Zubereitung
Teeei, Teefilter, French Press: was mit dem Pulver wirklich passiert
Matcha ist kein Aufgusstee, sondern gemahlenes Blatt, das in der Flüssigkeit schwebt. Wer das Pulver in ein Teeei füllt oder in die French Press kippt, arbeitet deshalb gegen die Physik: Im Teeei bleibt ein feuchter Klumpen zurück, in der Tasse landet blasses Wasser. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, was in beiden Geräten passiert, warum das Sieb der French Press überhaupt nichts zurückhält und mit welchen Handgriffen du trotzdem eine ordentliche Schale bekommst.
Matcha wird nicht aufgegossen, sondern aufgeschlämmt
Beim klassischen Blatttee zieht Wasser durch das Blatt, löst darin gelöste Stoffe heraus und lässt den Rest im Filter zurück. Bei Matcha gibt es diesen Rest nicht, weil das ganze Blatt bereits zu Staub vermahlen ist. Wie fein, hat die Arbeitsgruppe um Fujioka 2016 in der Fachzeitschrift Molecules per Laserbeugung gemessen: Die Keramikmühle kam auf einen Median von 15,01 Mikrometer, eine Kugelmühle auf 23,03 Mikrometer, ein Küchenmixer auf 31,85 Mikrometer, gesiebtes Blattmaterial dagegen auf 49,20 Mikrometer. Für Matcha aus Steinmühlen nennt die dort zitierte Literatur 15 bis 20 Mikrometer, für Jet-Mill-Ware sogar fünf Mikrometer und weniger. Ein Hersteller aus Uji beziffert sein eigenes Pulver auf fünf bis zehn Mikrometer; die Spanne in den Angaben kommt von Mühlenbauart, Blattgut und Messverfahren, nicht von einer Unklarheit über die Größenordnung. Solche Teilchen lösen sich nicht auf, sie verteilen sich als Schwebe im Wasser und werden mitgetrunken. Genau deshalb misst dieselbe Studie im Pulveraufguss 615,1 Mikrogramm EGCG je Milliliter gegenüber 200,1 Mikrogramm beim Blattaufguss aus demselben Rohstoff, also gut das Dreifache. Wer den Unterschied zwischen beiden Welten grundsätzlich verstehen will, findet ihn in „Matcha oder grüner Tee? Ganzes Blatt gegen Aufguss“ ausführlich erklärt. Ein Gerät, dessen einzige Aufgabe das Trennen von Blatt und Wasser ist, arbeitet bei Matcha also am Ziel vorbei.
Was im Teeei in den ersten Sekunden passiert
Ein Teeei ist eine kleine Kammer mit Löchern oder Feingewebe, gedacht für zwei bis drei Gramm ganzes Blatt, das sich im Wasser entfaltet. Füllst du stattdessen zwei Gramm Pulver ein und tauchst das Ei in die Tasse, saugt sich die äußere Schicht sofort voll. Feuchtes Matchapulver wird binnen Sekunden zu einer zähen Paste, und diese Paste dichtet die Löcher von innen ab. Der trockene Kern in der Mitte bekommt danach kaum noch Wasser zu sehen. Beim Herausheben hängt ein grüner Klumpen im Ei, während in der Tasse eine hellgrüne, dünne Flüssigkeit steht. Bei grobmaschigen Modellen ist das Bild anders, aber nicht besser: Beim Eintauchen entweicht eine grüne Wolke, das Pulver rieselt teilweise nach unten und setzt sich als Bodensatz ab, weil niemand es aufschlägt. In beiden Fällen fehlt der entscheidende Schritt, nämlich Scherkraft. Ein Chasen oder ein Milchaufschäumer zerteilt Pastenreste und verteilt die Teilchen; ein Teeei kann das konstruktionsbedingt nicht. Es hält fest, statt zu mischen.
Papierfilter und Teebeutel behalten das Pulver zurück
Noch deutlicher wird das Missverständnis beim Papierfilter oder beim selbst befüllten Teebeutel. Papier hält deutlich feinere Teilchen zurück als jedes Metallgewebe, und genau darauf ist es gebaut. Wenn du Matcha in einen Filterbeutel gibst und heißes Wasser darüber gießt, bekommst du eine gelbgrüne Flüssigkeit mit einem Bruchteil der Farbe und einen schweren, nassen Klumpen im Papier. Das Pulver, für das du bezahlt hast, wandert in den Müll. Ein Sieb hat in der Matcha-Zubereitung trotzdem seinen Platz, nur an einer anderen Stelle im Ablauf: Es kommt vor dem Wasser zum Einsatz, um trockene Klümpchen aufzubrechen. Ein feines Küchensieb reicht dafür aus, und das Pulver wird mit dem Löffelrücken durchgestrichen, nicht hindurchgedrückt. Merksatz für die Küche: Ein Sieb darf trockenes Pulver passieren lassen, aber niemals die fertige Schale filtern. Alles, was nach dem Anrühren noch abgeseiht wird, fehlt danach im Getränk.
In der French Press siebt das Sieb praktisch gar nichts
Bei der French Press liegt der Fall genau umgekehrt, und das überrascht die meisten. Das Metallgewebe am Stempel ist für grob gemahlenen Kaffee gebaut. Es hält den groben Satz zurück und lässt den Feinanteil bewusst durch; genau davon lebt der körperreiche, leicht trübe Auszug aus der Presse. Matcha spielt in einer ganz anderen Größenordnung: Der von Fujioka und Kollegen gemessene Median von 15,01 Mikrometer liegt weit unterhalb dessen, was ein für Kaffeesatz gebautes Gewebe überhaupt erfassen kann. Solche Teilchen passieren es, ohne es zu bemerken. Die French Press filtert deinen Matcha also nicht, sie kann es gar nicht. Was bleibt, ist die reine Mechanik: Der Stempel bewegt Flüssigkeit durch ein Lochblech, und das ist ein Rührwerk. Das Gerät ist damit kein Filter, sondern ein grober Ersatz für den Besen. Wer es so einsetzt, bekommt ein brauchbares Ergebnis; wer damit abseihen will, verliert nichts, erreicht aber auch nichts.
So nutzt du die French Press als Besen-Ersatz
Wenn ohnehin eine Presse im Schrank steht, ist sie die beste Notlösung im Haushalt, besonders für zwei Portionen gleichzeitig. Der Ablauf: zwei Gramm Pulver je Person direkt in die Kanne sieben, damit keine Klümpchen mitreisen. Dann etwa 30 Milliliter Wasser mit 70 bis 80 Grad zugeben und mit einem Löffel zu einer glatten Paste rühren. Erst danach auf 150 Milliliter je Portion auffüllen. Stempel einsetzen und 20 bis 30 Mal zügig auf und ab bewegen, dabei den Deckel festhalten und den Stempel nicht ganz aus der Flüssigkeit ziehen, sonst spritzt es. Nach etwa 20 Sekunden steht eine feinporige Haube auf der Kanne. Wichtig: den Stempel oben lassen und die Kanne direkt ausgießen, nicht erst durchdrücken und warten. Die Haube fällt schneller zusammen als beim Chasen, weil das Lochblech gröbere Blasen erzeugt. Weitere Wege ohne klassischen Besen, vom Shaker bis zum Schneebesen, vergleicht „Matcha ohne Besen: drei Methoden, die wirklich funktionieren“.
Der grüne Belag danach und wie du ihn loswirst
Nach dem Matcha in der Presse hast du ein neues Problem: Die Spirale um das Sieb, die Dichtung und die Kanne sind grün. Getrocknetes Pulver setzt sich in der Feder fest und lässt sich später nur noch mit Bürste und Geduld entfernen, weil die Teilchen in jede Windung passen. Deshalb gilt dieselbe Regel wie beim Milchaufschäumer: sofort ausspülen, solange alles feucht ist. Kaltes Wasser reicht dafür aus, heißes Wasser fixiert Eiweiß- und Farbstoffreste eher. Bei der French Press lohnt es sich, den Stempel einmal komplett zu zerlegen, die drei Siebteile getrennt abzuspülen und alles offen trocknen zu lassen. Das Teeei wird direkt nach dem Fehlversuch unter fließendem Wasser ausgeklopft, sonst backt die Paste im Gewebe fest. Grüne Verfärbungen an Kunststoffdeckeln sind harmlos und gehen mit etwas Natron und weichem Tuch meist zurück. Auch das Sieb, durch das du das trockene Pulver gegeben hast, gehört danach abgespült und offen getrocknet; wie du ein zugesetztes Sieb wieder frei bekommst, zeigt „Matcha-Sieb verstopft: reinigen, trocknen, wieder frei bekommen“.
Die Wege, die zuverlässig funktionieren
Für den Alltag brauchst du kein Gerät mit Filterfunktion, sondern eines mit Rührwirkung. Der Deutsche Tee & Kräutertee Verband beschreibt den Ablauf klassisch: einen halben Teelöffel Pulver mit zwei Esslöffeln kaltem Wasser cremig rühren, dann mit 150 Millilitern heißem Wasser aufgießen und umrühren. Diese Reihenfolge löst das Klumpenproblem an der Wurzel, weil die Paste vor dem Hitzekontakt entsteht. Danach hast du die freie Wahl: Bambusbesen für die feinste Haube, elektrischer Milchaufschäumer für die schnellste Lösung, dicht verschlossener Shaker für die kalte Variante, Standmixer für größere Mengen. Was vollautomatische Geräte davon übernehmen und wo ihre Grenzen liegen, steht in „Matcha-Maschine kaufen: was automatische Geräte wirklich können“. Der Unterschied ist auch messbar: Stiftung Warentest berichtete am 6. April 2026 über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest, in der zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, 15,5 bis 20 Milligramm Koffein je Gramm enthielten. Bleiben zwei Gramm als Klumpen im Teeei zurück, bleibt eben auch der komplette Inhalt der Schale dort liegen, statt in der Tasse zu landen.
Quellen
- Fujioka et al., Molecules 21(4):474 (2016): mediane Teilchengrößen von 15,01 bis 49,20 Mikrometer je Mahlverfahren, nach Sawamura 15 bis 20 Mikrometer für Mühlstein und Kugelmühle und höchstens fünf Mikrometer für die Jet Mill, EGCG-Gehalt im Pulveraufguss 615,1 gegenüber 200,1 Mikrogramm je Milliliter im Blattaufguss ↗
- Yamamasa Koyamaen, Uji – About Matcha: Teilchengröße von Matcha bei etwa fünf bis zehn Mikrometer ↗
- Deutscher Tee & Kräutertee Verband – Die Zubereitung: Matcha mit zwei Esslöffeln kaltem Wasser cremig rühren, dann mit 150 Millilitern heißem Wasser aufgießen ↗
- Stiftung Warentest (06.04.2026) – Bericht über die Untersuchung der tschechischen Verbraucherorganisation dTest: zwölf Produkte, davon zehn reine Pulver, 15,5 bis 20 Milligramm Koffein je Gramm ↗
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.



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