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Grundlagen

Mie-Cha: die Teeregion zwischen Ise und dem Meer

Mie-Cha, auch Ise-Cha genannt, ist der Sammelname für den Tee aus der japanischen Präfektur Mie an der Pazifikküste südlich von Nagoya. Die Präfektur steht bei Anbaufläche und Rohteemenge landesweit auf Platz drei und ist bei einer bestimmten Teesorte sogar die klare Nummer eins in Japan. Wo genau angebaut wird, wie sich der Name Ise-Cha erklärt und was diese Region von Uji- oder Shizuoka-Tee unterscheidet, liest du hier.

Wo die Region liegt

Die Präfektur Mie liegt an der Pazifikküste der japanischen Hauptinsel Honshu, südlich von Nagoya, und war historisch Teil der Provinz Ise, daher der ältere Name Ise-Cha. Die Anbaugebiete teilen sich in zwei Zonen: eine nördliche rund um die Ausläufer der Suzuka-Berge mit den Städten Yokkaichi, Suzuka und Kameyama, und eine südliche in den Daiko-Bergen. Der Ortsteil Mizusawa in Yokkaichi gilt als eines der Kernanbaugebiete und wird in Fachkreisen häufig eigens genannt, wenn es um die Herkunft von hochwertigem Kabusecha geht. Zwischen den beiden Zonen liegen unterschiedliche Höhenlagen und Bodentypen, was innerhalb der Präfektur zu spürbaren Unterschieden im Charakter des jeweiligen Tees führt, auch wenn beide Zonen unter demselben Regionalnamen vermarktet werden. Die Nähe zur Pazifikküste sorgt außerdem für ein milderes Klima als in den Bergregionen weiter im Landesinneren, was der Präfektur längere Erntezeiträume ermöglicht als kühleren Anbaugebieten wie Sayama.

Geschichte des Teeanbaus in Mie

Der Teeanbau in der Region weitete sich vor allem während der Edo-Zeit aus, die Anbaufläche erreichte 1892 ihren historischen Höchststand. Die beiden Weltkriege unterbrachen den Anbau zeitweise, weil Arbeitskräfte fehlten und Flächen für den Anbau von Grundnahrungsmitteln gebraucht wurden. Nach 1945 baute die Region ihre Stellung als Rohstoff-Lieferant wieder auf und beliefert seither auch Betriebe, die unter den bekannteren Namen Shizuoka oder Uji verkaufen. 2007 erhielt Ise-Cha die Anerkennung als regionale Kollektivmarke, 2003 wurde dafür eine eigene Qualitätsrichtlinie, die Ise-Cha-Richtlinie, mit Regeln zu Herkunftsnachweis und Qualitätsstandards eingeführt. Diese Richtlinie war eine Reaktion darauf, dass ein großer Teil des Tees aus Mie über Jahrzehnte anonym als Rohstoff in Mischungen anderer Regionen verschwand, ohne dass die tatsächliche Herkunft für Käufer erkennbar war.

Anbaufläche und Menge im Vergleich

Mie steht bei Anbaufläche und Menge des Rohtees an dritter Stelle unter allen japanischen Präfekturen und lieferte nach Zahlen aus dem Jahr 2009 rund 8 Prozent der gesamten japanischen Rohteeproduktion. Noch deutlicher ist die Stellung bei einer speziellen Zutat: Bei verarbeitetem Tee, der etwa für Speiseeis und andere Lebensmittel als Zutat verwendet wird, hält Mie einen Marktanteil von 82 Prozent, hier ist die Präfektur die mit Abstand größte Quelle in Japan. Diese doppelte Rolle, einerseits große Anbaufläche für Trinktee, andererseits dominante Quelle für Verarbeitungstee, unterscheidet Mie von reinen Trinktee-Regionen wie Uji, wo der überwiegende Teil der Ernte direkt als Trinktee verkauft wird. Für die Lebensmittelindustrie ist diese Bündelung praktisch, weil sich große, gleichbleibende Mengen an Verarbeitungstee aus einer einzigen Region beziehen lassen, statt kleine Partien aus vielen verschiedenen Anbaugebieten zusammenstellen zu müssen.

Kabusecha: die Spezialität aus Mie

Die Region ist besonders für Kabusecha bekannt und produziert davon die größte Menge landesweit. Bei Kabusecha wird der Teestrauch für einige Tage bis wenige Wochen vor der Ernte abgedeckt, kürzer als beim stärker beschatteten Gyokuro, aber länger als beim unbeschatteten Sencha. Das Verfahren entstand als Annäherung an die Beschattung, die beim Tencha für die Matcha-Herstellung üblich ist, ohne den vollen Aufwand der Tencha-Produktion zu betreiben. Kabusecha zählt neben Gyokuro und Matcha zu den teureren japanischen Grüntees und hat einen kräftigen, gedeckten Geschmack, den man im Japanischen als ooika bezeichnet. In den südlichen Anbaugebieten der Präfektur wird daneben vor allem Fukamushi-Sencha hergestellt, ein tiefer gedämpfter Sencha mit einer intensiveren, weniger klaren Tassenfarbe als leicht gedämpfter Sencha. Beide Macharten zusammen zeigen, dass Mie nicht auf eine einzige Teekategorie festgelegt ist, sondern innerhalb der Präfektur unterschiedliche Schwerpunkte setzt.

Wie sich Mie-Cha von Uji- und Shizuoka-Tee unterscheidet

Während Uji für seine Beschattungstechnik und die lange Tradition der Matcha-Herstellung bekannt ist und Shizuoka die mit Abstand größte Anbaufläche Japans stellt, hat sich Mie als Zulieferregion positioniert: Ein großer Teil des in Mie angebauten Tees wird nicht unter dem Namen Mie oder Ise, sondern als Rohstoff für Mischungen verkauft, die unter anderen Regionsnamen vertrieben werden. Erst die Kollektivmarke Ise-Cha und Rückverfolgbarkeitssysteme sollen diese Herkunft heute sichtbarer machen, sodass Käufer erkennen können, wenn ein Tee tatsächlich aus Mie stammt, statt nur als anonyme Zutat in einer größeren Mischung aufzugehen. Für die einzelnen Anbaubetriebe bedeutet das zusätzlichen dokumentarischen Aufwand, im Gegenzug aber eine klarere Position gegenüber Abnehmern, die gezielt nach Ware aus einer bestimmten Region suchen.

Vergleich mit den anderen großen Anbaugebieten

Unter den drei größten japanischen Anbaugebieten nach Fläche, Shizuoka, Kagoshima und Mie, hat sich jede Region auf ein eigenes Profil verlegt: Shizuoka steht für die schiere Menge und breite Sortenvielfalt, Kagoshima für frühe Ernten dank des milden Klimas im Süden, und Mie für die Kombination aus Kabusecha-Spezialisierung und einer dominanten Stellung bei verarbeitetem Tee. Diese Arbeitsteilung erklärt, warum Mie trotz seiner Größe im Vergleich zu Uji oder Shizuoka als Markenname weniger bekannt ist, wirtschaftlich aber eine tragende Rolle in der japanischen Teeindustrie spielt.

Was die Region sonst noch bekannt macht

Neben Tee ist Mie auch für Matsuzaka-Rind, Ise-Langusten und Zuchtperlen bekannt, die Präfektur setzt insgesamt auf eine kleine Zahl regionaler Spezialitäten mit eigenem Gütezeichen. Der Tee steht dabei wirtschaftlich im Schatten dieser bekannteren Erzeugnisse, bleibt aber mit dem drittgrößten Anbaugebiet Japans eine tragende Säule der Landwirtschaft der Präfektur. Wer sich mit japanischem Tee beschäftigt, stößt deshalb häufiger auf Mie als Ursprungsangabe im Kleingedruckten als im Vordergrund einer Verpackung, weil die bekannteren Regionalnamen beim Verkauf oft mehr Gewicht bekommen.

Woran du Mie-Cha im Handel erkennst

Weil ein großer Teil des Tees aus Mie als Rohstoff in Mischungen anderer Regionen verschwindet, steht der Name Ise-Cha oder Mie-Cha seltener direkt auf der Verpackung, als es die Anbaufläche der Präfektur vermuten lässt. Sucht man gezielt nach Kabusecha aus Mie, lohnt ein Blick auf Herkunftsangaben in Fachgeschäften, die sich auf japanische Anbauregionen spezialisiert haben, oder auf die 2007 eingeführte Ise-Cha-Kollektivmarke, die auf manchen Verpackungen zusätzlich aufgedruckt ist.

Wann geerntet wird

Wie in den meisten japanischen Anbaugebieten liefert die erste Ernte im Frühjahr, auf Japanisch Ichibancha oder Shincha genannt, die als hochwertigste Pflückung des Jahres gilt, weil die Blätter nach dem Winter besonders zart sind. In Mie schließen sich je nach Wetterlage weitere Pflückungen im Frühsommer und Sommer an, wobei spätere Ernten häufiger für Fukamushi-Sencha und Verarbeitungstee verwendet werden, während die erste Pflückung eher in die höherpreisigen Kabusecha-Qualitäten geht.

Wie du diesen Tee zubereitest

Kabusecha aus Mie brühst du am besten mit Wasser um die 70 Grad auf, bei voller Kochtemperatur wird der Aufguss schnell bitter. Für zwei Gramm Blätter reichen etwa 150 Milliliter Wasser, die Ziehzeit liegt bei etwa einer Minute. Fukamushi-Sencha aus den südlichen Anbaugebieten zieht wegen der feiner gebrochenen Blätter schneller durch, hier reichen oft schon 30 bis 45 Sekunden, sonst wird die Tasse trüb und kräftiger als gewollt.

Für wen sich Mie-Cha lohnt

Wer gezielt nach Kabusecha sucht, findet in Mie eine der ergiebigsten Quellen Japans für diese Zwischenstufe zwischen Sencha und Gyokuro. Wer dagegen ohnehin zu Mischtees oder verarbeitetem Grüntee greift, etwa in Speiseeis oder Backwaren, hat gute Chancen, ohne es zu wissen, bereits Tee aus Mie konsumiert zu haben, weil die Region hier den mit Abstand größten Marktanteil hält. Zwischen einem hochwertigen Kabusecha zum bewussten Genießen und einer anonymen Verarbeitungszutat liegt damit eine erstaunliche Spannweite an Verwendungen für Tee aus derselben Präfektur.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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