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Was ist Hojicha? Gerösteter Grüntee statt beschattetem Blatt

Gleiche Pflanze, komplett anderes Erlebnis: Hōjicha ist gerösteter grüner Tee – bräunlich, nussig-mild und koffeinarm, statt knallgrün und herb wie Matcha.

Gerösteter Grüntee statt beschattetes Blatt

Hōjicha wird aus grünem Tee hergestellt – meist gröbere Blätter, Stiele und Zweige (Bancha-Qualität), die nicht fein genug für Sencha, Gyokuro oder Matcha sind. Statt beschattet und zu Pulver vermahlen zu werden, werden sie bei etwa 200°C über Kohle oder in einer Röstmaschine geröstet. Das Ergebnis: eine bräunlich-rötliche Farbe statt sattem Grün, und ein warmes, nussig-karamelliges Aroma statt der grasig-herben Note von unbehandeltem Grüntee.

Entstanden aus Resteverwertung – Kyoto, 1920er Jahre

Hōjicha ist eine vergleichsweise junge Erfindung: In den 1920er-Jahren stand ein Kyoto-Teehändler auf einem Lager minderwertiger Bancha-Blätter, die sich nicht verkaufen ließen. Statt sie wegzuwerfen, röstete er sie über Holzkohle – getreu dem japanischen Prinzip 'Mottainai' (nichts verschwenden). Aus der Restenutzung wurde eine eigene Tee-Kategorie. 1983 adelte Kaiser Hirohito einen Premium-Hōjicha aus der Präfektur Ishikawa (Kaga Bōcha), was dem zuvor als einfach geltenden Tee zusätzliches Ansehen verschaffte.

Warum Hōjicha weniger Koffein enthält

Der geringere Koffeingehalt hat zwei Ursachen: Erstens sublimiert Koffein bereits bei rund 178°C – bei den Röst-Temperaturen von etwa 200°C geht dadurch ein Teil verloren. Zweitens stammt Hōjicha oft aus Stielen und gröberen, reiferen Blättern, die von Natur aus weniger Koffein enthalten als die jungen, beschatteten Blätter für Matcha. In Summe wird ein deutlich niedrigerer Koffeingehalt als bei ungeröstetem Grüntee berichtet – wodurch Hōjicha in Japan traditionell auch abends getrunken wird.

Für wen sich Hōjicha eignet

Wer den kräftig-grasigen Matcha-Geschmack oder den höheren Koffeingehalt als zu intensiv empfindet, findet in Hōjicha eine mildere Alternative aus derselben Teepflanze (Camellia sinensis) – ohne auf ein Ritual mit Tee komplett zu verzichten. Ein Wechsel zwischen beiden je nach Tageszeit ist in Japan üblich: Matcha am Morgen, Hōjicha für den Nachmittag oder Abend. Welcher der beiden Tees zu welchem Moment passt, stellt der Wissensartikel „Hojicha oder Matcha: geröstetes Blatt gegen gemahlenes Blatt“ Punkt für Punkt gegenüber.

Wie Hōjicha zubereitet wird

Anders als Matcha wird Hōjicha aufgegossen, nicht aufgeschlagen. Weil die Blätter geröstet sind, verträgt er deutlich heißeres Wasser als ungerösteter Grüntee – gängig sind rund 90 Grad bei einer kurzen Ziehzeit von etwa einer halben bis einer Minute. Zu langes Ziehen macht den Aufguss nicht bitter, sondern flach, weil die Röstaromen verfliegen. Für eine Kanne rechnet man ungefähr einen gehäuften Teelöffel je 200 Milliliter. Der Aufguss ist bräunlich-rot und klar, nicht trüb. Wer aus derselben Küche beides trinkt, braucht dafür kein zweites Gerät: Kanne und Sieb genügen, der Bambusbesen bleibt dem Matcha vorbehalten. Welche Temperatur zu welchem Tee passt, ordnet der Wissensartikel „Welches Wasser für Matcha? Temperatur und Wasserhärte erklärt“ ein.

Hōjicha als Pulver und als Latte

Neben losem Blatt gibt es Hōjicha auch als feines Pulver, das wie Matcha aufgeschlagen oder in Milch eingerührt wird. Das Ergebnis ist ein Getränk mit karamelliger, leicht nussiger Note und beigebrauner Farbe statt Grün. In Cafés taucht es als Hōjicha Latte auf, oft neben dem Matcha Latte auf derselben Karte. Für zuhause funktioniert dieselbe Reihenfolge wie beim Matcha: erst mit wenig Flüssigkeit glatt rühren, dann Milch auffüllen. Weil Röstaromen und Milch gut zusammenpassen, braucht dieser Latte meist weniger Süße als andere. Wie sich das mit Blatt oder Pulver umsetzen lässt, zeigt der Wissensartikel „Hojicha Latte selber machen: mit Blatt oder mit Pulver“.

Woran du guten Hōjicha erkennst

Drei Merkmale helfen beim Einkauf. Erstens die Farbe: gleichmäßig rotbraun, nicht schwarz verkohlt und nicht ungleichmäßig gefleckt. Zweitens der Geruch: warm, nach Getreide und Karamell, ohne scharfe Brandnote. Drittens der Anteil an Stielen, die bei bestimmten Sorten ausdrücklich erwünscht sind und für eine besonders milde Tasse sorgen. Frische zählt auch hier: Röstaromen verfliegen mit der Zeit, deshalb gilt dieselbe Lagerregel wie bei jedem Tee – luftdicht, dunkel, trocken und getrennt von stark riechenden Lebensmitteln. Wie sich das für den ganzen Vorrat organisieren lässt, steht im Wissensartikel „Matcha richtig aufbewahren: luftdicht, dunkel, kühl – und ohne Kondenswasser“.

Wann Matcha und wann Hōjicha?

Die beiden Tees ersetzen sich nicht, sie ergänzen sich. Matcha ist das dichtere, grasig-cremige Getränk mit der Schaumdecke und dem höheren Koffeingehalt; Hōjicha ist der leichte, geröstete Aufguss, der auch in größerer Menge und zu später Stunde noch angenehm bleibt. Viele Haushalte in Japan halten deshalb beides vorrätig und wechseln nach Tageszeit. Praktisch heißt das: Matcha am Vormittag oder am frühen Nachmittag, Hōjicha danach – oder zum Essen, weil er sich mit herzhaften Gerichten gut verträgt. Eine Gegenüberstellung Punkt für Punkt liefert der Wissensartikel „Hojicha oder Matcha: geröstetes Blatt gegen gemahlenes Blatt“.

Was beide gemeinsam haben

Bei allen Unterschieden stammen Hōjicha und Matcha von derselben Pflanze: Camellia sinensis. Was sie trennt, sind Anbau und Verarbeitung – Beschattung und Vermahlung auf der einen Seite, Röstung auf der anderen. Beide sind reine Erzeugnisse ohne zugesetzten Zucker, beide lassen sich pur oder mit Milch trinken, beide sind trocken lange haltbar. Wer also den Geschmack von grünem Tee grundsätzlich mag, aber nach Abwechslung sucht, muss die Kategorie nicht verlassen. Und wer bei Matcha eingestiegen ist, findet in Hōjicha eine zweite Tür ins selbe Haus. Wie sich das gesamte Geschmacksbild sortiert, führt der Wissensartikel „Wie schmeckt Matcha? Das Geschmacksprofil von Umami bis grasig“ vor.

Wie Hōjicha in der Küche funktioniert

Die Röstaromen machen Hōjicha zu einer dankbaren Zutat jenseits der Tasse. Er passt zu allem, was ohnehin geröstete oder karamellige Noten hat: Milchreis, Panna Cotta, Eis, Sirup für Kaffeegetränke, Marinaden für Gemüse. Als Pulver lässt er sich in Teig einarbeiten, als starker Aufguss ersetzt er einen Teil der Flüssigkeit in Desserts. Weil er kaum bitter wird, verzeiht er größere Mengen als grüner Tee. Wer beides im Haus hat, kann sogar mischen: eine Basis aus Hōjicha mit einer kleinen Menge Matcha für Farbe und Frische. Was sich mit Matcha herzhaft anstellen lässt, sammelt der Wissensartikel „Matcha herzhaft: warum das grüne Pulver auch salzig funktioniert“.

Was Hōjicha kostet und wie du ihn lagerst

Weil Hōjicha aus gröberen Blättern und Stielen hergestellt wird, liegt er im Preis meist deutlich unter beschattetem Grüntee – für den Einstieg also eine günstige Ergänzung. Gekauft wird er als loses Blatt, seltener als Pulver. Bei der Lagerung gelten dieselben vier Feinde wie bei jedem Tee: Licht, Luft, Wärme und Feuchtigkeit. Eine fest schließende, blickdichte Dose im dunklen Schrank genügt. Anders als grüner Tee verliert Hōjicha weniger Farbe, dafür schneller Duft: Wenn beim Öffnen kaum noch Röstaroma aufsteigt, ist der beste Zeitpunkt vorbei. Wie sich ein ganzer Teevorrat sinnvoll organisieren lässt, steht im Wissensartikel „Matcha richtig aufbewahren: luftdicht, dunkel, kühl – und ohne Kondenswasser“.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar.

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