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Grundlagen

Chagusaba: das von der FAO gewürdigte Anbauverfahren aus Shizuoka

Chagusaba ist eine traditionelle Anbaumethode aus der japanischen Präfektur Shizuoka, bei der Wiesenflächen rund um die Teefelder gezielt gemäht und das Schnittgut als Mulch zwischen die Teesträucher gelegt wird. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die FAO, hat das Verfahren 2013 als Globally Important Agricultural Heritage System, kurz GIAHS, ausgezeichnet, nicht die UNESCO. Dieser Text erklärt, wie das Verfahren funktioniert, warum es ausgezeichnet wurde und was es mit Matcha zu tun hat.

Was Chagusaba wörtlich bedeutet

Chagusaba setzt sich aus den japanischen Begriffen für Tee, cha, und Wiesengras, kusaba, zusammen und bezeichnet halbnatürliche Wiesenflächen, die gezielt für die Teewirtschaft gepflegt werden. Auf diesen Flächen wachsen unter anderem Japanisches Silbergras und Sasa-Bambus. Die Landwirtinnen und Landwirte schneiden dieses Gras jährlich und breiten es zwischen den Reihen der Teesträucher aus. Dort verrottet es langsam und verbessert die Bodenstruktur, ohne dass mineralischer Dünger im selben Umfang nötig wäre. Nach Angaben der Trägerorganisation der Auszeichnung werden diese Flächen bereits seit mehr als 10.000 Jahren durch menschliche Nutzung offengehalten.

Wie der Zusammenhang mit der Artenvielfalt entdeckt wurde

Den wissenschaftlichen Nachweis für den ökologischen Wert der Chagusaba-Flächen lieferte 2011 der Botaniker Hidehiro Inagaki von der Universität Shizuoka. Er untersuchte eigentlich aufgegebene Reisfelder, stieß dabei aber auf ein Feld mit Silbergras und erkannte den Zusammenhang zwischen dieser Grasnutzung und dem Erhalt seltener Pflanzen- und Insektenarten in der Region.

Warum die FAO das System auszeichnete

2013 nahm die FAO das traditionelle Tee-Gras-Verbundsystem Shizuokas in ihre Liste der Globally Important Agricultural Heritage Systems auf. Ausschlaggebend war, dass die Chagusaba-Flächen nach Angaben der FAO und lokaler Fachpresse mehr als 300 gefährdete Pflanzen- und Insektenarten erhalten, während sie gleichzeitig einen wirtschaftlichen Zweck erfüllen. Ein an der Auszeichnung beteiligter Agrarwissenschaftler brachte den Gedanken so auf den Punkt: Je mehr Tee auf diese Weise erzeugt werde, desto reicher werde zugleich die Artenvielfalt, ein Verhältnis, das in der industriellen Landwirtschaft selten sei.

Wie viel Arbeit dahintersteckt

Chagusaba ist arbeitsintensiv: Das Gras muss jährlich von Hand oder mit einfachen Maschinen geschnitten, gebündelt und auf die Teefelder verteilt werden, ein Aufwand, der deutlich über dem klassischer mineralischer Düngung liegt. Berichten der japanischen Fachpresse zufolge zahlt sich das über die Qualität des daraus gewonnenen Tees aus: Chagusaba-Tee erzielt am Markt tendenziell höhere Preise als Tee aus konventionell gedüngten Feldern.

Der wirtschaftliche Haken

Genau dieser Preisvorteil ist in den vergangenen Jahren unter Druck geraten. Wenn die Preise für hochwertigen Tee nicht stabil bleiben, sinkt nach Angaben japanischer Medien die Bereitschaft der Betriebe, den zusätzlichen Aufwand für Chagusaba zu leisten. Die Folge ist, dass immer mehr Flächen aufgegeben werden und die Zahl der Betriebe, die das Verfahren noch praktizieren, spürbar zurückgeht.

Ein Gütesiegel für Praktizierende seit 2013

Um dem entgegenzuwirken, richtete der Trägerverein der GIAHS-Auszeichnung im September 2013 ein Anerkennungssystem für Betriebe ein, die das Verfahren nachweislich anwenden. Tee, der auf diese Weise erzeugt wird, trägt seither eine eigene Kennzeichnung. Regionen wie Kakegawa bauen zusätzlich den Agrotourismus rund um Chagusaba aus, unter anderem mit ausgebildeten lokalen Führungen für Besucherinnen und Besucher.

Was auf den Wiesenflächen sonst noch lebt

Die so gepflegten Wiesenflächen sind nach Angaben der Trägerorganisation der Auszeichnung Lebensraum für über 300 gefährdete Pflanzen- und Insektenarten, die auf genau diese Art halboffener, regelmäßig gemähter Wiese angewiesen sind. Ohne die jährliche Mahd würden die Flächen entweder verbuschen oder für andere Nutzung umgewandelt, beides würde diesen Arten den Lebensraum entziehen. Die Chagusaba-Flächen sind damit ein Beispiel dafür, dass eine wirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und der Erhalt von Artenvielfalt sich nicht zwangsläufig ausschließen, sondern hier sogar voneinander abhängen.

Wie Besucherinnen und Besucher das Verfahren erleben können

Kakegawa und umliegende Gemeinden haben nach Angaben japanischer Medien eigene Führungsprogramme aufgebaut, bei denen geschulte lokale Guides Interessierten die Chagusaba-Flächen und die dazugehörigen Teefelder zeigen. Solche Angebote richten sich sowohl an Fachpublikum aus der Teebranche als auch an Reisende, die Shizuoka abseits der bekannteren Ziele wie dem Fuji besuchen. Für die Region ist das eine zusätzliche Einnahmequelle, die die eigentliche, arbeitsintensive Feldarbeit wirtschaftlich stützen soll.

Der jährliche Rhythmus der Pflege

Die Pflege der Chagusaba-Flächen folgt einem wiederkehrenden Jahresrhythmus: Nach der Reife der Gräser im Herbst wird das Silbergras und der Sasa-Bambus geschnitten, gebündelt und anschließend zwischen den Reihen der Teesträucher ausgebracht, bevor im Frühjahr die nächste Erntesaison für den Tee beginnt. Diese wiederkehrende Arbeit unterscheidet Chagusaba von einer einmaligen Bodenverbesserung, sie ist fester Bestandteil des landwirtschaftlichen Jahresablaufs und muss entsprechend fest in die Arbeitsplanung eines Betriebs eingeplant werden.

Warum das Verfahren nicht einfach kopiert werden kann

Ein Grund, warum sich Chagusaba nicht ohne Weiteres auf andere Regionen übertragen lässt, liegt in den beteiligten Pflanzenarten selbst: Japanisches Silbergras und die dort heimischen Insekten- und Pflanzengemeinschaften sind an das lokale Klima und den lokalen Boden Shizuokas angepasst. Eine Übertragung des Prinzips auf andere Regionen wäre zwar denkbar, würde aber eigene, vor Ort passende Pflanzenarten und eine eigene wissenschaftliche Grundlage erfordern, wie sie in Shizuoka erst durch die Forschung von Hidehiro Inagaki entstanden ist.

Was das für Reisende und Interessierte bedeutet

Für Menschen außerhalb Japans bleibt Chagusaba vor allem ein anschauliches Beispiel dafür, wie stark traditionelle Anbaumethoden und Naturschutz zusammenhängen können. Wer sich für die Herkunft von japanischem Tee interessiert, findet in der Geschichte von Chagusaba einen guten Ausgangspunkt, um zu verstehen, warum manche Tees deutlich teurer sind als andere, auch wenn der Unterschied in der Tasse selbst nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Auszeichnung durch die FAO macht diesen Zusammenhang zumindest offiziell sichtbar und nachprüfbar, anders als bei vielen anderen Qualitätsversprechen im Teehandel.

Chagusaba als ein Beispiel unter mehreren

Shizuoka ist nicht die einzige Region Japans, die von der FAO für traditionelle Landwirtschaft ausgezeichnet wurde, auch wenn dieser Text sich bewusst auf Chagusaba beschränkt, weil nur dafür belastbare, selbst geprüfte Quellen vorlagen. Wer sich für weitere japanische GIAHS-Standorte interessiert, findet eine vollständige, laufend aktualisierte Liste auf der offiziellen FAO-Seite. Für diesen Text war wichtig, nur das zu beschreiben, was sich anhand der FAO-Seite selbst und unabhängiger Fachpresse zu Shizuoka konkret belegen ließ, statt eine vollständige Übersicht aller japanischen Agrarauszeichnungen zu versuchen. Für weiterführende Fragen bleibt die offizielle FAO-Datenbank die verlässlichste Anlaufstelle, weil sie laufend aktualisiert wird und direkt von der Trägerorganisation gepflegt ist, anders als private Übersichten, deren Aktualität sich oft nur schwer nachprüfen lässt. Wer sich auf eine einzelne Quelle verlassen möchte, ist mit dieser offiziellen Datenbank also besser beraten als mit einer beliebigen Reiseseite.

Was das mit Matcha zu tun hat, und was nicht

Wichtig für die Einordnung: Chagusaba beschreibt eine Anbaumethode für Teefelder in Shizuoka insgesamt, und die Präfektur ist vor allem für Sencha bekannt, offen gepflückten Grüntee ohne Beschattung. Ob einzelne Chagusaba-Flächen auch beschattete Tencha-Blätter für Matcha liefern, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht eindeutig belegen, deshalb wird das hier nicht behauptet. Das Prinzip dahinter, nährstoffreicher, naturnah bewirtschafteter Boden als Grundlage für hochwertigen Tee, gilt aber unabhängig von der Teeart.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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