Reiseziele
Warteschlange und Tradition: Nakamura Tokichi in Uji
Nakamura Tokichi Honten steht seit 1854 in Uji, südlich von Kyoto. Das Teehaus zählt zu den bekanntesten Adressen für Matcha in Japan und wird heute in siebter Generation von derselben Familie geführt. Wer das angeschlossene Café besuchen will, sollte vor allem eines mitbringen: Zeit.
Ein Teehaus mit langer Geschichte
Nakamura Tokichi Honten wurde 1854 gegründet. Die Familie handelt seither mit Uji-Tee, lässt Matcha auf traditionelle Weise vermahlen und führt das Geschäft heute in der siebten Generation weiter. Das Hauptgeschäft liegt auf einem Höhenzug namens Byobugaura, direkt am Fluss, in Laufnähe zum Bahnhof JR Uji. Von dort führt der Weg weiter zum Byodo-in, einem der bekanntesten Tempel der Region. Uji gilt seit Jahrhunderten als Zentrum des japanischen Matcha-Anbaus, und Nakamura Tokichi ist eines der Häuser, die diese Geschichte bis heute fortschreiben. Anders als viele Cafés, die erst in den vergangenen Jahren auf den Matcha-Trend aufgesprungen sind, hat der Betrieb nie pausiert. Verkauf, Vermahlung und Ausschank laufen im selben Haus, ohne Umweg über einen externen Zwischenhändler. Das unterscheidet das Geschäft von reinen Trend-Cafés in Europa oder den USA, die ihr Matchapulver zukaufen müssen und keine eigene Anbindung an die Erzeugerregion haben.
Uji als Ursprung des Matcha
Die Stadt Uji liegt eine halbe Stunde südlich von Kyoto und gilt in Japan als einer der Ursprungsorte des Grüntee-Anbaus. Die Region produziert seit Jahrhunderten Tee, der beschattet wächst und anschließend zu Matcha vermahlen wird. Neben Nakamura Tokichi sitzen mehrere weitere alteingesessene Teehäuser in der Stadt, viele davon ebenfalls seit Generationen in Familienhand. Für Reisende, die sich für die Herkunft von Matcha interessieren, ist Uji deshalb ein naheliegendes Ziel, unabhängig davon, in welchem Café sie am Ende landen. Die Nähe zu Kyoto macht einen Tagesausflug einfach: Der Zug braucht von Kyoto Station aus rund 15 bis 30 Minuten, je nach Linie. Viele Reisende verbinden den Besuch mit einem Spaziergang entlang des Flusses Uji-gawa, wo mehrere kleinere Teeläden und -plantagen zu sehen sind. Manche Felder liegen auf den Hügeln rund um die Stadt und sind vom Fluss aus als grüne Streifen erkennbar, auch wenn ein Zutritt zu den Plantagen selbst meist nicht möglich ist.
Kein Reservieren, nur ein Ticket
Das Café von Nakamura Tokichi nimmt keine Reservierungen an. Wer einen Platz will, zieht vor Ort eine Nummer und wartet, bis sie aufgerufen wird. An Wochenenden und in der Reisesaison füllt sich die Warteliste schnell, häufig schon vor der offiziellen Öffnung um 10 Uhr. Die Nummernvergabe läuft über ein Gerät am Eingang, das Personal gibt zusätzlich eine grobe Einschätzung zur Wartezeit. Wer keine Nummer mehr bekommt oder die Wartezeit scheut, kann im angeschlossenen Laden trotzdem Tee und Matchapulver kaufen, ohne im Café Platz zu nehmen. Dieses System unterscheidet das Haus von den meisten Cafés in Europa, wo eine kurze Nachricht oder eine App-Reservierung reicht. In Uji bleibt der Besuch an das persönliche Erscheinen gebunden.
Wartezeiten in der Praxis
Berichte von Besucherinnen und Besuchern zeigen eine große Spannbreite. Wer kurz vor der Öffnung um 10 Uhr da ist, kann mit einer niedrigen Wartenummer rechnen und sitzt teils schon nach wenigen Minuten. Kommt man später am Vormittag oder erst mittags, sind schnell 50 bis 70 Gruppen vor einem an der Reihe, was Wartezeiten von ein bis mehreren Stunden bedeuten kann. Ein Reisebericht nennt eine Wartezeit von über drei Stunden an einem Sonntagmittag. Selbst außerhalb der Hauptsaison berichten Gäste von rund zwei Stunden Wartezeit am späten Vormittag. Wer wenig Zeit hat, plant den Besuch am besten früh am Morgen ein oder nimmt die Wartezeit als Teil des Ausflugs nach Uji, etwa mit einem Abstecher zum Byodo-in oder an den Fluss, während die Nummer näher rückt.
Matcha-Jelly-Parfait und Soba
Auf der Karte stehen mehrere Matcha-Desserts, am bekanntesten ist ein Parfait mit Matcha-Jelly, das in Reiseberichten immer wieder als Grund für den Besuch genannt wird. Daneben gibt es herzhafte Gerichte wie Matcha-Soba, kalte Nudeln aus grünem Tee-Mehl, sowie weitere Süßspeisen rund um Matcha und Hojicha. Die Preise für Café-Gerichte liegen laut mehreren Reiseberichten meist zwischen umgerechnet fünf und zehn Euro. Beliebte Artikel wie loses Matchapulver sind an starken Tagen bereits am späten Vormittag ausverkauft, was einen frühen Besuch zusätzlich attraktiv macht. Wer sowohl im Café sitzen als auch etwas zum Mitnehmen kaufen möchte, plant beides getrennt ein und rechnet mit zwei Wartemomenten statt einem. Auch die Verpackung des Ladens ist Teil der Geschichte: Dosen und Tüten tragen das traditionelle Logo des Hauses und werden von vielen Reisenden als Mitbringsel gekauft, sofern die gewünschte Sorte an diesem Tag noch vorrätig ist.
Anreise und Lage
Das Hauptgeschäft liegt wenige Gehminuten vom Bahnhof JR Uji entfernt, auf dem Weg zwischen Bahnhof und Byodo-in-Tempel. Diese Route ist die meistbegangene Strecke der Stadt, weshalb sich ein Besuch bei Nakamura Tokichi gut mit weiteren Stationen verbinden lässt: dem Tempel selbst, dem Fluss Uji-gawa und kleineren Teegeschäften entlang der Straße. Von Kyoto aus fährt man mit der JR Nara Line oder der Keihan-Linie, je nach Startpunkt in der Stadt. Ein Tagesausflug von Kyoto oder Osaka aus lässt sich ohne Übernachtung planen, da die reine Fahrzeit gering ist. Wer den ganzen Tag in Uji verbringen will, findet neben Nakamura Tokichi weitere Teehäuser und einen kleinen Museumsbereich zur Geschichte des Tees in der Stadt. Für den Rückweg nach Kyoto oder Osaka lohnt sich ein Blick auf die Abfahrtszeiten, da die Linien am Abend seltener fahren als tagsüber.
Weitere Teehäuser in Uji als Alternative
Wer die Wartezeit bei Nakamura Tokichi nicht in Kauf nehmen will, findet in Uji mehrere weitere Adressen mit eigener Geschichte. Entlang der Haupteinkaufsstraße und in Bahnhofsnähe reihen sich Teegeschäfte, die ebenfalls Matcha, Sencha und Hojicha aus eigenem Anbau verkaufen, teils mit kleinerem Sitzbereich und kürzerer Warteschlange. Manche dieser Häuser sind seit dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert am selben Standort tätig, auch wenn sie international weniger bekannt sind als Nakamura Tokichi. Für einen ruhigeren Vormittag lohnt sich ein Rundgang durch mehrere dieser Geschäfte, bevor man sich für ein Café entscheidet. So lässt sich der Besuch in Uji auch dann sinnvoll füllen, wenn die Wartenummer bei der bekanntesten Adresse gerade nicht aufgerufen wird. Ein Vergleich mehrerer Häuser zeigt zudem, wie unterschiedlich Röstung und Mahlgrad von Ort zu Ort ausfallen.
Praktische Hinweise für den Besuch
Wer den Aufwand gering halten will, kommt am besten unter der Woche und außerhalb der Mittagszeit. Die Nummernziehung läuft ausschließlich vor Ort, eine Vorbestellung per Telefon oder online ist nicht vorgesehen. Bargeld und Karte werden akzeptiert, an der Kasse wird auch Englisch verstanden. Wer im Laden zusätzlich Matchapulver kaufen möchte, erledigt das am besten vor dem Café-Besuch, da beliebte Sorten früh ausverkauft sein können. Feste Öffnungszeiten und aktuelle Hinweise zu Schließtagen finden sich auf der offiziellen Seite des Hauses, ein Blick davor lohnt sich vor jeder Reiseplanung. Sitzplätze sind begrenzt, größere Gruppen sollten mit zusätzlicher Wartezeit rechnen, da Tische meist nur für zwei bis vier Personen ausgelegt sind. Für alle, die sich für die Herkunft von japanischem Matcha interessieren, bleibt Nakamura Tokichi einer der festen Anlaufpunkte in Uji, unabhängig von der Wartezeit am jeweiligen Tag.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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