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Grundlagen

Georgien: die frühere Sowjet-Teeregion und ihr Blick auf Matcha

Georgien hat eine über 130 Jahre alte Teetradition, aber keine belegte Matcha-Produktion. Wer nach Georgien, Teeanbau und Matcha sucht, landet also bei zwei getrennten Geschichten: der Geschichte des georgischen Schwarz- und Grüntees, der in der Region Adscharien rund um Chakvi wächst, und der Frage, ob dort auch das beschattete, steingemahlene Matcha-Pulver hergestellt wird. Nach allem, was sich mit unabhängigen Quellen belegen lässt: aktuell nicht. Dieser Text ordnet ein, was in Georgien wirklich angebaut wird und wo der Unterschied zu Matcha liegt.

Wie der Teeanbau nach Georgien kam

Die ersten Teesträucher wurden 1845 versuchsweise in Georgien gepflanzt, aber erst 1892 wurde daraus ein ernsthaftes Geschäft. Der russische Teehändler Konstantin Popov legte damals rund 300 Hektar Plantagen im Dorf Chakvi in der Region Adscharien an. Den eigentlichen Durchbruch schaffte ein chinesischer Tee-Experte: Liu Junzhou aus der Provinz Guangdong kam 1893 mit zehn Landsleuten, 1.000 Kilogramm Teesamen und 150.000 Setzlingen nach Chakvi. 1896 brühte er die erste Tasse aus der neuen Plantage, im Jahr 1900 gewann der georgische Tee in Paris eine Goldmedaille als bester Tee der Welt. Historische Aufnahmen des russischen Fotografen Sergei Prokudin-Gorsky dokumentieren diese Plantagen aus der Zarenzeit bis heute. Vor dem Ersten Weltkrieg liefen bereits acht Teefabriken in Georgien, sechs davon in Adscharien, zwei in Guria. Bemerkenswert: Die meisten sowjetischen und georgischen Darstellungen dieser Geschichte erwähnen Liu Junzhous Beitrag kaum und stellen stattdessen vor allem den Investor Popov in den Vordergrund.

Die Sowjetzeit: Goldmedaille und Massenware

Nach der Oktoberrevolution 1917 brach die georgische Wirtschaft zusammen, viele Teesträucher wurden für den Anbau von Grundnahrungsmitteln gerodet. Die Sowjetführung baute die Produktion in den 1920er- und 1930er-Jahren gezielt wieder auf, auch weil sowohl Lenin als auch Stalin bekennende Teetrinker waren. 1930 entstand in Anaseuli das Institut für Tee- und subtropische Kulturen, das einzige seiner Art in Europa. In den 1950er-Jahren erreichte die georgische Teeindustrie ihren Höhepunkt: Georgien wurde zeitweise zum viertgrößten Tee-Exporteur der Welt. Georgischer Schwarztee ging in die gesamte Sowjetunion, von Leningrad bis Wladiwostok, georgischer Grüntee war vor allem in den zentralasiatischen Republiken wie Usbekistan und Kirgistan gefragt. Der Preis dafür war Qualität: Die Planwirtschaft verlangte Menge statt Sorgfalt, und die für gute Tees nötige Handpflückung der obersten zwei Blätter und der Knospe geriet zunehmend in den Hintergrund. Rund um die Ära von Wassili Mschawanadse und Eduard Schewardnadse in Georgien begann sich dieser Qualitätsverlust in der Breite bemerkbar zu machen.

Wie georgischer Tee traditionell verarbeitet wird

Georgischer Schwarztee durchläuft die klassischen Schritte Welken, Rollen, Oxidation und Trocknung, wie sie auch in anderen großen Schwarztee-Anbaugebieten üblich sind. Georgischer Grüntee dagegen wird, ähnlich wie viele chinesische Grüntees, kurz erhitzt, um die Oxidation frühzeitig zu stoppen, und anschließend gerollt und getrocknet. Beide Verfahren zielen darauf ab, ganze oder gebrochene Blätter zu erhalten, die anschließend als Blatttee aufgegossen werden. Für Matcha ist dagegen keiner dieser beiden Wege vorgesehen, dort steht am Ende immer ein feines Pulver aus gedämpften, unfermentierten Blättern.

Der Einbruch nach 1991

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor die georgische Teeindustrie ihren einzigen Absatzmarkt praktisch über Nacht. Plantagen wurden aufgegeben, Fabriken stillgelegt, Fachwissen ging verloren. Ein Teil des alten Wissens überlebte nur bei einzelnen, kleinen Manufakturen, die weiter von Hand arbeiteten. Erst in den vergangenen Jahren berichten georgische und internationale Medien von einer vorsichtigen Wiederbelebung: kleinere Betriebe investieren neu in alte Plantagen, auch mit Blick auf den wachsenden Markt für Spezialitätentee in Europa.

Was von der alten Infrastruktur übrig ist

Das Haus des chinesischen Experten Liu Junzhou steht bis heute in Chakvi, ein Restaurierungsprojekt dafür kam bislang nicht zustande. Ein Teil der historischen Fabrikgebäude ist erhalten, andere verfallen. Die Wiederbelebung konzentriert sich vor allem auf Schwarz- und Grüntee nach klassischer Machart, verarbeitet aus offen gepflückten Blättern, nicht auf beschattete Blätter für Matcha.

Grüntee ja, Matcha nein: der heutige Stand

Wer nach georgischem Matcha sucht, findet in unabhängigen Marktübersichten zu Matcha-Anbaugebieten Georgien nicht als Produktionsland gelistet. Die dort verfügbaren Übersichten nennen Japan, China, Südkorea, Taiwan und einzelne kleinere Produzenten in Indien, den USA, Australien und Neuseeland. Georgien taucht darin nicht auf. Das bedeutet nicht, dass in Georgien niemals Matcha entstehen könnte, sondern nur, dass es dafür aktuell keinen belegbaren Nachweis gibt. Sollte sich das ändern, gehört diese Seite aktualisiert, nicht ausgedacht.

Was Reisende in der Region heute sehen können

Wer die Region um Chakvi und Batumi bereist, findet nach Reiseberichten noch heute Reste der alten Plantagen sowie einzelne, teils museal aufbereitete Fabrikgebäude aus der Popov- und Sowjetzeit. Einzelne kleine Betriebe bieten Führungen und Verkostungen ihres eigenen, wiederbelebten Tees an. Eine ausgebaute touristische Infrastruktur rund um Matcha, wie sie in Teilen Japans existiert, mit Beschattungsflächen, Steinmühlen oder Teezeremonie-Vorführungen speziell für Matcha, lässt sich für Georgien mit den hier verwendeten Quellen dagegen nicht belegen. Wer die georgische Teegeschichte kennenlernen möchte, findet also eher eine Reise in die Vergangenheit des Landtees als eine Begegnung mit Matcha im engeren Sinn, und genau das macht diese Geschichte für sich genommen bereits interessant.

Warum Matcha andere Anbauschritte braucht als georgischer Tee

Der Unterschied liegt im Verfahren, nicht nur im Namen. Für Matcha werden die Teesträucher vor der Ernte mehrere Wochen beschattet, damit die Blätter mehr Chlorophyll bilden und milder schmecken. Nach der Ernte werden die Blätter gedämpft statt geröstet, die Blattrippen und Stiele entfernt, und das verbleibende Blattfleisch, das Tencha, wird traditionell auf einer Steinmühle zu feinem Pulver gemahlen. Georgischer Schwarz- und Grüntee durchläuft diese Schritte klassischerweise nicht: Die Blätter wachsen offen in der Sonne und werden zu Blatttee verarbeitet, nicht zu Pulver. Beide Wege ergeben eigenständige, legitime Tees, nur eben keinen Matcha.

Das Klima an der georgischen Schwarzmeerküste

Adscharien liegt an der subtropischen georgischen Schwarzmeerküste, mit viel Niederschlag und milden Wintern, ein Klima, das der ursprünglichen Standortwahl der Teepioniere im 19. Jahrhundert zugutekam. Diese Bedingungen ähneln in groben Zügen anderen subtropischen Teeanbaugebieten weltweit, unterscheiden sich aber deutlich von den kühleren, oft nebligen Hochlagen japanischer Matcha-Anbaugebiete wie Uji oder Nishio. Allein aus dem Klima lässt sich deshalb nicht ableiten, dass in Georgien auch Matcha im engeren Sinn entstehen könnte, es zeigt nur, dass Teeanbau dort grundsätzlich funktioniert.

Wie sich die heutige Wiederbelebung von der Sowjetproduktion unterscheidet

Die aktuelle, kleinere Wiederbelebung georgischer Teeplantagen setzt nach Berichten internationaler Medien bewusst auf das Gegenteil der sowjetischen Praxis: kleine Mengen statt Masse, sorgfältige Handpflückung statt maschineller Ernte, Spezialitätentee für den Export statt Massenware für den sowjetischen Binnenmarkt. Einzelne kleine Betriebe knüpfen dabei an das Wissen der wenigen artisanalen Teemacherinnen und Teemacher an, die die Qualitätstradition auch während der Jahrzehnte des industriellen Massenanbaus nicht vollständig verloren hatten. Das erklärt, warum aktuelle Berichte über georgischen Tee inzwischen wieder von Auszeichnungen und Interesse aus dem europäischen Spezialitätenmarkt sprechen, nicht mehr nur von Exportmengen in die ehemalige Sowjetunion.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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