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Grundlagen

Jeju-Do: Die Vulkaninsel und Koreas Matcha-Ambition

Jeju-Do, Südkoreas größte Insel, produziert nicht nur allgemeinen Grüntee, sondern auch gezielt Matcha, also fein gemahlenes Pulver aus beschatteten Teeblättern. Der bekannteste Hersteller, O'Sulloc, betreibt mehrere Plantagen auf der Insel und verkauft ein 'Volcanic Isle Matcha' genanntes Produkt in zertifizierter Qualität, daneben produziert die Genossenschaft Sumang eigenes Matcha und Hojicha. Anders als in Japan setzt Jeju bei der Beschattung stark auf natürlichen Nebel statt auf künstliche Netze.

Die Vulkaninsel Jeju

Jeju-Do liegt südlich der koreanischen Halbinsel im Ostchinesischen Meer und ist vulkanischen Ursprungs. Die Insel gilt als subtropisch, mit milden Wintern und feuchten Sommern, und wird häufig mit vulkanischen Mineralböden und Meeresnähe als Standortvorteil beschrieben. Neben Boseong und der Region rund um den Berg Jiri auf dem Festland zählt Jeju zu den vier wichtigsten Teeanbaugebieten Südkoreas, wobei die Insel und die südkoreanische Provinz Jeonnam besonders für ihre Matcha-Mengen bekannt sind. Jeju gilt zudem als eine der am schnellsten wachsenden Regionen des koreanischen Teeexports.

Eine Insel mit dreifachem UNESCO-Status

Jeju liegt rund 130 Kilometer südlich der koreanischen Halbinsel, ist mit etwa 1.846 Quadratkilometern die größte Insel und zugleich kleinste Provinz Südkoreas und zu über 90 Prozent von vulkanischem Basaltgestein bedeckt. Die Insel trägt seit 2007 den Titel Jeju Volcanic Island and Lava Tubes als UNESCO-Weltnaturerbe, zusammen mit dem seit 2010 verliehenen Titel als UNESCO Global Geopark und dem Status als Biosphärenreservat, was Jeju nach Angaben der UNESCO-Vertretung zur einzigen Region weltweit mit dieser Kombination aller drei Auszeichnungen macht. Diese vulkanische Grundlage aus Basaltböden und zahlreichen kleinen Vulkankegeln prägt nach Angaben der Teehersteller auch die Mineralstoffzusammensetzung der Teeböden auf der Insel.

O'Sulloc: von brachliegendem Land zur Teemarke

Der heute bekannteste Teebetrieb auf Jeju ist O'Sulloc, gegründet 1979 von Suh Sung-hwan mit dem Ziel, koreanische Teetradition wiederzubeleben und zuvor unbewirtschaftetes, unbesiedeltes Land auf der Insel neu zu nutzen. O'Sulloc bewirtschaftet vier Plantagen, drei davon auf Jeju und eine auf dem koreanischen Festland, und deckt nach eigenen Angaben den gesamten Prozess vom Anbau bis zur Auslieferung selbst ab. Das Unternehmen gehört zum Kosmetikkonzern Amorepacific und vermarktet seinen Tee stark über das vulkanische Terroir der Insel, mit Verweisen auf Mineralstoffe, Meeresluft und die Wasserqualität Jejus. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu O'Sulloc oder Amorepacific.

Jeju im Vergleich mit Boseong

Neben Jeju gilt Boseong in der südkoreanischen Provinz Jeollanam-do als die andere große koreanische Teeregion. Boseong blickt auf eine deutlich längere durchgehende Tee-Geschichte zurück, die bis in die Silla-Zeit reicht, wurde aber vor allem durch eine während der japanischen Kolonialzeit in den 1930er-Jahren angelegte Plantage bekannt, die nach Zerstörung im Koreakrieg 1957 wiederaufgebaut wurde und heute mit ihren geschwungenen Terrassenreihen als Wahrzeichen des koreanischen Teeanbaus gilt. Boseong steht nach Angaben von Reiseportalen für rund 40 Prozent der koreanischen Grünteeproduktion. Während Boseong vor allem für sein touristisches Terrassenbild und klassischen Blatt-Grüntee bekannt ist, hat sich Jeju stärker auf die Kombination aus vulkanischem Terroir und gezielter Matcha-Herstellung spezialisiert; beide Regionen ergänzen sich damit eher, als dass die eine die andere ersetzen würde.

Beschattung mit Nebel statt Netz

Der wichtigste Unterschied zwischen japanischem und koreanischem Matcha liegt in der Beschattung. In Japan werden Teefelder für den sogenannten Tencha, die Vorstufe von Matcha, üblicherweise 20 bis 28 Tage lang mit künstlichen Netzen oder Strohdächern abgedeckt, ein Verfahren, das in Japan Oishita genannt wird. Auf Jeju verlassen sich Anbauer dagegen stärker auf Berghänge, Nebel und Dunst, die den Pflanzen gefiltertes statt vollständig blockiertes Licht geben. Nach Angaben von Berichten zu O'Sulloc dauert die Beschattung auf Jeju rund zehn Tage, verglichen mit rund vierzehn Tagen bei den meisten Tencha-Feldern in Japan. Das Ergebnis ist ein hellerer, blumigerer Charakter mit weniger Chlorophyll und Theanin als beim vollständig beschatteten japanischen Tencha, den koreanische Hersteller als eigenständigen Stil vermarkten, nicht als Kopie des japanischen Vorbilds. Innerhalb Jejus gibt es dabei durchaus Unterschiede: Manche Betriebe setzen ausschließlich auf natürlichen Nebel, andere kombinieren ihn zusätzlich mit künstlichen Beschattungsnetzen.

Sumang: eine zweite Erzeugergemeinschaft

Neben O'Sulloc produziert auf Jeju auch die Genossenschaft Sumang, 2007 gegründet, gezielt Matcha und Hojicha. Nach eigenen Angaben des Unternehmens betreibt Sumang eine spezialisierte Tencha-Produktionslinie und baut den Tee in Böden an, die reich an einem mineralischen Gestein namens Maekbanseok sind, in Küstennähe und bei mildem, nebelreichem Klima. Das Unternehmen hat zuletzt ein feineres Klassifizierungssystem mit den Stufen Ceremonial, Premium und Superior für sein Matcha eingeführt und meldet in eigenen Pressemitteilungen steigende Exporte von Matcha und Hojicha ins Ausland. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu Sumang.

Darye: die koreanische Teezeremonie

Der Hintergrund, vor dem sich Jejus Matcha-Produktion entwickelt, ist eine eigenständige koreanische Teekultur, die sich deutlich von der japanischen unterscheidet. Die koreanische Teezeremonie Darye, wörtlich 'Etikette für Tee', wird seit über tausend Jahren gepflegt und geht auf buddhistische Mönche zurück, die den Tee als Hilfsmittel zur Meditation aus China mitbrachten. Anders als die stark ritualisierte japanische Teezeremonie Chanoyu gilt Darye als informeller und stärker auf den gemeinsamen Genuss unter Familie und Freunden ausgerichtet. Nach einem Niedergang der Tradition wurde sie in den 1950er-Jahren von dem Mönch Choi Beom-sul neu belebt. Im Zentrum von Darye steht meist Nokcha, klassischer koreanischer Grüntee, während Matcha als gemahlenes Pulver eine neuere Ergänzung des koreanischen Teeangebots ist.

Ernte und Verarbeitung

Auf Jeju werden die Teeblätter für Matcha nach Berichten zu O'Sulloc nur einmal jährlich maschinell geerntet, sodass auch einfachere Küchenqualitäten aus der ersten Pflückung stammen, wobei für niedrigere Qualitätsstufen tiefer geschnitten wird als für hochwertigere Chargen. Nach der Ernte folgt wie in Japan das Dämpfen der Blätter, um die Oxidation zu stoppen, danach das Trocknen zu Tencha und schließlich das Mahlen zu feinem Pulver, meist auf Steinmühlen.

Größenordnung im globalen Vergleich

Zeremonielles Matcha, also beschatteter, gedämpfter, entrippter und steingemahlener Tee nach traditioneller Definition, wird nach Brancheneinschätzungen weiterhin zu weit über 90 Prozent in Japan hergestellt. Jejus Matcha-Produktion, einschließlich der von O'Sulloc und Sumang, bleibt damit eine kleinere, eigenständige regionale Spielart und keine unmittelbare Konkurrenz zur traditionellen japanischen Tencha-Produktion in der Menge, wohl aber ein wachsender Markt mit eigenem Profil innerhalb Asiens.

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