa in den Regionen Kericho, Bomet, Nandi Hills und Kiambu bei Limuru. Der Großteil der Kleinbauern ist über die Kenya Tea Development Agency, kurz KTDA, organisiert, die landesweit 66 Teefabriken betreibt und mehr als 500.000 Kleinbauern auf über 100.000 Hektar Fläche vertritt. KTDA-Mitglieder stellen nach Angaben von Branchenquellen über 60 Prozent der gesamten kenianischen Teemenge her, der Rest entfällt auf größere, unabhängige Produzenten.
Die Größenordnung des kenianischen Schwarztees
Um einzuordnen, wie klein die neuen Grüntee- und Matcha-Versuche gegenüber dem bestehenden Geschäft sind, lohnt ein Blick auf die Gesamtzahlen: 2024 exportierte Kenia nach Angaben von Branchenmedien rund 594,5 Millionen Kilogramm Tee in 96 Länder und erzielte damit Deviseneinnahmen von umgerechnet rund 1,35 bis 1,7 Milliarden US-Dollar, je nach zugrunde gelegter Quelle und Wechselkurs. Größter Abnehmer war mit einem Anteil von rund 34,7 Prozent der Menge Pakistan, gefolgt von Ägypten, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland. Kenia bleibt damit klar der weltweit größte Exporteur von Schwarztee, während Grüntee- und erst recht Matcha-Mengen im Vergleich dazu bislang verschwindend klein ausfallen.
Erste Grünteefabrik mit japanischer Unterstützung
In der Region Kirinyaga erhielten Teebauern 2025 nach Berichten kenianischer Medien Ausrüstung für eine spezialisierte Grünteefabrik, finanziert mit Unterstützung der japanischen Entwicklungsagentur JICA und einem Kostenumfang von umgerechnet rund 360 Millionen kenianischen Schilling. Die Fabrik in Kirinyaga hatte bereits 2002 als erste Fabrik Kenias mit der kommerziellen Herstellung von Orthodox-Tee begonnen und damit den Grundstein für Kenias Spezialtee-Sparte gelegt. Die neue Anlage soll zugleich als regionales Ausbildungszentrum für die Verarbeitung von Grün- und Spezialtee dienen und laut den Berichten unter anderem die Verarbeitung von Sencha erproben, dem japanischen aufgegossenen Grüntee. Tee bleibt für die Region wirtschaftlich bedeutend: Allein in Kirinyaga erwirtschafteten mehr als 53.000 Kleinbauern im Wirtschaftsjahr 2024/2025 umgerechnet über 7,6 Milliarden kenianische Schilling mit 103,5 Millionen Kilogramm grünem Blatt. Die japanische Entwicklungsagentur JICA ist dabei kein neuer Partner: Sie unterstützt kenianische Agrarprojekte bereits seit mehreren Jahrzehnten und engagiert sich auch über die Kirinyaga-Fabrik hinaus für die Weiterentwicklung hin zu höherwertigen Spezialtees, wie auch das kenianische Rundfunkmedium KBC in eigenen Berichten über Wertschöpfung und Spezialtee-Produktion bestätigt.
Ein Vorstoß Richtung Matcha, der nicht aufging
Nach einem Bericht des Fachmagazins World Tea News reiste Vincent Mwingirwa, Vertriebsleiter der KTDA, nach Japan und besuchte dort eine Fabrik in Osaka, die Tencha zu Matcha verarbeitet. Sein Ziel war es, die japanischen Betriebe für die Verarbeitung kenianischen Grüntees zu Matcha zu interessieren, mit den dortigen Granitmühlen als letztem Verarbeitungsschritt. Nach eigener Aussage stieß Mwingirwa dabei zwar auf gestiegenes Interesse, weil japanischen Verarbeitern zeitweise Rohware fehlte, ein konkretes Geschäft kam aber nicht zustande. Aktuell beziehen japanische Verarbeiter ihre zusätzliche Rohware laut dem Bericht eher aus näher gelegenen asiatischen Ländern als aus Ostafrika.
Kenias Spezialtee bleibt eine Nische
Der Anteil von Orthodox- und Spezialtees, zu denen auch Grüntee zählt, ist in Kenia insgesamt noch klein. Nach Angaben Mwingirwas entfallen von rund 600 Millionen Kilogramm jährlicher Gesamtproduktion aller kenianischen Erzeuger weniger als 20 Millionen Kilogramm auf Orthodox-Tee, also weniger als ein Drittel Prozent der Gesamtmenge. Acht KTDA-Fabriken stellten zuletzt bereits Orthodox-Tee her, Stand 2025 waren es zehn Fabriken. Die Produkte werden vor allem in den Iran, nach Deutschland, Russland und in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft. Mwingirwa wird zudem damit zitiert, dass der Orthodox-Einstieg auch neue Absatzwege für gewöhnlichen CTC-Tee geöffnet habe, weil Käufer über das neue Angebot erstmals auf kenianischen Tee aufmerksam würden.
Ruanda: Hochlandtee auf über 2.000 Metern
Ruanda hat eine deutlich kürzere Teegeschichte als Kenia, produziert aber seit Mitte der 1950er-Jahre Tee, überwiegend ebenfalls in CTC-Qualität. Die Menge ist seither deutlich gewachsen: Nach Angaben ruandischer Statistiken stieg die Produktion von verarbeitetem Tee von rund 5.910 Tonnen im Jahr 1980 auf etwa 40.003 Tonnen bis Juni 2024, wobei rund 65 Prozent davon von Kleinbauern stammen. Der bedeutendste Konzern des Landes, Rwanda Mountain Tea, bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund 9.646 Hektar Teefläche über acht Standorte im Nordwesten und Südwesten des Landes, darunter Kitabi, Rubaya, Nyabihu, Gatare, Rutsiro, Mata, Nshili Kivu und Gisakura, auf Höhenlagen zwischen 2.300 und 2.700 Metern. Nach Unternehmensangaben beschäftigt die Firma rund 30.000 Arbeiter, zwei Drittel davon Frauen, und hält rund die Hälfte des ruandischen Teemarktes.
Angekündigte Matcha-Pläne bei Rwanda Mountain Tea
In einem Interview mit dem Magazin Business Focus sagte der Geschäftsführer von Rwanda Mountain Tea, Alain Kabeja, im Februar 2025, das Unternehmen entwickle über seine Fabriken hinweg Neuerungen, die über klassischen Schwarztee hinausgingen, darunter Spezialtees, Grüntee und Matcha-Tee. Nach dem Bericht handelt es sich dabei ausdrücklich um zukünftige Erweiterungspläne, nicht um bereits laufende Matcha-Produktion. Aktuell stellt das Unternehmen vor allem Schwarztee in verschiedenen Qualitätsstufen sowie einzelne aromatisierte Sorten wie Ingwer- oder Zitronengras-Tee her und arbeitet nach eigenen Angaben mit organischem Dünger. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu Rwanda Mountain Tea.
Zwei unterschiedliche Wege
Kenia und Ruanda gehen dabei sichtbar unterschiedliche Wege zum selben Ziel. In Kenia treibt mit der KTDA eine staatsnahe Genossenschaftsorganisation zusammen mit der japanischen Entwicklungsagentur JICA den Umbau voran, sichtbar an einer konkreten Fabrik und einem konkreten, wenn auch bislang erfolglosen Kontaktversuch nach Japan. In Ruanda ist es dagegen ein einzelnes privates Unternehmen, Rwanda Mountain Tea, das Matcha bislang nur als eine von mehreren angekündigten Erweiterungen seines Sortiments nennt, ohne dass bereits eine eigene Fabrik oder ein konkretes Produkt dafür feststeht. Beide Fälle zeigen aber denselben Grundzug: Der Umstieg von etabliertem Schwarztee auf Grüntee und Matcha ist ein langsamer, mehrjähriger Prozess, der in beiden Ländern noch am Anfang steht.
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Quellen
- World Tea News - African Tea Part 1: Kenya, an Origin & Driver ↗
- Business Today Kenya - KTDA Setting Up Africa's First Japanese Green Tea Production Factory ↗
- Business Focus Magazine - Rwanda Mountain Tea, Tea of the Mountains ↗
- Rwanda Mountain Tea - From Mountain to Cup ↗
- African Business - Kenya's tea exports soar amid renewed focus on value addition ↗
- Wikipedia - Tea production in Rwanda ↗
- KBC - Government, JICA back value addition as farmers urged to embrace specialty tea production ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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