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Grundlagen

Hawaii: Der US-Bundesstaat mit eigenem Tencha-Versuch

Auf Hawaii wird seit Jahrzehnten in kleinem Umfang Tee angebaut, vor allem auf der Insel Hawaii, der sogenannten Big Island. Ein Betrieb dort, Tea Hawaii & Company im Ort Volcano, hat sich zuletzt gezielt an die Herstellung von Tencha, der Vorstufe von Matcha, herangewagt und dafür eigene Mahl- und Verarbeitungstechnik angeschafft. Eine großflächige, mit Japan vergleichbare Tencha-Produktion existiert auf Hawaii aber weiterhin nicht, der Bundesstaat bleibt ein kleiner, experimenteller Standort.

Teeanbau auf der Big Island

Der Teeanbau in Hawaii konzentriert sich vor allem auf die Insel Hawaii, umgangssprachlich Big Island genannt, mit einzelnen weiteren Betrieben etwa auf Kauai. Die Universität von Hawaii unterstützt über ihre landwirtschaftliche Fakultät CTAHR gemeinsam mit dem US-Landwirtschaftsministerium seit rund zwanzig Jahren Studien zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Tee als Anbaupflanze für den Bundesstaat, mit Forschung unter anderem zu geeigneten Sorten, Schädlingen und Krankheiten. Hawaii bietet mit seiner ganzjährigen Wachstumssaison von 52 Wochen im Jahr grundsätzlich günstige Bedingungen für den Anbau der Teepflanze Camellia sinensis, auch wenn Schädlingsdruck, die Abgeschiedenheit der Inseln und die Kosten kleiner Betriebe eine Herausforderung bleiben, zumal der Bundesstaat einen Großteil seiner Lebensmittel ohnehin importieren muss. In einem eigenen Leitfaden zu Insekten- und Milbenschädlingen an Teepflanzen nennt CTAHR unter anderem den mexikanischen Blattroller, die rote und schwarze Flachmilbe, die Breitmilbe sowie verschiedene Schildlausarten als die für hawaiianische Teegärten relevanten Schädlinge, während der in klassischen asiatischen und afrikanischen Anbaugebieten gefürchtete Teemückenwanze in den hawaiianischen CTAHR-Unterlagen nicht als eigenständiges Thema geführt wird.

Tea Hawaii & Company in Volcano

Der bekannteste Tee-Betrieb auf der Big Island ist Tea Hawaii & Company, gegründet vom Ehepaar Chiu Leong und Eva Lee, die seit den 1970er-Jahren auf Hawaii leben. Beide kamen ursprünglich aus dem künstlerischen Bereich, Eva Lee als Tänzerin und Videokünstlerin aus Connecticut, Chiu Leong als Töpfer und Fotograf aus Hollywood, und ließen sich in der Künstlergemeinde Volcano nieder. Ihr rund zwei Hektar großes Grundstück liegt etwa 5,5 Kilometer vom Vulkan Kilauea entfernt in vulkanreichem Boden und ist in den umgebenden Regenwald eingebettet statt auf gerodeter Fläche angelegt; invasive Ingwerpflanzen wurden entfernt, während einheimische Bäume wie Ohia-Lehua und Koa sowie Baumfarne erhalten blieben. Das Ehepaar baut dort seit rund 25 Jahren japanische Teesorten wie Yabukita und Yamatomidori an. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu Tea Hawaii & Company.

Weitere Betriebe auf der Big Island

Neben Tea Hawaii & Company gibt es auf der Big Island weitere kleine, spezialisierte Anbauer. Die Onomea Tea Company am Hamakua-Küstenabschnitt begann 2002 mit rund 40 Teesetzlingen und bewirtschaftet heute nach eigenen Angaben mehr als 4.500 Pflanzen auf etwa 1,5 Hektar zertifiziert biologischer Fläche, betrieben mit Solarstrom. Die Betreiber verarbeiten ihren Tee zu grünem, Oolong- und Schwarztee und bieten Hoftouren mit Verkostung an, ähnlich wie Tea Hawaii & Company. Diese kleinteilige, stark auf Agrotourismus setzende Struktur ist nach Berichten von Fachmagazinen typisch für die gesamte hawaiianische Teeszene, die überwiegend aus einzelnen Familienbetrieben statt aus großen, zusammenhängenden Plantagen besteht. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zur Onomea Tea Company.

Der Schritt in Richtung Tencha

Nach Berichten des Fachmagazins Tea Journey konzentrieren sich die meisten Hawaii-Anbauer bislang auf hochwertigen losen Blatttee in Weiß-, Grün-, Oolong- und Schwarztee-Varianten. Tea Hawaii & Company hat aber inzwischen eine Kugelmühle zur Herstellung von Teepulver sowie eine Mehrfach-Abfüllanlage angeschafft und plant nach denselben Berichten zusätzlich den Kauf eines Dampfgeräts speziell für Tencha, das laut dem Bericht als Vorstufe von Matcha beschrieben wird, sowie ein neues Gebäude für die Weiterverarbeitung. Ziel ist eine zentrale Verarbeitungsstätte, die auch anderen Teebauern der Insel offensteht und die bislang stark zersplitterte, unabhängig arbeitende Anbauerlandschaft Hawaiis stärker bündeln soll.

Warum es bislang bei einem Versuch bleibt

Die weltweit gestiegene Matcha-Nachfrage hat nach Berichten des Fachmagazins auch die Lieferzeiten für spezielles Dampf-Equipment auf zwölf bis achtzehn Monate verlängert, was den Aufbau einer eigenen Tencha-Linie auf Hawaii zusätzlich verzögert. Auf der Nachbarinsel Kauai betreibt zudem ein anderes Paar, Govinda Rubin und Sayuri Handa, eine Steinmühle mit zwei jeweils rund 27 Kilogramm schweren Mahlsteinen, mit der es unter dem Namen Aloha Matcha Pulver mahlt, allerdings ausdrücklich aus importiertem japanischem Tencha aus der Teeregion Wazuka bei Kyoto, nicht aus selbst angebautem hawaiianischem Blattgut. Dieser Betrieb zeigt damit eine andere, rein auf Vermahlung ausgerichtete Variante, während Tea Hawaii & Company als einer der wenigen Betriebe den Anbau und die spätere Tencha-Verarbeitung gemeinsam vor Ort anstrebt.

Einordnung in den globalen Markt

Nach Brancheneinschätzungen wird zeremonielles Matcha, also beschatteter, gedämpfter, entrippter und steingemahlener Tee, weiterhin zu weit über 90 Prozent in Japan hergestellt. Die USA insgesamt, einschließlich Hawaii sowie kleinerer Anbauversuche in Alabama und Mississippi, gelten laut der Global Japanese Tea Association als kleine oder experimentelle Standorte. Hawaii nimmt darin mit seinem tropischen Klima und der langen Anbauerfahrung einzelner Familienbetriebe eine Sonderstellung ein, bleibt aber in der Menge weit hinter Japan zurück und deutlich kleiner als etwa die neueren Projekte im US-Bundesstaat Washington, die allerdings ein eigenes Thema sind und keine hawaiianischen Betriebe.

Auszeichnungen und Sichtbarkeit

Eva Lee organisierte 2015 im Volcano Art Center die ersten landesweiten Tea-of-the-United-States-Awards, an denen 79 Proben aus 10 Bundesstaaten und 30 Teegärten teilnahmen und die von sechs internationalen Fachleuten bewertet wurden. Vier Betriebe aus Hawaii erhielten dabei Spitzenplatzierungen, darunter auch Chiu Leong. Das zeigt, dass Hawaii innerhalb der noch jungen amerikanischen Teeszene bereits eine gewisse Sichtbarkeit erreicht hat, auch wenn die Mengen im internationalen Vergleich klein bleiben und der Anbau überwiegend Sache einzelner, langjährig erfahrener Familienbetriebe ist. Die Auszeichnung war zugleich der erste landesweite Wettbewerb ausschließlich für in den USA angebauten Tee und ordnete Hawaii damit als einen von mehreren amerikanischen Standorten neben kleineren Anbauversuchen etwa in Alabama und Mississippi ein, ohne dass ein einzelner US-Bundesstaat bislang eine mit Japan vergleichbare Anbaufläche erreicht hätte.

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