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Geschichte

Tatami im Teeraum – warum die Anzahl der Matten zählt

Ein klassischer japanischer Teeraum, Chashitsu genannt, wird nicht in Quadratmetern, sondern in Tatami-Matten gemessen. Als ideale Größe gilt bis heute ein Raum von viereinhalb Matten, umgangssprachlich Yojōhan genannt, was ungefähr 7,4 Quadratmetern entspricht und für gewöhnliche europäische Maßstäbe erstaunlich klein ausfällt. Diese Maßeinheit ist keine bloße Formalie, sondern bestimmt bis heute, wie ein Teeraum überhaupt geplant und gebaut wird.

Was eine Tatami-Matte ist

Eine Tatami-Matte besteht aus einem fest gepressten Kern aus Reisstroh, der mit einer Deckschicht aus geflochtenem Binsengras überzogen ist; moderne Matten verwenden dafür teils auch Pressholz oder Polystyrolschaum als Kernmaterial. Die Größe einer Matte ist nicht überall in Japan gleich: In der Region Kyoto (Kyōma) misst eine Matte etwa 191 mal 95,5 Zentimeter, in Nagoya (Chūkyōma) etwa 182 mal 91 Zentimeter und in der Region Tokio (Edoma) etwa 176 mal 88 Zentimeter. Grundsätzlich ist jede Matte doppelt so lang wie breit, unabhängig von der jeweiligen regionalen Ausgangsgröße, was das Umrechnen zwischen den Systemen erleichtert.

Herkunft und Geschichte

Tatami-Matten entstanden während der Heian-Zeit zunächst als kostbare Ausstattung des Adels, die einzeln und gezielt platziert wurde, nicht flächendeckend wie später. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurden sie zu einem verbreiteten Bodenbelag in japanischen Wohnräumen und deckten dann meist den gesamten Boden eines Zimmers ab, statt nur einzelne Sitzflächen zu markieren. Die Angabe von Räumen nach Mattenzahl statt nach Fläche hat sich seither als eigenes Maßsystem gehalten und wird bis heute verwendet, auch in modernen Wohnungsanzeigen, die traditionelle Zimmer ausweisen.

Warum viereinhalb Matten als ideal gelten

Für einen eigens gebauten Teeraum gilt ein quadratischer Grundriss mit viereinhalb Tatami-Matten seit langem als Idealmaß, das groß genug für Gastgeber und mehrere Gäste ist, aber klein genug bleibt, um Nähe und Aufmerksamkeit zu erzwingen. In einem solchen Raum werden die Matten in einem kreisförmigen Muster um eine zentrale Matte herum angeordnet. Kleinere Teeräume mit weniger Matten werden als Koma bezeichnet, größere als Hiroma; das kleinste bekannte Teehaus kommt mit nur drei Tatami-Matten Gesamtfläche aus, was die räumliche Nähe zwischen Gastgeber und Gast noch einmal deutlich erhöht. In einem so kleinen Raum lässt sich jede Handbewegung des Gastgebers aus nächster Nähe verfolgen, was die Ansprüche an einen sauber eingeübten Ablauf zusätzlich steigert.

Die Sondermatte für die Feuerstelle

Für die kalte Jahreszeit wird in vielen Teeräumen eine versenkte Feuerstelle namens Ro genutzt, über der der Wasserkessel während der Zeremonie hängt oder steht. Damit der Kessel darüber Platz findet, kommt an dieser Stelle eine besondere Tatami-Matte mit einem passgenauen rechteckigen Ausschnitt zum Einsatz, statt die Feuerstelle offen im Raum stehen zu lassen. Außerhalb der kalten Monate wird stattdessen ein tragbarer Kohleofen, der Furo, verwendet, für den kein Ausschnitt in der Matte nötig ist und der je nach Jahreszeit an einem anderen, festgelegten Platz im Raum aufgestellt steht.

Woran man die Anordnung erkennt

In traditionellen Räumen wird beim Verlegen zusätzlich darauf geachtet, dass an keiner Stelle vier Matten in einer Kreuzform aufeinandertreffen; stattdessen sollen die Fugen ein T bilden, wie es auch außerhalb von Teeräumen in traditionellen japanischen Wohnhäusern üblich ist. Diese Anordnung gilt als gutes Omen und ist bis heute ein Erkennungsmerkmal traditionell verlegter Räume. Wer einen echten Chashitsu besucht, kann allein an der Anordnung der Fugen erkennen, ob der Raum nach den überlieferten Regeln gebaut wurde, noch bevor er auf die übrige Ausstattung achtet.

Der Teeraum im Vergleich zum gewöhnlichen Zimmer

Ein gewöhnliches japanisches Wohnzimmer wird häufig mit sechs Jō, also sechs Tatami-Matten und rund 10 Quadratmetern, als Standardgröße angegeben. Der Teeraum mit seinen viereinhalb Matten und knapp 7,4 Quadratmetern liegt damit deutlich unter diesem allgemeinen Wohnstandard und zählt selbst nach japanischen Maßstäben als kleiner Raum. Dieser bewusste Größenunterschied unterstreicht, dass der Chashitsu nicht als gewöhnlicher Wohnraum gedacht war, sondern als eigens verkleinerter, auf einen einzigen Zweck ausgerichteter Sonderraum, dessen Maße nicht durch Wohnkomfort, sondern durch die Anforderungen der Zeremonie bestimmt wurden.

Tatami außerhalb des Teeraums

Die Messung nach Mattenzahl ist keine Besonderheit der Teezeremonie, sondern ein allgemeines japanisches Maßsystem, das für Wohnräume jeder Art verwendet wird, vom kleinen Studentenzimmer bis zum großen Empfangssaal. Der Teeraum unterscheidet sich davon vor allem durch die besonders kleine, genau festgelegte Idealgröße von viereinhalb Matten sowie durch die kreisförmige Anordnung um eine zentrale Matte, die außerhalb der Teezeremonie unüblich ist. In gewöhnlichen Wohnräumen richten sich Größe und Anordnung der Matten in erster Linie nach der Raumform und dem verfügbaren Platz, nicht nach einem übergeordneten gestalterischen Prinzip. Dieser Unterschied zeigt, wie ein an sich alltägliches Baumaterial durch feste Regeln zu einem eigenständigen Ausdrucksmittel der Teekultur werden konnte.

Pflege und Lebensdauer einer Tatami-Matte

Die Binsenoberfläche einer Tatami-Matte verändert sich mit der Zeit: Frisch verlegte Matten zeigen einen hellen, grünlichen Ton und einen charakteristischen Geruch nach frischem Gras, der mit den Jahren einem gedämpften, strohfarbenen Beige weicht. Durch Sonnenlicht, Feuchtigkeit und regelmäßige Nutzung nutzt sich die Oberfläche ab und muss irgendwann erneuert werden, während der darunterliegende Strohkern deutlich länger halten kann. In traditionell geführten Teeräumen gilt gepflegtes, gleichmäßig helles Tatami als Zeichen dafür, dass der Raum regelmäßig genutzt und in Stand gehalten wird, während stark abgenutzte oder fleckige Matten in einem repräsentativen Chashitsu als nachlässig gelten würden. Manche Betreiber wechseln die Deckschicht deshalb in regelmäßigen Abständen aus, ohne den gesamten Unterbau der Matte zu erneuern.

Was davon zu Hause bleibt

Für die eigene Matcha-Zubereitung braucht es weder Tatami noch einen eigenen Teeraum. Wichtiger ist ein ruhiger Moment, den man sich bewusst nimmt, und ein Matchapulver von verlässlicher Qualität, das sich unabhängig von der Umgebung gleichmäßig zubereiten lässt. Dafür eignet sich zum Beispiel das Bio-Matcha von MATCHASHOCK, das für die alltägliche Zubereitung zu Hause gedacht ist, ganz ohne besondere Bodenbeläge oder feste Raumgröße. Die Ruhe, die ein Teeraum durch seine kleine, klare Form erzeugt, lässt sich genauso gut an einem gewöhnlichen Küchentisch finden, wenn man sich für den Moment bewusst Zeit nimmt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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