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Grundlagen

Guizhou: Chinas Hochland-Teeregion im Matcha-Anbau

Guizhou im Südwesten Chinas ist inzwischen eine der größten Matcha-Produktionsregionen der Welt, nicht nur ein allgemeines Grünteegebiet. In der Stadt Tongren, am Fuß des Berges Fanjing, steht nach mehreren übereinstimmenden Berichten die größte Matcha-Fabrik an einem einzigen Standort weltweit, mit einer Jahreskapazität von über 4.000 Tonnen. Von dort aus wird inzwischen sogar direkt nach Japan exportiert, dem Land, das Matcha ursprünglich bekannt gemacht hat.

Lage und Landschaft

Guizhou liegt im bergigen Südwesten Chinas und gilt als eines der wichtigsten Hochland-Teegebiete des Landes. Zentrum der Matcha-Produktion ist der Landkreis Jiangkou in der Stadt Tongren, am Fuß des Berges Fanjing. Die Höhenlage und das feuchte, wechselhafte Klima der Region werden in Berichten zur Region als vorteilhaft für den Teeanbau beschrieben, ähnlich wie in anderen chinesischen Hochlandregionen mit ausgeprägten Nebeltagen und deutlichen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Der Berg Fanjing selbst, mit 2.570 Metern die höchste Erhebung des Wuling-Gebirges, ist bereits seit 1986 UNESCO-Biosphärenreservat und wurde 2018 zusätzlich als Weltnaturerbe ausgezeichnet, wegen seiner isolierten Lage und einer hohen Zahl endemischer Pflanzen- und Tierarten. Die zahlreichen Flüsse und Bäche, die vom Berg herabfließen, versorgen auch die umliegenden Teegärten in Jiangkou mit Wasser.

Eine Rückkehr nach China

Gemahlener, aufgeschlagener Tee ist ursprünglich eine chinesische Erfindung. Bereits in der Tang-Dynastie wurde Tee zu Ziegeln gepresst, ein Stück davon abgebrochen, gemahlen und mit heißem Wasser aufgegossen. In der Song-Dynastie, von 960 bis 1279, verfeinerten chinesische Gelehrte und buddhistische Mönche dieses Verfahren zu fein steingemahlenem, aufgeschlagenem Pulvertee. Der japanische Zen-Mönch Eisai brachte diese Technik 1191 nach Japan, wo sie sich zur heutigen Matcha-Tradition weiterentwickelte. In China selbst verschwand der Pulvertee dagegen fast vollständig, nachdem der erste Ming-Kaiser 1391 die aufwendige Herstellung von gepresstem Tribut-Tee per Erlass verbot, um die Arbeitslast der Bauern zu senken; an seine Stelle trat der bis heute in China vorherrschende lose Blatttee. Die heutige Matcha-Produktion in Guizhou wird von mehreren Fachmedien deshalb auch als Rückkehr einer Jahrhunderte zuvor in China selbst verlorenen Technik beschrieben.

Vom Testanbau zur Matcha-Supermanufaktur

Guizhou begann 2015 damit, die Tragfähigkeit einer eigenen Matcha-Industrie zu prüfen. Bereits 2018 entstand am Fuß des Fanjing-Bergs die nach mehreren Berichten weltweit größte Matcha-Fabrik an einem einzigen Standort. Ende des 20. Jahrhunderts hatten aus Japan zurückgekehrte chinesische Fachleute die Matcha-Herstellungstechnik in China wieder eingeführt, nachdem das Verfahren dort lange Zeit kaum noch praktiziert worden war. Das führende Unternehmen der Region, die Gui Tea Group, hat später zusätzlich japanische Fachleute eingeladen, um moderne Produktionstechniken zu vermitteln, und inzwischen eine durchgehende Massenproduktion aufgebaut. Wir stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zur Gui Tea Group.

Kapazität und Wachstum

Die Fabrik in Jiangkou kann nach eigenen Angaben bis zu 10 Tonnen Matcha pro Tag herstellen, was einer Jahreskapazität von mehr als 4.000 Tonnen entspricht. Nach Berichten der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua ist der Umfang der Matcha-Industrie in der Stadt Tongren innerhalb von drei Jahren um das Fünfzehnfache gewachsen, unter anderem befeuert durch Großabnehmer aus der Bubble-Tea-Branche. Die Gui Tea Group betreibt inzwischen vier Verarbeitungsfabriken in Jiangkou, Fenggang, Ji'uan und Leishan sowie eine zusätzliche Raffinerie, mit einer Gesamtfläche von über 300.000 Quadratmetern, was das Unternehmen zu einem der größten seiner Art in China macht.

Export nach Japan

Anfang 2025 gelang Tongrens Matcha-Industrie ein Exportdurchbruch: Nach Berichten chinesischer Staatsmedien wurden zunächst vier Tonnen Matcha nach Japan verschifft, im weiteren Jahresverlauf kamen zwei weitere Lieferungen hinzu, sodass insgesamt 16 Tonnen nach Japan gingen, ein bemerkenswerter Schritt, da Japan traditionell selbst der wichtigste Matcha-Produzent der Welt ist. Die jährlichen Exportmengen aus Tongren sind zuletzt insgesamt deutlich gestiegen: Für 2024 werden 180 Tonnen genannt, für die erste Jahreshälfte des Folgejahres bereits 230 Tonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Qualitätsstandards

Produzenten in Guizhou geben an, ihr für den EU-Markt bestimmtes Matcha auf eine durchschnittliche Mahlfeinheit von 1.000 Mesh zu bringen, in Einzelfällen auf bis zu 1.300 Mesh, ein Feinheitsgrad, der die Konsistenz des Pulvers beim Aufschlagen mit Wasser beeinflusst. Untersuchungen des chinesischen Landwirtschaftsministeriums fanden laut Presseberichten einen Polyphenolgehalt von 16,7 bis 31,5 Prozent und einen Aminosäuregehalt von 3,1 bis 10,6 Prozent im Tee aus Tongren, Werte, die von den Herstellern als Beleg für die eigene Qualitätskontrolle angeführt werden.

Wirkung auf Dörfer und Einkommen

Nach Berichten chinesischer Medien hat der Matcha-Boom in Tongren auch das Einkommen vieler Kleinbauern in der Region spürbar verändert. Im Dorf Luoxiang, wo das Pro-Kopf-Jahreseinkommen früher unter 2.000 Yuan lag, arbeiten inzwischen 96 Haushalte im Tee-Anbau, der größte einzelne Haushalt bewirtschaftet rund 7,2 Hektar, und das höchste gemeldete Haushaltseinkommen liegt bei umgerechnet über 400.000 Yuan im Jahr, auch weil frische Matcha-Blätter Berichten zufolge das Zwei- bis Dreifache des Preises gewöhnlicher frischer Teeblätter erzielen. Landesweit sollen nach Angaben von Xinhua und People's Daily durch das Zusammenspiel aus Kleinbauern, Verarbeitungsbetrieben und der Gui Tea Group die Einkommen von knapp 100.000 Teebauern in der Region gestiegen sein. Berichten des chinesischen Auslandssenders CGTN zufolge setzen inzwischen auch junge Erwachsene aus der Region auf Livestreaming-Verkäufe über soziale Plattformen, um Matcha und daraus hergestellte Produkte direkt an Kundinnen und Kunden in anderen Landesteilen zu verkaufen, statt ausschließlich über den klassischen Zwischenhandel zu gehen.

Stellung im chinesischen und globalen Markt

Nach Angaben unabhängiger Wirtschaftsmedien liegt Guizhou heute an erster Stelle innerhalb Chinas sowohl bei der Matcha-Produktion als auch beim -absatz und weltweit auf Platz zwei beim Exportvolumen. Berichten zufolge produzierte China 2025 landesweit über 12.000 Tonnen Matcha, davon soll Guizhou rund ein Fünftel gestellt haben. Bis 2026 hatte die Gui Tea Group nach eigenen Angaben mehr als 30 Matcha-basierte Produkte entwickelt, die in über 30 chinesischen Städten verkauft und in mehr als 50 Länder und Regionen exportiert wurden. Zum Vergleich: Japans Exporte von grünem Tee einschließlich Matcha erreichten laut dortigem Landwirtschaftsministerium 2024 rund 240 Millionen US-Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was insgesamt für eine steigende weltweite Nachfrage nach Matcha spricht, von der sowohl Japan als auch China profitieren.

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