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Grundlagen

Kikaicha oder Tezumi: wie japanischer Tee heute gepflückt wird

Kikaicha bezeichnet maschinell geerntetes Teeblatt, Tezumi das von Hand gepflückte Gegenstück. In Japan hat sich die Ernte in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt: von reiner Handarbeit über tragbare Zweimann-Maschinen bis zur Aufsitzmaschine, die eine Tonne Blatt am Tag schafft. Wo beide Methoden heute noch nebeneinander bestehen und warum, zeigt dieser Vergleich.

Zwei Wörter, zwei Erntewege

Kikaicha setzt sich aus den japanischen Wörtern für Maschine und Tee zusammen und bezeichnet maschinell geerntetes Blatt. Tezumi bedeutet wörtlich Handpflücke. Beide Begriffe beschreiben keinen eigenen Teetyp, sondern nur die Erntemethode, mit der das Blatt für Sencha, Gyokuro oder Tencha vom Strauch geholt wird. Welche der beiden Methoden zum Einsatz kommt, hängt vor allem von der Geländeform der Teegärten und vom Zielprodukt ab, nicht von einer grundsätzlichen Vorliebe eines Betriebs für die eine oder andere Technik.

Wie die Mechanisierung begann

Nach Angaben der Global Japanese Tea Association war Handpflücke in Japan über lange Zeit der Standard, verbunden mit hohem Zeitaufwand und geringem Ertrag pro Arbeitsstunde. Der erste Schritt zur Mechanisierung waren Schneidwerkzeuge in Scherenform, an denen ein Baumwollsack zum Auffangen des geschnittenen Blatts befestigt war. Diese frühe Zwischenstufe zwischen reiner Handarbeit und Maschine machte die Ernte schneller, ohne bereits ein motorisiertes Gerät zu benötigen, und war in vielen Betrieben über Jahrzehnte im Einsatz, bevor motorisierte Erntemaschinen verfügbar wurden.

Die tragbare Zweimann-Maschine: Ernte am Hang

Der nächste Schritt waren tragbare Erntemaschinen, die von zwei Personen gemeinsam über die Teereihen geführt werden, eine an jedem Ende der Maschine. Diese Maschinen werden bis heute vor allem in bergigen oder terrassierten Teegärten eingesetzt, wo größere Aufsitzmaschinen wegen der Hangneigung oder der schmalen Reihenabstände nicht fahren können. Für viele der kleineren, historisch gewachsenen Anbaugebiete Japans in Hügellagen, wie sie etwa in den Wissensartikeln zu Gifu-Cha oder Yame-Matcha beschrieben werden, ist diese Zweimann-Technik deshalb bis heute die praktikabelste Lösung, unabhängig davon, wie groß der jeweilige Betrieb ist.

Die Aufsitzmaschine: bis zu eine Tonne am Tag

Auf ebenen Flächen kommen dagegen von einer Person gefahrene Aufsitzmaschinen zum Einsatz, die nach Angaben der Global Japanese Tea Association bis zu eine Tonne Blattgut am Tag verarbeiten können. Diese Größenordnung erklärt, warum Regionen mit großen, ebenen Teefeldern wie Shizuoka oder Kagoshima maschinell deutlich mehr Blatt pro Arbeitskraft ernten können als kleine, terrassierte Gebiete. Der Unterschied liegt hier klar am Gelände, nicht an einer unterschiedlichen Sorgfalt der Betriebe: Wo eine Aufsitzmaschine fahren kann, wird sie in aller Regel auch eingesetzt, weil sich Handarbeit bei diesen Flächengrößen wirtschaftlich kaum noch abbilden lässt.

Warum Handpflücke bei Gyokuro erhalten bleibt

Bei Gyokuro zeigt sich der praktische Unterschied zwischen beiden Methoden besonders deutlich. Wird das Blatt maschinell geerntet, müssen Stiele und andere Pflanzenteile in einem zusätzlichen Arbeitsschritt aussortiert werden, weil die Maschine beim Schnitt nicht zwischen Blatt und Stiel unterscheiden kann. Von Hand gepflücktes Gyokuro existiert ebenfalls, es erzielt aber einen höheren Preis, weil dieser zusätzliche Sortierschritt entfällt und die Auswahl der Blätter direkt bei der Pflücke erfolgt. Das ist ein Unterschied im Arbeitsaufwand und im Preis, keine pauschale Aussage darüber, dass maschinell geerntetes Blatt grundsätzlich schlechter wäre, denn auch maschinell geerntetes Blatt lässt sich nach der Ernte sorgfältig nachsortieren.

Ein Schulprojekt als Kontrast: Teepflücke in Nishio

Wie klein Handpflücke im Vergleich zur maschinellen Ernte tatsächlich ausfällt, zeigt ein Beispiel aus der Tencha-Stadt Nishio in der Präfektur Aichi. Dort gibt es seit 85 Jahren ein Schulprogramm, bei dem Kinder der vierten bis sechsten Klasse Teeblätter von Hand pflücken. Ein Sechstklässler erntet dabei im Durchschnitt 4 bis 5 Kilogramm am Tag, in Einzelfällen bis zu 10 Kilogramm. Gemessen an der Tonne, die eine Aufsitzmaschine an einem einzigen Tag schafft, zeigt dieses Verhältnis sehr anschaulich, welchen Sprung die Mechanisierung für die Erntemenge bedeutet hat: Selbst die fleißigsten Kinder eines ganzen Jahrgangs würden zusammengenommen nicht an die Tagesleistung einer einzigen Aufsitzmaschine heranreichen.

Warum das Gelände am Ende die Wahl vorgibt

Zieht man die vorangegangenen Abschnitte zusammen, zeigt sich ein einfaches Muster: Nicht die Tradition eines Betriebs, sondern die Form des Teegartens entscheidet meist über die Erntemethode. Flache, große Felder werden mit Aufsitzmaschinen bearbeitet, terrassierte oder bergige Lagen mit tragbaren Zweimann-Maschinen, und nur bei bestimmten Premium-Sorten wie Gyokuro oder ausgewählten Spitzen-Tencha kommt aus wirtschaftlichen Gründen noch reine Handarbeit zum Einsatz. Alle drei Varianten bestehen in Japan nebeneinander, weil das Land selbst topografisch so unterschiedlich ist, von der Ebene bis zum steilen Hügelland.

Warum ausgerechnet in den Bergen die Mechanisierung am schwersten fällt

Nach Angaben von STiR Coffee and Tea liegen rund 40 Prozent aller japanischen Teeplantagen in bergigen Regionen, viele davon mit einer im Durchschnitt alternden Arbeitskraft. Genau in diesen Lagen ist die Zweimann-Erntemaschine oft die einzige realistische Alternative zur reinen Handpflücke, weil weder eine große Aufsitzmaschine noch genügend junge Arbeitskräfte für ausgedehnte Handpflücke zur Verfügung stehen. Diese Verbindung aus schwierigem Gelände und knapper werdender Arbeitskraft erklärt, warum gerade kleinere, historisch gewachsene Anbaugebiete unter besonderem Druck stehen, ihre Erntetechnik an die vorhandenen Möglichkeiten anzupassen, statt frei zwischen allen drei Methoden wählen zu können.

Ein Blick über Japan hinaus

Das Muster aus Handarbeit in schwierigem Gelände und Maschineneinsatz auf ebenen Flächen zeigt sich nicht nur in Japan. Auch die terrassierten Plantagen im südkoreanischen Boseong oder die Hügelgärten im japanischen Yame verdanken ihre Bauform derselben Grundregel: Wo der Hang zu steil für Maschinen ist, bleibt Handarbeit oder allenfalls eine kleine, tragbare Technik die einzige Option, unabhängig vom Land oder von der jeweiligen Teesorte. Kikaicha und Tezumi sind insofern keine rein japanische Besonderheit, sondern zwei Antworten auf eine Frage, die sich überall dort stellt, wo Tee in bergigem Gelände wächst.

Was das für die Dose bedeutet

Für die Kaufentscheidung ist die Erntemethode ein Baustein unter mehreren, kein alleiniges Gütesiegel. Handpflücke liefert saubereres Rohmaterial ohne zusätzlichen Sortierschritt, maschinelle Ernte macht große Mengen erst wirtschaftlich möglich, und in terrassierten oder bergigen Lagen bleibt sie ohnehin die einzig praktikable Option. Der MATCHASHOCK Bio-Matcha wird aus erster Ernte, von Hand gepflückt und steingemahlen hergestellt, mit Bio-Zertifizierung und Laborprüfung auf Pestizide, Schwermetalle und Radionuklide.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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